DFB-Elf : Die größte EM-Überraschung heißt Mats Hummels

Nach anfänglichen Irritationen ist der beste Verteidiger der Liga auch in der Nationalelf angekommen. Für viele ist er gar der beste Spieler der Europameisterschaft.
Mats Hummels © Shaun Botterill/Getty Images

Wenn man Mats Hummels fragt, was bislang für ihn die größte Überraschung in diesem Turnier war, dann muss er ein bisschen überlegen. Er sagt dann, dass viele Mannschaften sehr vorsichtig gespielt hätten, dass er mehr Sicherheitspässe gesehen habe als großes Risiko, und dass erstaunlich viele deutsche Fans ihre Mannschaft auch in der Ukraine unterstützt hätten.

Für die meisten aber ist die größte Überraschung des Turniers Mats Hummels selbst.

Schon in der ersten Partie gegen Portugal spielt er so gut wie noch nie in der Nationalmannschaft, er rettete hinten den Sieg und drängte mit dem Ball nach vorn. Nach dem Spiel schüttelt er allen vier Unparteiischen die Hand, als sei er der Kapitän, Marco Reus wuschelte ihm einmal durch die Haare, als wolle er sagen "jetzt hast du es geschafft!", und dann ging er zusammen mit Mesut Özil zur deutschen Fankurve. Man sah, dass Mesut Özil ihm etwas sagte, Hummels lächelt, wenn man ihn darauf anspricht, "das bleibt unter uns". Özil war soeben von der UEFA zum "Man of the match" gekürt worden. Jetzt schien es, als wolle der gewählte "Man of the match" dem wahren "Man of the match" die Auszeichnung überlassen, zumindest mit Worten.

Mats Hummels sitzt auf der Terrasse des Mannschaftshotels im Schatten eines großen Baums, ein paar Meter weiter plätschert ein Bach, es ist einer der wenigen schönen Tage in Danzig . Hummels kommt vom Training, er ist gut gelaunt. Von den Lesern des englischen Guardian bekam Hummels nach der Vorrunde im Durchschnitt von allen Spielern der EM die besten Noten . Die spanische Zeitung El País lobte in einem Artikel über ihn seine Fähigkeit zur Antizipation und seine Autorität. Zinedine Zidane , Welt- und Europameister, sagte einem spanischen Radiosender: "Es gibt bei der EM einige gute Spieler, aber einer, der mich überrascht hat, ist der deutsche Verteidiger Hummels. Der ist sehr gut."

Zidane, sagt Hummels, sei sein Vorbild als Jugendlicher gewesen, seine Ballbehandlung, seine Übersicht, seine Fähigkeit, entscheidende Tore zu schießen.

Etwas schöneres, als von seinem großen Idol gelobt zu werden, kann einem eigentlich nicht passieren. Und kaum einer hätte vor dem Turnier vermutet, dass Hummels überhaupt die Chance bekommen würde, Zidane aufzufallen. Nach dem 3:5 gegen die Schweiz saß Hummels im folgenden Spiel gegen Israel auf der Bank, genau wie seine drei Dortmunder Kollegen. Man hatte erwartet, dass die neue Rivalität zwischen Dortmund und Bayern am Mannschaftsgefüge rütteln könnte, aber es kam nicht so, noch nicht, weil bei diesem Turnier die Dortmunder Spieler wissen, warum sie nicht spielen: Gündogan ist froh, überhaupt dabei zu sein. Götze war lange verletzt. Schmelzer hat seine Chance nicht genutzt. Nur Hummels wusste es nicht, und es war ja auch kaum nachvollziehbar: Der beste Innenverteidiger der Liga, 23 Jahre alt, mit den besten Zweikampfwerten, fast ohne Fouls, Deutscher Meister, Pokalsieger, auf der Bank?

In der Woche vor dem Turnier hatten die Medien ihr Thema gefunden: Warum die Spieler des deutschen Meisters keine Nationalspieler sind. Und Hummels stand exemplarisch dafür. Nicht reif für die internationale Bühne, nicht passend für Löws Spiel, das mehr auf Passsicherheit aufbaut und nicht so risikoreich ist wie das des BVB. Hummels, schrieb eine Zeitung, wäre sicher ein Kandidat für die bestaussehende Elf der EM, das Turnier müsse er sich aber ansonsten von der Bank anschauen. Im Spiegel erschien ein Artikel über die Konkurrenz der Innenverteidiger Badstuber und Hummels, es entstand der Eindruck, als redeten beide übereinander wie zwei eifersüchtige Brüder. Hummels erschien wie der beleidigte zweite, der denkt, dass der andere vorgezogen wird, obwohl er doch eigentlich der bessere ist.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Blödsinn!

"Für die meisten aber ist die größte Überraschung des Turniers Mats Hummels selbst."

Die größte Überraschung ist nur, dass Löw ihn endlich aufgestellt hat.

Hummels größter Fan ist Zinedine Zidan.

Mal ein paar Zahlen:

Saison 2011/11 BVB Torverhältnis 80:25 (= 0,735 pro Spiel)
Saison 2010/11 BVB Torverhältnis 67:22 (= 0,647 pro Spiel)

Zweimal Meister in Folge und ein Torverhältnis, bei dem selbst die Bayern nur als zweite Wahl dastehen.