Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli schließt wegen der Ausweitung des Wettskandals im italienischen Fußball einen Verzicht seiner Mannschaft bei der Europameisterschaft nicht mehr aus.

"Wenn es unserem Fußball helfen würde, dass wir nicht zur Europameisterschaft fahren, dann wäre es kein Problem. Es gibt wichtigere Dinge", sagte der Coach in einem Interview des Radiosenders RaiSport.

Pradelli reagiert damit auf immer neue Enthüllungen im Wettskandal und Ermittlungsverfahren gegen viele der Nationalspieler. Ihnen wird Wettbetrug vorgeworfen. Darunter ist Domenico Criscito, den Pradelli Anfang der Woche ausmusterte. Gegen den EM-Spieler Leonardo Bonucci ermittelt die Staatsanwalt wegen des Verdachts auf Sportbetrug und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Zudem gibt es Vorwürfe gegen den Mannschaftskapitän und Torhüter Gianluigi Buffon . Er ist ebenfalls wegen Wettbetrugs unter Verdacht.



Buffon ist für seine Wettleidenschaft bekannt

Fahnder haben in einem Wettbüro in Parma Schecks des Juve-Stars in Höhe von 1,5 Millionen Euro gefunden. Zwischen Januar und September 2010 seien insgesamt 14 Schecks aufgetaucht. Buffons Anwalt teilte mit, dass der Kapitän der Azzurri die Schecks einer Vertrauensperson gegeben habe. Finanz- und Immobiliengeschäfte sollten dafür in Parma getätigt werden. Selbst wenn Buffon Wetten über einen Strohmann abgeschlossen hat, wäre dies unproblematisch, solange es keine Wetten auf Fußballspiele in Italien oder internationale Spiele der Uefa und der Fifa waren.

Die Wettleidenschaft Buffons ist bekannt, 2006 wurde deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen den Keeper eingeleitet. Es wurde aber eingestellt. Buffon gab damals zu, bis November 2005 zwei Millionen Euro auf alle möglichen legalen Wetten gesetzt zu haben. Zu den neuen Ermittlungen äußerte sich Buffon nicht.

Zuvor hatte Buffon für Aufregung gesorgt, als er sagte: "Wenn zwei Mannschaften unentschieden spielen wollen, ist das ihre Sache. Manchmal sagt man: Zwei Verletzte sind besser als ein Toter." Buffon sagte in dieser Woche, dass er damit keine Ergebnisabsprachen rechtfertigen wollte. Nationaltrainer Prandelli verteidigte seinen Keeper. "Er ist stark und hat eine großartige Persönlichkeit. Aber auch für ihn ist so eine Situation sehr schwer", sagte Prandelli.