Leserartikel

Deutschland-ItalienMein Fußballherz schlägt italienisch

Grün, Weiß und Rot sind seine Lieblingsfarben. Leser Daniel Kubirski ist begeisterter Italien-Fan, auch wenn er verspottet wird und die Freundin mit Liebesentzug droht.

Daheim hängen Autogramme von Gattuso und Maldini, flankiert vom Wimpel des italienischen Fußballverbands FIGC. Derzeit steckt eine Italienische Flagge im Blumentopf neben dem Fernseher und meine Holz-Deko-Giraffe habe ich liebevoll mit meinem Italia-Schal dekoriert.

Ich bin in Deutschland geboren, habe deutsche Eltern und einen deutschen Pass. Deutsch ist meine Muttersprache und deutsches Essen schmeckt mir. Meine Haare sind blond, die Augen blau, doch mein Fußballherz schlägt italienisch.

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Im Sommer 2006 gab ich mich dem kollektiven Freudentaumel hin. Nach dem Halbfinale und nach dem italienisch-französischen Kopfnussfinale fuhr ich im Autokorso mit: Die rechte Hand auf der Hupe, die linke reckte einen selbstgebastelten Pappmaschee-Pokal empor. Ich war glücklich. Doch in dieser italienischen Sommernacht gelang es mir nicht, in der Masse der Tifosi in der Bonner Innenstadt aufzugehen. Mein spärliches Italienisch und mein Akzent entlarvten mich, trotzdem war ich höchst willkommen.

"Krass, du bist Deutscher!" brüllte mir einer verdutzt zu, bevor er mit dem Pappmaschee-Pokal auf meinem Autodach Platz nahm und ihn durch die Reihen reichte. Ob ich das mit Liebe gebastelte Teil jemals wiedersehen würde, war mir egal. Ich war mittendrin. Alle drehten total durch. Auf der einen Seite die grün-weiß-rote Freude – auf der anderen die deutsche Erschütterung und Enttäuschung und Kopfschütteln über den Landsmann im italienischen Trikot. Daheim redete meine Freundin drei Wochen nicht mit mir, von Zärtlichkeiten ganz zu schweigen. Ich hätte ohnehin kaum sprechen können, ich war tagelang heiser. 

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Mein Freundeskreis belächelt mich, ich kenne alle Sprüche über meine Azzurri. Mehr oder weniger scherzhaft nennen mich Freunde Verräter. Bestimmt fragen sich meine Eltern, was da schief gelaufen ist. Haben sie mich in meiner Kindheit zu oft in den Sommerurlaub an den Gardasee geschleppt?

Mein Auto schmücke ich derzeit mit einer Fahne und mit Aufklebern. Das führt zwar zu der einen oder anderen Feindseligkeit im Straßenverkehr. Die Nachbarn sind reservierter als sonst und die Kollegen verwirrt. Aber ich stehe zu meinem Team. Forza Italia!

 
Leserkommentare
  1. dass du heute deinen landsleuten beim feiern zuschauen mußt.

    14 Leserempfehlungen
  2. ... schon irgendwie auch betroffen, wenn man von solchen Schicksalen lesen muss ;-)

    Aber man kann seinen Verein sich ja bekanntlich nicht aussuchen.

    6 Leserempfehlungen
  3. Es steht jedem frei Fan von "was auch immer" zu sein.
    Jedoch so ein Artikel direkt vor dem Halbfinal-Klassiker. Ich glaube, das muss ich nicht verstehen. Ich hätte mir hier vielleicht eher einen Artikel z.B. eines Italieners, der die Deutsche Nationalmannschaft unterstützt, gewünscht.

    An den Autor. Da Sie ja 2006 schon anständig gefeiert haben, wünsche ich Ihnen heute ausnahmsweise mal anständig Frust, wenn sie ganz Fußball-Deutschland heute beim Feiern zuschauen müssen. ;)

  4. und kann man es leuten verdenken, auch nach diesem geniestreich von pirlo, sympathien für italien bzw. den italienischen fußball zu empfinden?

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >> und kann man es leuten verdenken ... <<

    ... man schon machen. Man sollte es aber *nie* ernst meinen.

    Die Frotzeleien gegen "andersdenkende" Fans gehören zur Fußballfolklore. Unter Freunden ist das ok und zuweilen ganz spaßig. Aber man muss immer wissen, wo die Grenzen sind.

    >> und kann man es leuten verdenken ... <<

    ... man schon machen. Man sollte es aber *nie* ernst meinen.

    Die Frotzeleien gegen "andersdenkende" Fans gehören zur Fußballfolklore. Unter Freunden ist das ok und zuweilen ganz spaßig. Aber man muss immer wissen, wo die Grenzen sind.

  5. Schwarz, Rot und Gold sind nicht meine Lieblingsfarben, obschon ich Deutscher bin. Als Kind hatte ich äusserst blonde Haare, die superblaue Augenfarbe allerdings ist geblieben. Geblieben ist auch mein Mitfiebern, wenn es um die deutsche Nationalmannschaft geht.

    Leider schreiben Sie, Herr Kubirski, nicht, welches Ereignis (Kindheitstrauma, Unfallgeschehen, Neuritis etc.) zu Ihrer fussballerischen Verirrung ursächlich zu machen ist. Ebenso halten Sie hinter dem Berg, wieso Ihre Freundin nur 3 Wochen
    nicht mehr kommunizieren wollte, scheinbar sogar noch Ihre Freundin ist - welche Vorzüge Sie also haben, sich eine solche Geschmacksverzerrung letztlich doch erlauben zu können.

    Womöglich braucht es also noch einen zweiten Leserartikel ihrerseits. Die krachende Niederlage der Italiener heute Abend könnte vielleicht dazu motivierend wirken.

    Ich wünsche Ihnen und mir ein spannendes Halbfinale, und wenn es, was absolut sicher ist, zu einem klaren Sieg der Jogi-Elf gegen die "Pirloesken" gekommen sein wird, dürfen Sie gerne in italienischem Trikot gewandet einem Autokorso in Ihrer Nähe beiwohnen. Das wäre doch auch krass, oder?

    PS: Meine obigen Bemerkungen sind natürlich nicht in Gänze bierernst zu nehmen, obwohl ich, wie erwähnt, Deutscher bin.

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  6. Ich kann es verstehen, wo die Liebe hinfällt!

    An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an die Freundin des Autors! Nächstes mal bitte so lange Liebesentzug, bis Deutschland gegen Italien in einem Turnier gewinnt! :)

    Auf ein faires Spiel heute Abend.

    Auf gehts, Deutschland!

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    • Nero11
    • 28.06.2012 um 13:50 Uhr

    Ich bin zwar Italiner und natürlich für Italien, aber wenn meine Schwester oder ein anderer Verwandter oder Bekannter für die gegnerische Mannschaft wäre, würde ich es dieser Person auf keinen Fall übelnehmen. Sport ist Spaß, dazu gehört auch Humor und Ironie. Und mehr Ironie als das geht kaum. Ich würde darüber lachen, Anadere nehmen das wieder viel zu ernst....

    Ich wünsch dir und allen anderen ein schönes Spiel, egal wer gewinnt.

    6 Leserempfehlungen
  7. >> und kann man es leuten verdenken ... <<

    ... man schon machen. Man sollte es aber *nie* ernst meinen.

    Die Frotzeleien gegen "andersdenkende" Fans gehören zur Fußballfolklore. Unter Freunden ist das ok und zuweilen ganz spaßig. Aber man muss immer wissen, wo die Grenzen sind.

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