Fußball-EMDeutschlands Traum vom Finale ist geplatzt

Deutschland hat das EM-Halbfinale verloren. Italien siegt dank zweier Tore von Balotelli. Özils Anschlusstreffer in der Nachspielzeit kam zu spät. Der Spielbericht

Mesut Özil nach der Niederlage gegen Italien

Mesut Özil nach der Niederlage gegen Italien

Deutschland - Italien 1:2 (0:2)

Kein Traumfinale gegen Spanien, keine Belohnung für ein bisher so gutes Turnier. Die Nationalelf hat das EM-Halbfinale gegen Italien 1:2 verloren und wartet damit weiter auf den ersten Titel seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1996.

Angriffslustig hatte Bundestrainer Joachim Löw die Italiener schon erwartet. Sonst hätte er nicht Lukas Podolski und Mario Gomez wieder in die Startelf befördert. Aber wirklich so offensiv? So wuchtig? So gefährlich? Das Spiel gegen die defensiven Griechen wirkte nun auf einmal wie das schlechtestmögliche Testspiel für dieses Halbfinale. Jetzt stand die deutsche Mannschaft in einer anderen Fußballwelt.

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In den ersten zwanzig Minuten durfte sie noch versuchen, selbst in Führung zu gehen. Diese Zeit füllte sie auch mit ein paar Chancen, einem Schuss von Mats Hummels im Strafraum, den Andrea Pirlo auf der Linie klärte und so zeigte, dass er nicht nur genialer Spielmacher und lässiger Elfmeterverwandler ist, sondern auch Retter sein kann. Oder mit einem Distanzschuss des erstmals von Beginn an spielenden Toni Kroos, den Torwart Gianluigi Buffon abwehrte. Dann waren zwanzig Minuten vorbei und es passierte das erste Ungeschick.

Deutschland liegt 0:1 zurück

Zwei verlorene Zweikämpfe – und Deutschland lag 0:1 zurück. Erst ließ Hummels Antonio Cassano nahezu unbedrängt flanken, anschließend legte auch Holger Badstuber im Strafraum gegen Mario Balotelli Manndeckung eher großzügig aus. Den Arm bekam Badstuber noch an Balotelli, aber nicht mehr den Kopf an den Ball. Dafür köpfte Balotelli ihn über die Linie.

Es gab eine Reaktion der deutschen Mannschaft. Unter anderem zwei Distanzschüsse von Mesut Özil und Sami Khedira, aber Distanzschüsse wirken manchmal wie schüchterne Annäherungsversuche ans Tor. Ein wenig Mut schien die Nationalelf durch das Gegentor vorübergehend verloren zu haben.

In der deutschen Abwehr sah es eher nach Gedankenlosigkeit aus. Als ob das 0:1 nicht gefallen wäre, tauchte Balotelli auf einmal wieder vor dem Tor von Manuel Neuer auf. Montolivo hatte ihn mit einem feinen Pass bedacht, und statt Hummels oder Badstuber, den beiden deutschen Innenverteidigern, fand sich Balotelli nur noch in Gesellschaft von Philipp Lahm wieder. Den hängte der Stürmer von Manchester City ab und knallte den Ball so heftig ins deutsche Tor, dass Manuel Neuer wie angewurzelt stehen blieb. Auch Balotelli rührte sich nicht mehr. Im Bewusstsein, dass man dieses Tor in Stein meißeln könnte, riss er sich sein Trikot vom Körper und blieb stehen wie eine römische Athletenstatue.

Reus sollte Veränderung bringen

Auf den 0:2-Rückstand reagierte Löw in der Halbzeit und schickte Marco Reus für Podolski aufs Feld und Miroslav Klose für Mario Gomez. Denn mit offensiven Italienern war nun nicht mehr zu rechnen. Allenfalls noch bei Kontern. Die Einwechslungen machten sich gleich bemerkbar. Kaum stand Reus auf dem Platz, schossen seine Füße schon den Ball aufs Tor, einmal konnte ihn Buffon gerade noch mit den Fingerspitzen an die Latte lenken.

Überhaupt war diese erste Viertelstunde der zweiten Hälfte die stärkste Phase der deutschen Mannschaft in diesem Spiel. Die offensivste auf jeden Fall. Nur leider blieb sie genauso ohne zählbaren Ertrag wie die Zeit zuvor. Das lag nun daran, dass die Facharbeiter in der italienischen Abwehr zu glänzen begannen. Trainer Prandelli holte dann Cassano und Balotelli zur Belohnung für ihre Angriffslust herunter. Der eingewechselte di Natale wollte es nicht schlechter machen und scheiterte zehn Minuten vor dem Ende nur knapp, genauso wie Marchisio kurz zuvor aus guter Position nur knapp am deutschen Tor vorbeischoss.

Als Mesut Özil in der Nachspielzeit einen Handelfmeter fast aus dem Stand zum 1:2 verwandelte, wuchs ein letztes Mal die Hoffnung auf einen Ausgleich, auf eine Verlängerung und damit aufs Finale. Aber selbst ein Flugkopfball von Towart Neuer am Mittelkreis konnte der Nationalelf nicht mehr helfen.

Deutschland: Neuer (Bayern München/26 Jahre/31 Länderspiele) - Boateng (Bayern München/23/25 - 71. Müller/Bayern München/22/32), Hummels (Borussia Dortmund/23/19), Badstuber (Bayern München/23/25), Lahm (Bayern München/28/91) - Khedira (Real Madrid/25/32), Schweinsteiger (Bayern München/27/95) - Kroos (Bayern München/22/30), Özil (Real Madrid/23/38), Podolski (1. FC Köln/27/101 - 46. Reus/Bor. Mönchengladbach/23/8) - Gomez (Bayern München/26/57 - 46. Klose/Lazio Rom/34/121)

Italien: Buffon (Juventus Turin/34/119) - Balzaretti (US Palermo/30/11), Barzagli (Juventus Turin/31/32), Bonucci (Juventus Turin/25/19), Chiellini (Juventus Turin/27/54) - Marchisio (Juventus Turin/26/25), Pirlo (Juventus Turin/33/88), De Rossi (AS Rom/28/77) - Montolivo (AC Florenz/27/36 - 64. Thiago Motta/Paris St. Germain/29/12) - Cassano (AC Mailand/29/34 - 58. Diamanti/FC Bologna/29/4), Balotelli (Manchester City/21/13 - 70. Di Natale/Udinese Calcio/34/41)

Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)

Zuschauer: 55.540

Tore: 0:1 Balotelli (20.), 0:2 Balotelli (36.), 1:2 Özil (90.+2/Handelfmeter)

Gelbe Karten: Hummels / Balotelli, Bonucci, De Rossi, Thiago Motta

Beste Spieler: Reus, Khedira / Cassano, Montolivo, Balotelli

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
    • ST_T
    • 29.06.2012 um 8:59 Uhr

    Sondern die deutsche Mannschaft war einfach zu schlecht!
    Findet euch damit ab! Die haben nicht einmal die grundsätzlichen Dinge wie die Abwehr beachtet. Beide Tore waren absolut unnötig, wären denn etwa mehr Männer hinten gewesen und hätten auch ihre Aufgaben in der Abwehr wahrgenommen.

    Und beim Angriff? Die typisch deutsche Ungenauigkeit bei den Pässen war doch wohl der größte Fehler!
    Aber das sind keine Dinge die seit gestern geschehen. An Löws Stelle würde ich einmal ernsthaft darüber nachdenken, einige Mitglieder entgültig auszutauschen.

    Eine Leserempfehlung
  1. dessen Lösung wir nie erfahren werden. Die Spielidee und die Vorstellung vom Fussball für die Löw seit 2006 steht und mit der ich auch immer einverstanden war ist mit dem Stammteam an dieser Euro nie zu erreichen gewesen. Wieso lässt er die dann immer wieder spielen ? Ausgerechnet Löw setzt plötzlich auf eine Gruppe müder, mental ausgelaugter Bayern Spieler und lässt junge, spielfreudige Leute wie Götze und Reus auf der Bank.

    Möglicherweise hätten die Löw Mannschaft auch mit einer anderen Aufstellung verloren doch die Art und Weise wäre sicher eine andere gewesen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Aufstellung"
  2. 236. heftig

    Ich weiß schon warum ich sonst nur Frauenfußball schaue. Vermutlich sind die Fans schuld daran. Die Kommentare hier sind wirklich erschreckend und ihrer reiht sich da nahtlos ein. Ich meine, Sie ignorieren vollkommen, dass bei der Nationalmannschaft bei jedem Spiel bisher die selben Leute nicht kmitgesungen haben. Trotzdem war man etliche spiele ungeschlagen. Aber dann verliert man und plötzlich ist der fehlende Patriotismus schuld daran. Ätzend!

    Ich bin gegen das singen der Nationalhymne, weil das eine politishe Hymne ist. Die Nationalmannschaft repräsentiert Deutschland. Aber nicht das politische Deutschland, nicht die Nation als parlamentarische Demokratie, sondern das sportliche Deutschland, das Fußball Deutschland. Das singen der Hymne ist ein Relikt und sollte abgeschafft werden. Damit würde man auch der zunehmenden Nazi-Flut in Stadien entgegenwirken.

    Die Deutsche Mannschaft hat verloren. Schuld waren die besseren Italiener und eine schlechte Abwehr.

    2 Leserempfehlungen
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    • Effbeh
    • 29.06.2012 um 9:10 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit respektvoll formulierten Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sh

    Stringiàmci a coòrte,
    Siam pronti alla morte.
    Siam pronti alla morte,
    L'Italia chiamò.
    Stringiàmci a coòrte,
    Siam pronti alla morte.
    Siam pronti alla morte,
    L’Italia chiamò!
    Sì!

    • Effbeh
    • 29.06.2012 um 9:10 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit respektvoll formulierten Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sh

    Stringiàmci a coòrte,
    Siam pronti alla morte.
    Siam pronti alla morte,
    L'Italia chiamò.
    Stringiàmci a coòrte,
    Siam pronti alla morte.
    Siam pronti alla morte,
    L’Italia chiamò!
    Sì!

  3. mit welcher Inbrunst und Hingabe die Italiener ihre Hymne gesungen, nein besser: geschmettert haben, konnte schon ein ungutes Gefühl bekommen.

    Bei uns dagegen war der unbedingte Wille zum Sieg und die dafür notwendige Disziplin und Kampfkraft nicht zu erkennen. Auf diesem Niveau gegen taktisch und kämpferisch erstklassige Italiener kann man nur mit hundertprozentiger Einstellung und Biss gewinnen. Schließlich basierte auf diesen Tugenden in der Vergangenheit meist der Erfolg der Nationalmannschaft, und nicht auf technisch überlegener Schönspielerei.

    Wir waren zu brav, zu leidenschaftslos - die Unterschiede zu den Italienern bzgl. Motivation (und wohl auch Identifikation) konnte man schon zu Beginn bei den Hymnen sehen.

    4 Leserempfehlungen
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    • Effbeh
    • 29.06.2012 um 9:15 Uhr

    Genau das ist der Punkt. Man sah, dass die Italiener voll da waren, hoch entschlossen.

    • Effbeh
    • 29.06.2012 um 9:15 Uhr

    Genau das ist der Punkt. Man sah, dass die Italiener voll da waren, hoch entschlossen.

  4. 239. Ihr Team?

    Haben Sie das Team geleast? Ob Sie es wollen oder nicht, dieses Team ist auch das Team der Nazis. Aber das ist eh nur ein Tumor, viel schlimmer sind die Streuungen in der Masse der Fans. Der Kleinbürger. Wir sehen sogar hier im Forum schon ziemlich grenzwertige Kommentare, von wegen die Deutschen sind eh die besten, denn wir retten schließlich den Euro. Da wird dann der Sport schon im kleinen politisch.

    Nene, das Team gehört nicht den "braven" Fans. Jeder kann Fan sein. Sogar, halten Sie sich fest, ein Ausländer!

    2 Leserempfehlungen
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    ...kann ich Ihre Antwort nur qualifizieren.

    Wenn Sie hier pauschal alle Foristen, deren Meinung von der Ihren abweicht, als Nazis bezeichnen und mir z.B. unterstellen, ich hätte etwas gegen Ausländer, bewegen Sie sich in der selben Richtung wie diejenigen, die Sie angeblich kritisieren.

    ...kann ich Ihre Antwort nur qualifizieren.

    Wenn Sie hier pauschal alle Foristen, deren Meinung von der Ihren abweicht, als Nazis bezeichnen und mir z.B. unterstellen, ich hätte etwas gegen Ausländer, bewegen Sie sich in der selben Richtung wie diejenigen, die Sie angeblich kritisieren.

  5. Es geht um diesen Mann: Mario Balotelli. Man muss feststellen, dass er außerirdisch gute Tore geschossen hat und was verdächtig ist, er auch ein bisschen so aussieht wie von einem fremden Stern. Jetzt sollte man den Statuten der EM einmal nachlesen, ob Mitspieler von anderen Planeten überhaupt zugelassen sind und wenn ja, welche Einreisebestimmungen (Einflugbestimmungen) da verlangt werden, bzw. Herr Balotelli diese erfüllt hat. Wenn nicht, dann muss dieses Spiel unbedingt annulliert werden. Vor allem auch, weil Deutschland der voreingestellte Euromeister war, ist und bleibt. Für alle Zeiten! Und da Spanien absolut verschuldet ist und wahrscheinlich auch die Spieler nicht bezahlt, was ebenfalls gegen EU-Regeln verstößt, kann hier gleich der Durchmarsch gestartet werden. Nachdem wir ja schon Papst sind, dürfte doch auch so ein lächerlicher kleiner EM Titel kein Problem sein für Schland. Vielleicht, fällt mir gerade ein, hätte der Papst gegen Italien antreten sollen?

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