Mario BalotelliDer Anarchist mit dem Hahnenkamm

Er gilt als schwierig, faul und unberechenbar: Italiens Stürmer Mario Balotelli kämpft gegen seine Vorurteile. Dabei braucht gerade diese EM Typen wie ihn. von 

Mario Balotelli rastete nicht aus. Keine Fouls, keine Grimassen, keine Show. Im Viertelfinale gegen England machte Italiens Stürmer sein bestes Spiel des Turniers. Er mühte sich und kämpfte, schoss in 120 Minuten häufiger auf das Tor als die gesamte englische Mannschaft. Im Elfmeterschießen traf er souverän, sein anschließender Jubel war überraschend verhalten. Für einen Moment schien es, als wollte er es allen zeigen: den Kritikern, der Presse und irgendwie auch sich selbst.

Auch vor dem Halbfinale gegen Deutschland blicken alle auf Mario Balotelli, die "Skandalnudel", den "Bad Boy", das "Enfant terrible". Er ist wohl der einzige Spieler des Turniers, der nicht an seinen sportlichen Leistungen, sondern seinen Eskapaden gemessen wird. Statt seinen Kunsttreffer gegen Irland zu bewundern, machte vor allem sein anschließender Jubel in Richtung Trainer Prandelli Schlagzeilen, der ihn im Spiel zuvor auf die Bank gesetzt hatte. Dazwischen sah man Bilder eines Balotelli im Training, der vor sich hin träumte , während seine Teamkameraden rackerten.

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Der Stürmer kennt diese Berichterstattung, die negative Rhetorik und die Erwartungshaltung, die seine Person umgibt. Als müsse er jeden Moment etwas Verrücktes oder Dummes anstellen. Die Liste seiner Kapriolen ist länger als die seiner sportlichen Errungenschaften, zu denen immerhin auch schon vier nationale Meisterschaften und ein Champions-League-Sieg zählen.

Der ewige Kampf mit sich selbst

Dabei ist Mario Barwuah Balotelli erst 21 Jahre alt. Als Sohn ghanaischer Einwanderer auf Sizilien geboren, zog er früh mit seiner Familie in die Provinz Brescia im Norden Italiens. Seine ersten Jahre verbrachte er wegen einer seltenen Krankheit häufig im Krankenhaus. Als er drei Jahre alt war, gaben ihn seine Eltern an eine Pflegefamilie ab. 2006 unterschrieb Balotelli einen Profivertrag bei Inter Mailand , ein knappes Jahr später lief er erstmals in der A-Mannschaft auf. Mit seinem 18. Lebensjahr nahm er die italienische Staatsbürgerschaft an und wurde im August 2010 das erste Mal in Italiens Nationalmannschaft berufen. Er war der erste dunkelhäutige Spieler in der Geschichte der Azzurri.

Seitdem kämpft Balotelli. Zum einen mit zahlreichen rassistischen Beleidigungen, die ihn seit jeher begleiten, auch bei dieser EM. Vor dem Turnier sagte der Stürmer , dass er jemanden, der ihn auf der Straße mit Bananen bewirft, umbrächte. Prompt warfen kroatische Fans in der Vorrunde Bananen auf das Spielfeld. Am Morgen des Viertelfinales war es die Gazetto dello Sport , die eine anstößige Zeichnung von Balotelli in Gorilla-Pose druckte . Zum anderen kämpft er mit sich und seinem Charakter, der gemeinhin als "schwierig" bezeichnet wird. Balotelli, das ist Genie und Wahnsinn. Dazwischen liegt ein blondierter Hahnenkamm.

Oft sind es die naiven Tollheiten, die Balotelli in Bedrängnis bringen. Etwa wenn er während eines EM-Qualifikationsspiels sein iPad auf der Ersatzbank auspackt, in einem Testspiel unnötig vor dem Tor herumtrickst , mit Dartpfeilen auf Nachwuchsspieler wirft oder in seinem Garten mit Quad-Bikes herumheizt. Man könnte sagen, es sind die Streiche eines Lausbuben mit zu viel Geld, den man regelmäßig dabei ertappt, wie er seine Finger ins Nutella-Glas steckt.

Leserkommentare
  1. Nein, die EM braucht Typen wie ihn nicht. Journalisten wie Sie brauchen Typen wie ihn, damit sie Geschichten haben, über die Sie schreiben können.

    Die EM braucht nur faire Spiele auf möglichst hohem Niveau. Und davon gab es ja zum Glück auch schon einige.

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    Typen wie Ihn. EM/WM ohne Drama und Skandal ist langweilig.

    "...Journalisten wie Sie brauchen Typen wie ihn, damit sie Geschichten haben, über die Sie schreiben können."

    Das kann ich nur unterschreiben. Die ewige Sehnsucht anch "Typen"! Wer sich für das Spiel an sich interessiert, kann auf Spieler wie Balotelli durchaus gut verzichten. Wer Drama außenrum braucht, der ist mit ihm gut aufgehoben. Was gerne vergessen wird: Diejenigen, die früher als "Typen" galten, mussten auch Überdurchschnittliches leisten, um in Erinnerung zu bleiben. Wer Dartpfeile auf Nachwuchsspieler wirft, ist kein "Typ" sondern ein armes Licht. Wenn schon, sollte man diese mal auf den Trainer oder den Vereinspräses werfen. Aber dafür fehlt dann die Traute.

    "....könne er einer der besten Stürmer der Welt sein, sagt sein sportlicher Ziehvater und City-Trainer Roberto Mancini fast mantraartig. Als seien 17 Tore in 32 Spielen der vergangenen Saison ein schlechter Wert."

    Nein, es ist ein absolut normaler Wert für einen Stürmer der oberen Kategorie. Wer 22 Millionen gekostet hat, bei dem darf es gern ein bisschen mehr sein. Weltklasse ist anders.

    Was ich bisher von Balotelli gesehen haben, ist viel zu wenig um ein solches Außmaß an Egozentrik und Eskapaden zu rechtfertigen. Ein Cristiano Ronaldo ist sicher ein auch ein Spieler an dem sich die Geister scheiden. Aber er ist ein 100%er Profi und ein unfassbar guter Fußballer. Dagegen ist Balotelli einfach nur eine ganz kleine Nummer.

    Btw. Meines Wissens hat Balotelli bei Inters CL-Sieg keine Minute gespielt.

    Ich kann mich nur anschliessen - ich brauche keine "Typen" oder ich würde sagen Egozentriker, sondern Teams. Und das deutsche Team war für mich ein Musterbeispiel für ein faires schön anzuschauendes Team. Mir persönlich ist das lieber als ein "Tanzbär" der in der Manege des Fussballzirkus für seine kleinen Spässe wie "Verkehrsvergehen" und "mit Dartpfeilen auf andere Menschen werfen" (alles aus dem Artikel kopiert) hochgejazzt wird. Wer solche "Typen" sehen will soll sich Wrestling oder heutzutage MMA anschauen - Fussball gucke ich wegen der Mannschafts- und nicht wegen der Einzelleistung.

  2. Typen wie Ihn. EM/WM ohne Drama und Skandal ist langweilig.

  3. Mario Balotelli ist grenzenlose Arroganz gepaart mit dem können das vieles verzeiht.
    Ich habe heut ein Interview gesehen wo er behauptet schlauer als der Durchschnittsmensch zu sein.
    Das Erste woran ich da denken musste war wie der Junge verzweifelt versucht hat sich sein Trainings Leibchen anzuziehen und dabei völlig versagte^^
    Selten so gelacht:D

    Man sollte den Jungen vlt mal 1 Jahr bei Felix Magath parken. Der treibt ihm seine flausen schon aus. ;)

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    Geschichte, das Interview muss ich direkt mal raussuchen. Hier die Sache mit dem Leibchen, wem noch nicht bekannnt:

    http://bit.ly/L4fr6k

  4. Geschichte, das Interview muss ich direkt mal raussuchen. Hier die Sache mit dem Leibchen, wem noch nicht bekannnt:

    http://bit.ly/L4fr6k

    Antwort auf "Mario Balotelli"
  5. Mag sein das Mario Balotelli unerfahren ist.Aber heute abend muß auch ein Super Star wie er was zeigen.

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    "wird gefoult im Strafraum" oder so ähnlich? Es gab auch mal einen (italienischen) Spieler der einen französischen Spieler
    zur roten Karte provozierte...

    http://www.youtube.com/watch?v=A4-ijCRx-6c

    Balotelli kam, sah und siegte.

    Ich gönne ihm den Erfolg, aber der Nationalmannschaft hätte der Sieg über Italien gehören müssen.

    Schade. Dafür werden wir 2014 Weltmeister

  6. "wird gefoult im Strafraum" oder so ähnlich? Es gab auch mal einen (italienischen) Spieler der einen französischen Spieler
    zur roten Karte provozierte...

    http://www.youtube.com/watch?v=A4-ijCRx-6c

    Antwort auf "Super Star"
    • Eipi
    • 28. Juni 2012 18:23 Uhr

    ich gebe Ihnen recht.

    typen z.b. lahm braucht kein mensch. typen die es immer allen recht machen wollen. aalglatt und todlangweilig.

  7. für sich selbst sprechen zu lassen. Es ist unwürdig, an dieser Stelle hier und auch sonstwo Tanzbären am Nasenring vorzuführen. Abgesehen davon: Ich habe gesehen, der kann kicken. Das gefällt mir.

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