ZEIT ONLINE: Herr Boateng , sprechen Ihre Kollegen aus den anderen Vereinen Sie noch auf das verloren gegangene Champions-League-Finale an?

Boateng: Nein, darüber reden wir nicht. Das ist abgehakt.

ZEIT ONLINE: Ihr älterer Bruder George hat Ihnen beigebracht, die Angst vor wichtigen Spielen zu verlieren und den Spaß am Fußball zu spüren. Muss man sich den Spaß nach so einer Niederlage erst wieder erkämpfen?

Boateng: Ja. Mir ging es noch nie so schlecht wie in den zwei Tagen nach dem Spiel. Ich wollte nichts essen, nicht drüber sprechen, hatte auch zu nichts Lust. Immer und immer habe ich die entscheidenden Szenen des Spiels in Gedanken durchgespielt.

ZEIT ONLINE: Wie bekommt man da wieder einen klaren Kopf? 

Boateng: Man muss versuchen, in den Alltag zurückzufinden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, nachdem ein solcher Traum zerplatzt ist. Jeder macht das auf seine Art. Ich war bei meiner Familie, meinen Zwillingstöchtern in Berlin . Ich liebe Fußball über alles, aber wenn ich sehe, wie meine Töchter rumlaufen, wie sie spielen, dann merke ich, dass mir meine Familie am wichtigsten ist.

ZEIT ONLINE: Ihr älterer Bruder George ruft Sie nach Spielen immer an, gibt Ihnen ein Feedback. Auch nach dem Finale?

Boateng: Er war im Stadion, wir haben uns nach dem Spiel gesehen. Er hat mir gesagt, dass ich gerade jetzt stark sein muss und mich nicht runterziehen lassen darf. Ich solle nicht die ganze Zeit an das Spiel denken, sondern aufstehen und weitermachen. Da hilft natürlich jetzt die EM, denn dort haben wir ein neues großes Ziel vor Augen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie mit den anderen Bayern-Spielern noch mal zusammengesessen und geredet?

Boateng: Was sollst du da noch drüber reden? Du hast das Spiel verloren und weißt nicht, warum – genauso wie die Spieler von Chelsea nicht wissen, warum sie gewonnen haben. Aber so ist Fußball. Vor dem Bayern-Spiel gegen Holland hat aber der Trainer nochmal mit uns gesprochen.