LeBron James nach dem Titelgewinn © Ronald Martinez/Getty Images

Alles ist heute relativ, keine Aussage bleibt unwidersprochen. Mit einer Ausnahme: Michael Jordan ist der beste Basketballspieler aller Zeiten. Nicht Earvin "Magic" Johnson oder sein Widersacher Larry Bird. Nicht Bill Russell, der einst elf NBA-Titel errang. Nicht Kobe Bryant, dem das Charisma fehlt. Nicht Shaquille O'Neal oder Allen Iverson , deren mediale Präsenz ihre Leistung weit überstieg. Nicht Tim Duncan, der Streber. Nicht Dirk Nowitzki , der Fremde.

Von ihnen allen hat Jordan nichts zu befürchten. Obwohl er längst als Manager historische Negativrekorde bricht , bleibt jede Relativierung von Jordans sportlich-popkulturellem Lebenswerk ein Sakrileg. Doch das könnte sich ändern. 

Ein Mann namens LeBron James hat die Miami Heat überlegen zum Titel in der besten Basketballliga der Welt geführt. Die umjubelten Oklahoma City Thunder unterlagen in 1:4 Spielen, die entscheidende Partie ging mit 15 Punkten Vorsprung an Miami . Insgesamt sammelte James in diesen Playoffs mehr als 30 Punkte, 9 Rebounds und 5 Korbvorlagen pro Spiel – Werte, die zuletzt vor knapp 50 Jahren erreicht wurden.

Doch das kann, das darf nur ein Anfang sein für LeBron James. Warum? Weil er sich selbst den Spitznamen "King James" gab. Weil auf seiner Brust das Tattoo "Wunderkind" prangt und seinem Rücken "Der Auserwählte". Und weil er 2010 in einer hochpeinlichen Willkommensshow seines Retortenteams Miami Heat ankündigte, dass er nicht nur eine, zwei oder drei Meisterschaften gewinnen werde. "Und auch nicht nur vier oder fünf oder sechs oder sieben…"

LeBron Raymone James kam 2003 in die NBA, direkt von der Highschool. Mehrere seiner Schulspiele waren US-weit im Fernsehen übertragen worden. James galt als Jahrhunderttalent. Er hatte es nicht nötig, sein Spiel oder seinen Marktwert zu verbessern – schon gar nicht als Amateur im scheinheiligen Milliardengeschäft Collegesport .

Sein erster Profivertrag in seiner Heimat Cleveland garantierte James, damals 18 Jahre alt, 19 Millionen Dollar für vier Jahre, dazu kamen diverse Werbeverträge. Allein Nike zahlte rund 100 Millionen Dollar , um mit ihm werben zu dürfen – das alles, bevor James ein einziges Spiel außerhalb einer Schulturnhalle absolviert hatte.

Es folgten bislang 29 unter seinem Namen verkaufte Schuhmodelle, vom "Air Zoom Generation" bis zum "Air Max LeBron VII Low" sowie ein zehn Stockwerke hohes Plakat von James an einer Hausfassade. Das Banner zeigt ihn in Erlöserpose – bei seinem Ritual, vor dem Anpfiff eine Handvoll Talkumpuder in die Luft zu schleudern und dem Staub bedeutungsschwanger hinterherzublicken . " We are all Witnesses " stand daneben. Wir alle sind Zeugen seiner Großtaten. Als James 2007 seinen Vertrag verlängerte, gab es Freudenfeste auf den Straßen von Cleveland.

Als der Vertrag 2010 auslief und James seine Heimat verließ, erfuhren es alle aus dem Fernsehen – die Fans ebenso wie sein bisheriger Arbeitgeber Cleveland Cavaliers. Nach Monaten der Spekulationen um seine Zukunft verkündete James in einer einstündigen TV-Sondersendung zur Prime Time salbungsvoll: "I‘m taking my talents to South Beach!" Zur Partymeile von Miami, Florida, wo ein Team auf dem Reißbrett entstehen sollte. James tat sich mit dem schnellen Dwyane Wade und dem treffsicheren Chris Bosh zusammen, den Rest des Kaders stellten billige Rollenspieler.