Ralf RangnickEinmal Burnout und zurück

Im September trat der Fußballtrainer Ralf Rangnick wegen Erschöpfung zurück. Jetzt steigt er wieder ins stressige Fußballbusiness ein. Die Geschichte eines Comebacks von 

Ralf Rangnick steigt wieder ins Fußballgeschäft ein

Ralf Rangnick steigt wieder ins Fußballgeschäft ein  |  © Victoria Bonn-Meuser/picture alliance/dpa

Warum er nicht als Sportdirektor auf die Fußballbühne zurückkehren wolle, wurde Ralf Rangnick vor ein paar Wochen gefragt. In etwas weniger exponierter Stellung also. "So wie Volker Finke?", antwortete Rangnick mit einem Grinsen. Das nötige Know-how für den Managerposten würde er mitbringen, aber im Herzen wäre er dann immer noch Trainer, sagte er, so wie der in Köln gescheiterte Finke. Dann lächelte Ralf Rangnick wieder und zitierte seine Frau: "Die meint, ich als Sportdirektor würde sowieso keinen Trainer finden, der es mir recht machen könnte."

Jetzt müssen gleich zwei Trainer die Erwartungen des Ralf Rangnick erfüllen: Roger Schmidt, der vom deutschen Zweitligisten SC Paderborn zum österreichischen Meister RB Salzburg wechselt, und Peter Pacult bei RB Leipzig , dem ambitionierten Regionalligisten. Ralf Rangnick selbst, der heute in Salzburg als neuer Sportdirektor der beiden Redbull-Klubs vorgestellt wurde , hatte zuletzt mehrere Trainer-Angebote abgelehnt. Hertha BSC, Besiktas Istanbul , RSC Anderlecht, West Bromwich, Tottenham Hotspur – es verging keine Woche, in der nicht neue Gerüchte über Rangnicks Trainer-Comeback kursierten. Der 53-Jährige prüfte die Angebote ganz genau, und wurde doch Sportdirektor.

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Es scheint, als hätte Rangnick in den vergangenen Wochen und Monaten tatsächlich viel dazu gelernt. Weniger in fußballtaktischer Hinsicht, da konnte man ihm, dem "Professor", der Ende der Neunziger Jahre keck genug war, als Trainer-Nobody beim SSV Ulm die ballorientierte Raumdeckung im deutschen Profifußball einzuführen, schon vor seiner Auszeit nichts vormachen. Diesmal ging es um viel wichtigere, existenziellere Dinge. Glaubt man Ralf Rangnick, hat er nach seinem Zusammenbruch im September vergangenen Jahres, als er völlig entkräftet seinen Rücktritt beim FC Schalke 04 erklären musste, Überlebensstrategien entwickelt. Er hätte die Ernährung komplett umgestellt, machte öfter Handy und Laptop aus, und wolle "ganz einfach besser auf sich aufpassen".

Kein Erholungseffekt mehr

Erst kürzlich hat Ralf Rangnick in der Stadthalle zu Leutkirch, einer Kleinstadt im Allgäu über seine guten Vorsätze gesprochen. Es war erst sein zweiter öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt bei Schalke. Rangnick war zu Gast beim "Talk im Bock". "Gespräche, die unter die Haut gehen mit Gästen, die etwas zu sagen haben", lautet der Untertitel der Veranstaltungsreihe.

Und Ralf Rangnick hatte wirklich etwas zu sagen, fühlte sich wohl im vollbesetzten Saal, verfiel mehr und mehr ins Schwäbische Idiom, je länger der Abend dauerte und unterhielt das Publikum mit netten Anekdoten. Zum Beispiel wie der Fliesenleger und Abwehrspieler Günther Posowert die entsetzten Anhänger des Landesligisten SC Korb noch während des Spiels beruhigen musste, weil Rangnick die Manndeckung abschaffte und plötzlich so viele gegnerische Spieler frei standen. Dass Señor Raúl nicht der Trainingsfleißigste gewesen sei und Frau Ribbeck nach Rangnicks legendärem Auftritt an der Taktiktafel im "Aktuellen Sportstudio" – angeblich – zu ihrem Mann, dem damaligen Bundestrainer, sagte: "Mensch Erich, das hab‘ sogar ich verstanden. Warum lässt du nicht so spielen?"

Aber Rangnick sprach auch über seine Leidenszeit, das Ausgebranntsein und wie er wieder zu Kräften kam. Die wohl wichtigste Maßnahme traf er im Februar. Er, der sonst immer gleich zur Stelle war, sagte tatsächlich nein, kein Einsatz vor Beginn der neuen Saison, als die ersten Anfragen für die laufende Spielzeit eingingen. Rangnick wollte nicht denselben Fehler wie vor einem Jahr machen. Nach seiner Hoffenheimer Zeit, die im Streit mit dem Mäzen Dietmar Hopp abrupt beendet war, trat Rangnick die Nachfolge von Felix Magath an. Eigentlich wollte sich Rangnick damals schon eine Pause bis zum Start der neuen Spielzeit gönnen. Auch, weil er bereits in der Spätphase als 1899-Trainer Veränderungen an sich selbst erkannt hatte. "Ich war öfter gereizt und habe nicht immer mit kühlem Kopf reagiert", erzählte er.

Mit Schalke gewann Rangnick den DFB-Pokal – sein erster großer Titel – und zog dank eines grandiosen Auftritts gegen Inter Mailand ins Halbfinale der Champions League ein. Doch der Einsatz war zu hoch. Der Workaholic, der laut ehemaliger Wegbegleiter weder sich noch die Menschen in seinem Umfeld schonte und am liebsten auch den Mannschaftsbus selbst gesteuert hätte, fuhr in der Sommerpause zweimal mit seiner Frau in den Urlaub. "Aber beide Male trat kein Erholungseffekt ein", erinnert sich Rangnick. "Und wenig später im Trainingslager, eigentlich die schönste Zeit im Trainerjob, ging alles nur noch über Wille und Disziplin."

Leserkommentare
  1. Jo mei, san mer jetzt in Bayern? Im restlichen Deutschland heißt das "Brezel"!

  2. ... ich wünsche Ralf Rangnick alles Gute für die Zukunft, sportlich und gesundheitlich. Hoffentlich ist der Wiedereinstieg nicht zu früh, aber wer die Bundesliga verfolgt, weiß, dass den Rangnick den Fußball lebt und liebt. Zudem noch ein guter Techniker ist.

    Alles Gute Rangnick für dein Comeback, behalte bitte immer deine Gesundheit im Auge. Der Mensch Rangnick ist wertvoller als der Fußballfachmann Rangnick.

  3. Ob man einem Bunout wirklich mit gesunder Ernährung verhindern kann, ist für mich sehr fraglich.

    Bei "normalen Menschen" geraten die Hormon- und Blutwerte nicht durcheinander, nur weil man sich nach 22 Uhr ungesundes Essen hineinschiebt.

    Mich ärgert das auch. Vermittelt es doch den Eindruck, ein Burnout ist mit gesunder Ernährung zu verhindern.

    Vielleicht sollte man das Wort Burnout durch ein anderes Wort ersetzen - nämlich Depression.
    Burnout klingt so, als wäre der Tank leer und man brauche nur mal wieder neues Benzin.

    Aber ich denke, Herr Rangnick weiß genau, dass er trotz guter Ernährung nicht vor einem neuen Burnout geschützt ist. Sonst wäre er bereit gewesen Tottenham Hotspur zu trainieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist wohl ein wichtiger Baustein um einen Burnout zu verhindern. Durch die Ernährung reduzieren sie nicht den Stress sondern erhöhen die Leistungsfähigkeit und dadurch wiederum reduziert sich der Stress.

    Man kann sich doch gut vorstellen in welchem Zustand man morgens um 6 aufsteht wenn es abends um halb 11 noch Wurst mit Brot und einigen Weissbier gab.

    Sie haben schlecht geschlafen weil der Körper noch richtig zu tun hat und gerade wenn der Körper beginnt sich zu entspannen müssen sie wieder aufstehen.

    Sicherlich ist es ein wesentlich positiverer Tagesbeginn wenn sie abends vernünftig essen und dann auch entsprechend schlafen.

    Unter diesem Aspekt halte ich Ernährung für einen wesentlichen Baustein um einen Burnout zu vermeiden.

    • Nevil
    • 26. Juni 2012 9:56 Uhr

    eines der symphatischen Gesichter des Profifußballs, persönlich alles Gute wünsche, hege ich Zweifel im Hinblick auf die geplante Doppelfunktion: Sportdirektor in Salzburg und Leipzig. Da sehe ich nur eins: entweder wieder ganz schnell ausgebrant sein oder die Aufgaben nicht wie gewünscht erfüllen können. Der Leidtragende wäre dann wohl RB Leipzig, die so wohl nie aus der Misere herauskommen werden.

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    von daher habe ich auch so meine Zweifel ob Rangnick wirklich etwas aus der Burnout Erfahrung gelernt hat. Durch Ernährung etc. und einen anderen Lebensstil wird er leistungsfähiger, gleichzeitig setzt er es durch einen Doppeljob wieder aufs Spiel.

    ...werden Vorsätze schon mal über den haufen geworfen. Gesundheit hin oder her.
    Was mir zu denken gibt, sind solche Sätze, wie im jüngsten Interview mit Herrn Rangnick - Zitat:

    „Der Osten lechzt doch nach einem Aushängeschild. Im Umkreis von 250 Kilometern um Leipzig gibt es – außer vielleicht in Dresden – keinen anderen Bundesligaclub“, erklärte Rangnick am Montag und fügte an: „Ziel in Leipzig kann es deshalb nur sein, dass alle jungen Talente im Osten durch die Profiakademie von Red Bull laufen.“

    Da werden sich wohl einige Fußballvereine, im Radius von 250 km, verdutzt die Augen reiben.
    Das Burnout scheint wohl noch nicht hinreichend auskuriert zu sein.

  4. ist wohl ein wichtiger Baustein um einen Burnout zu verhindern. Durch die Ernährung reduzieren sie nicht den Stress sondern erhöhen die Leistungsfähigkeit und dadurch wiederum reduziert sich der Stress.

    Man kann sich doch gut vorstellen in welchem Zustand man morgens um 6 aufsteht wenn es abends um halb 11 noch Wurst mit Brot und einigen Weissbier gab.

    Sie haben schlecht geschlafen weil der Körper noch richtig zu tun hat und gerade wenn der Körper beginnt sich zu entspannen müssen sie wieder aufstehen.

    Sicherlich ist es ein wesentlich positiverer Tagesbeginn wenn sie abends vernünftig essen und dann auch entsprechend schlafen.

    Unter diesem Aspekt halte ich Ernährung für einen wesentlichen Baustein um einen Burnout zu vermeiden.

    Antwort auf "Ich weiß nicht"
  5. von daher habe ich auch so meine Zweifel ob Rangnick wirklich etwas aus der Burnout Erfahrung gelernt hat. Durch Ernährung etc. und einen anderen Lebensstil wird er leistungsfähiger, gleichzeitig setzt er es durch einen Doppeljob wieder aufs Spiel.

  6. ...werden Vorsätze schon mal über den haufen geworfen. Gesundheit hin oder her.
    Was mir zu denken gibt, sind solche Sätze, wie im jüngsten Interview mit Herrn Rangnick - Zitat:

    „Der Osten lechzt doch nach einem Aushängeschild. Im Umkreis von 250 Kilometern um Leipzig gibt es – außer vielleicht in Dresden – keinen anderen Bundesligaclub“, erklärte Rangnick am Montag und fügte an: „Ziel in Leipzig kann es deshalb nur sein, dass alle jungen Talente im Osten durch die Profiakademie von Red Bull laufen.“

    Da werden sich wohl einige Fußballvereine, im Radius von 250 km, verdutzt die Augen reiben.
    Das Burnout scheint wohl noch nicht hinreichend auskuriert zu sein.

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