Doping im Fußball"Es wird mit Medikamenten kompensiert"

60 Prozent der Spieler der WM 2010 nahmen Schmerzmittel. Trotzdem habe der Fußball kein ernstes Dopingproblem, sagt Jiri Dvorak, der Chefmediziner der Fifa, im Interview.

ZEIT ONLINE: Ein Dopingfall bei dieser Europameisterschaft, wird es das geben?

Jiri Dvorak: Das ist Spekulation. Aber die Erfahrungen der letzten 15 Jahre lassen uns hoffen, dass es ohne positive Kontrolle bleibt.

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ZEIT ONLINE: Der letzte prominente Fall bei einer WM oder EM der Männer war Diego Maradona 1994, seitdem gab es keine positiven Tests mehr. Glauben Sie, dass der Fußball dopingfrei ist?

Dvorak: Es spricht einiges dafür, dass wir nur ein kleines Dopingproblem haben. Fußball ist ein Teamsport, die Spieler müssen verschiedenste Fähigkeiten trainieren. Es gibt kein Mittel, das diese verschiedenen Fähigkeiten stimuliert. Der Nutzen ist für die Sportler zu gering, das Risiko zu hoch. Und: Es gibt sehr viele Kontrollen, besonders bei den führenden Fußballnationen.

ZEIT ONLINE: Wie effektiv sind diese Kontrollen? In den Uefa-Regeln steht, ein Spieler hat bei der Europameisterschaft 60 Minuten Zeit, um zur Trainingskontrolle zu kommen. Das reicht, um Proben zu verfälschen.

Dvorak: Bei einer Weltmeisterschaft ist es so, dass wir in der Regel frühmorgens kommen, zum Beispiel um 6.30 Uhr. Wir wecken den Arzt des Teams und fragen, wann die Spieler aufstehen. Wenn die Profis um 7 Uhr aufstehen, kommen wir um 6.58 Uhr in die Zimmer. Wir nehmen die Spieler direkt mit, damit sie nicht auf die Toilette gehen und wir dann stundenlang warten müssen. Wir haben sie also komplett unter Kontrolle. Ich denke, das läuft bei der Uefa ähnlich.

ZEIT ONLINE: Die Uefa hat bei der letzten EM 2008 alle Trainingskontrollen vor dem Turnier gemacht. Nach dem Eröffnungsspiel hat sie nicht mehr im Training kontrolliert, nur noch bei den Spielen. Zwischen den Spielen bleibt aber genug Zeit, um intelligent zu dopen. Viele Substanzen baut der Körper unglaublich schnell ab.

Dvorak: Auch wir machen unsere Trainingstests bei der WM nur vor dem Turnier. Bei einem Verdacht könnten wir natürlich auch zwischen den Spielen kontrollieren. Aber man darf den Fußball nicht mit dem Radsport vergleichen: Die Mannschaften haben zwischen den Spielen nur ein paar Tage frei, wir haben keine Hinweise, dass da gedopt würde.

ZEIT ONLINE: Sie wollen ein biologisches Profil erstellen, um Sünder besser zu erkennen. Wie wird das konkret aussehen?

Dvorak: Wir werden zwei Blutwerte nehmen, Hämoglobin und Hämatokrit, und dazu Steroidparameter vom Urin. Von den Spielern sammeln wir zwei, drei Ausgangswerte und vergleichen diese Werte dann mit Proben während der Turniere. Wenn wir dann Verdacht schöpfen, können wir den Spieler stärker kontrollieren. Wenn die Werte Achterbahn fahren, ist das vielleicht sogar Beweis genug für eine Manipulation.

ZEIT ONLINE: Wann soll das Profil an den Start gehen?

Dvorak: Vielleicht schaffen wir es schon bis zum Confederations Cup 2013. Das Profil 2014 für alle 32 Teilnehmer zu organisieren, wird viel Aufwand. Aber wenn man erst mal eine Handhabe gefunden hat, könnte man diese Werte auch in den nationalen Ligen für Kontrollen nutzen.

Leserkommentare
  1. Doping bringt im Fußball nichts.
    Klar, ein Spieler, der einen Flankenlauf startet, muss den richtigen Zeitpunkt erkennen, vor der schnellen und präzisen Annahme des weiten Diagonalpasses ein hervorragendes Raum- und Zeitgefühl beweisen, dann eine exzellente Beherrschung seiner Bein- und Fußmuskulatur zeigen, um den Ball in vollem Tempo mitzunehmen und zum Ausspielen des Verteidigers Schnellkraft, Balance, aber auch Intuition und Menschenkenntnis an den Tag legen. Beim Torabschluss ist wieder Schnellkraft, ein genau geführter Bewegungsablauf, eine spezielle Technik und Selbstbewusstsein gefordert.

    Woher kommt aber wohl die Kraft für diesen Flankenlauf in der 89. Minute?
    Vor allem im modernen Fußball ist eine hervorragende Fitness Grundvoraussetzung für die komplexen Leistungen im Spiel. Und diese Fitness lässt sich wie beim Radfahrer durch Doping sehr gut steigern.

    Falls die Sportler wirklich "clean" sein sollten, dann sicher nicht, weil Doping nichts bringt.

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  2. Man muss die Testverfahren in ihrem Rythmus verändern, sondern können sich die Spieler darauf einrichten.

    Wenn das Jahr für Jahr so geht, ist doch klar, dass man sich darauf einstellen kann.

    Für die Sportler müsste auch Aufklärung betrieben werden, dass Schmerzmittel usw. wie alle chemischen Substanzen auf lange Sicht das körperliche Leistungsvermögen wieder schwächen.

    Dass die Stars dann am Ende der Saison nicht mehr fit sind, könnte auch daran liegen, dass sie gedopt haben.
    Aber freilich gilt zunächst die Unschuldsvermutung, in Bezug zu einzelnen Spielern. Aber für die Masse?

    Wie gesagt, so lange das Testen so durchschaubar ist, kann man eben nicht wissen, was unter der Hand bei den Spielern so getratscht wird, wann Doping möglich ist. Vielleicht gibt es da so eine Art Geheimwissen, auch eingestreut durch die Ärzte, weil die ja nur ihren Job machen (und die meisten Ärzte verstehen sich auch als Apotheker, so wie die Psychologen gut mit blahblah auf die Seele reinreden , tun die Ärzte es in Bezug zum Körper.

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    • 15thMD
    • 06.06.2012 um 20:00 Uhr

    Man hat es beim Fußball ja noch nicht getestet, ob die Spieler wirklich sauber sind. Hätten die Tour de France-Veranstalter vor ein paar Jahren auch nicht machen müssen, haben sie aber und Kohl, Schumacher etc. wurden erwischt. Solche Kontrollen ium Fußball, und das würde alles ganz anders aussehen.

    Die KOntrollen im Fußball sind ein Witz, auch wenn ich glaube, dass das Doping nicht so Flächendeckend verbreitet ist wie z.B. in Radsport und Leichtathletik.

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    "Die KOntrollen im Fußball sind ein Witz, auch wenn ich glaube, dass das Doping nicht so Flächendeckend verbreitet ist wie z.B. in Radsport und Leichtathletik."

    Du irrst Dich. Lies einfach mal die coming out Bücher prominenter Fußballer der 70er und 80er. In der Leichtathletik werden paar 100.000 verdient, im Radsport werden Millionen verdient, im Fußball werden Milliarden verdient. Mehr muss man glaube ich nicht schreiben. Die dumpfe Masse interessiert es eh nicht.

    "Die KOntrollen im Fußball sind ein Witz, auch wenn ich glaube, dass das Doping nicht so Flächendeckend verbreitet ist wie z.B. in Radsport und Leichtathletik."

    Du irrst Dich. Lies einfach mal die coming out Bücher prominenter Fußballer der 70er und 80er. In der Leichtathletik werden paar 100.000 verdient, im Radsport werden Millionen verdient, im Fußball werden Milliarden verdient. Mehr muss man glaube ich nicht schreiben. Die dumpfe Masse interessiert es eh nicht.

  3. Unglaublich welche Naivität Fifa-Chefmediziner Jiri Dvorak, vorgibt, dass er wirklich so naiv ist, kann ich nicht glauben.
    Sie haben alles unter Kontrolle, so so, mir fallen sofort 2-3 Methoden ein, das System zu überlisten.
    Im Fußball kann nicht gedopt werden?
    Aufmerksamkeit/Konzentration: Z.B. Ritalin, im 2.Weltkrieg entwickelt um die Soldaten so richtig fit zu machen.
    Muskelaufbau: Anabolika und Konsorten ist auch nicht gerade neu.
    Ausdauer: EPO, Blutaustausch und was weiß ich was es da alles gibt.
    Aber das braucht man ja beim Fußball alles nicht.

    Fußballer stopfen sich mit Schmerzmitteln voll, o'welche Überraschung ist auch ert 30-40 Jahre bekannt.

    2 Leserempfehlungen
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    Ich spiele selbst aktiv Fußball in einer der untersten Ligen. Und selbst da geht man nach jedem Spiel mit blauen Flecken, kleinen Aufschürfungen und Blutergüssen vom Feld. Und da geht es überhaupt nicht um Geld...

    Kann mir gut vorstellen, dass man in der 1. und 2. Liga Schmerzmittel braucht, um überhaupt aufstehen zu können.

    [...] Gekürzt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen und Argumenten. Danke. Die Redaktion/kvk

    Nach dem Präzedenzfall Radsport wissen Funktionäre, Mediziner, und sogar die investigativsten Journalisten, dass ihre Arbeitgeber den Zusammenbruch einer äussserst lukrativen Illusion sicher nicht in 2. Mal dulden werden: Es ist ganz still geworden im Blätterwald zum Doping-Thema vor EM und Olympia.
    "Flächendeckende" Doping-Kontrolle, die kein Doping finden soll, funktioniert mittlerweile. Nur externe Behörden kamen zu anderen Ergebnissen, z.B. die Polizei bei der Tour de France in Frankreich und nur ansatzweise in Spanien.
    Die Ankündigung der Fifa-Kontrolleure beim Mannschaftsarzt der Mannschaft spricht ja für sich. Löw/Bierhoff gaben vor Jahren vor einer grossen Meisterschaft offiziell das statement, die Spieler sind unterrichtet also geschult in Sachen Doping, Doping sei kein Problem. "Doping im Fussball" ist ein professionell abgekartetes Spiel mit Illusionen.
    Die Thematik der Schmerzmittel eine sehr durchsichtige Nebelkerze.

    Ich spiele selbst aktiv Fußball in einer der untersten Ligen. Und selbst da geht man nach jedem Spiel mit blauen Flecken, kleinen Aufschürfungen und Blutergüssen vom Feld. Und da geht es überhaupt nicht um Geld...

    Kann mir gut vorstellen, dass man in der 1. und 2. Liga Schmerzmittel braucht, um überhaupt aufstehen zu können.

    [...] Gekürzt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen und Argumenten. Danke. Die Redaktion/kvk

    Nach dem Präzedenzfall Radsport wissen Funktionäre, Mediziner, und sogar die investigativsten Journalisten, dass ihre Arbeitgeber den Zusammenbruch einer äussserst lukrativen Illusion sicher nicht in 2. Mal dulden werden: Es ist ganz still geworden im Blätterwald zum Doping-Thema vor EM und Olympia.
    "Flächendeckende" Doping-Kontrolle, die kein Doping finden soll, funktioniert mittlerweile. Nur externe Behörden kamen zu anderen Ergebnissen, z.B. die Polizei bei der Tour de France in Frankreich und nur ansatzweise in Spanien.
    Die Ankündigung der Fifa-Kontrolleure beim Mannschaftsarzt der Mannschaft spricht ja für sich. Löw/Bierhoff gaben vor Jahren vor einer grossen Meisterschaft offiziell das statement, die Spieler sind unterrichtet also geschult in Sachen Doping, Doping sei kein Problem. "Doping im Fussball" ist ein professionell abgekartetes Spiel mit Illusionen.
    Die Thematik der Schmerzmittel eine sehr durchsichtige Nebelkerze.

    • JayB
    • 06.06.2012 um 21:12 Uhr

    Korruption in den großen Fußballverbänden wird ja häufig vermutet. Solange die FIFA, die UEFA, der DFB etc. selbst nicht "clean" werden, werde ich den Profi-Fußball immer im Doping-Verdacht haben.

    Eine Leserempfehlung
  4. Dann haben wir ja fast alles was zu einer kritischen Berichterstattung vor einem großen Turnier gehört abgehakt. :D

    - Rumgemotzt an der Politik im Gastgeberland - check!
    - Rumgemotzt an der DFB-Auswahl - check!
    - Rumgemotzt, dass sich die Auswahl nicht um die Politik kümmert - check!
    - Rumgemotzt am Verhalten der Profispieler - hiermit check!

    Brauchen wir nur noch einen Bericht über ein Land dem es nicht so gut geht aber ach so symphatisch ist und Fußball für die Leute dort eine so große Rolle spielt, dass sie damit kurz die Trauer über ihr Land vergessen können :D

    3 Leserempfehlungen
  5. 7. Irrtum

    "Die KOntrollen im Fußball sind ein Witz, auch wenn ich glaube, dass das Doping nicht so Flächendeckend verbreitet ist wie z.B. in Radsport und Leichtathletik."

    Du irrst Dich. Lies einfach mal die coming out Bücher prominenter Fußballer der 70er und 80er. In der Leichtathletik werden paar 100.000 verdient, im Radsport werden Millionen verdient, im Fußball werden Milliarden verdient. Mehr muss man glaube ich nicht schreiben. Die dumpfe Masse interessiert es eh nicht.

    Antwort auf "Oh man."
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    • 15thMD
    • 07.06.2012 um 0:55 Uhr

    ...meinerseits.

    Bei Leichtathletik meine ich die wirklichen Stars, die an die Verdienste der Fußballer hinkommen. In der Weltelite der Leichtathletik (Ebenso Radsport, Top 8 TdF + Helfer) ist Doping meiner Meinung nach verbreiteter als in den vergleichbaren Fußballerkreisen (Top 30 Mannschaften der WElt), nur so ein Gefühl. Es geht hier nicht um die Bayernrundfahrt, wobei auch da Doping an der Tagesordnung steht.

    Ich meine mal gehört zu haben, dass Fuentes mal bei Barcelona und Real Madrid tätig war. Ist das richtig? (ARD Fernsehbericht während der TdF um die JAhre 2007/2008) Sie scheinen halbwegs interessiert zu sein an dem Thema.

    • 15thMD
    • 07.06.2012 um 0:55 Uhr

    ...meinerseits.

    Bei Leichtathletik meine ich die wirklichen Stars, die an die Verdienste der Fußballer hinkommen. In der Weltelite der Leichtathletik (Ebenso Radsport, Top 8 TdF + Helfer) ist Doping meiner Meinung nach verbreiteter als in den vergleichbaren Fußballerkreisen (Top 30 Mannschaften der WElt), nur so ein Gefühl. Es geht hier nicht um die Bayernrundfahrt, wobei auch da Doping an der Tagesordnung steht.

    Ich meine mal gehört zu haben, dass Fuentes mal bei Barcelona und Real Madrid tätig war. Ist das richtig? (ARD Fernsehbericht während der TdF um die JAhre 2007/2008) Sie scheinen halbwegs interessiert zu sein an dem Thema.

  6. Jiri Dvorak, der Chefmediziner der Fifa,

    wäre nicht der Chefmediziner der *Fifa*, wenn er Doping im Fussball nachweisen wollte. Dass es das Beste für seine Fussballer will, sei ihm belassen.

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