Doping im Fußball"Die Sportler verkaufen sich mit Haut und Haaren"

Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse forscht über Schmerzmittel im Fußball. Er sagt, dass fehlende Regeneration und wirtschaftlicher Druck Sportler zu Invaliden machen. von 

ZEIT ONLINE: Herr Froböse, geht es im professionellen Fußball nicht mehr ohne Schmerzmittel ?

Ingo Froböse : Der Fußball ist an der Oberkante der Belastbarkeit. Nehmen wir mal die EM-Spieler, die haben schon 60-70 Saisonspiele hinter sich. Wenn jetzt ein neuer Höhepunkt folgt, geht das nicht ohne körperliche Schäden. Die Regeneration wird immer kürzer, der Körper wehrt sich und so greift man zu diesen Mitteln , um Symptome zu unterdrücken. Und das wird immer häufiger.

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ZEIT ONLINE: Was macht das mit den Spielern?

Ingo Froböse
Ingo Froböse

Ingo Froböse ist Leiter des "Zentrums für Gesundheit" der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Sportwissenschaftler forscht seit Jahren zum Gebrauch von Schmerzmitteln im Fußball.

Froböse : Schmerz ist immer ein Warnsignal und dient dazu, den Körper vor einer neuen Schädigung zu schützen. Wenn ich dieses Signal ignoriere, führt das dazu, dass langfristige körperliche Schäden entstehen, zum Beispiel im Knie- oder Sprunggelenk. 25 Prozent der Verletzungen werden nicht richtig auskuriert. Es sind sicher 60 Prozent der Fußballer nicht ausreichend regeneriert. Deshalb müssen sie zu Mitteln greifen.

ZEIT ONLINE: Worauf gründen sie das? Haben sie selbst Studien gemacht?

Froböse : Wir haben eine ganze Reihe von Befragungen durchgeführt. Der Fußball ist eine geschlossene Gesellschaft, die lassen niemanden hineingucken, schon gar nicht jemanden, der das nach außen trägt. Wir haben trotzdem Insiderinformationen von Spielern und anonym mit Trainern und Betreuern gesprochen. Eine umfassende Statistik bekommen wir leider nicht. Dafür beobachten wir die wiederkehrenden Verletzungen.

ZEIT ONLINE: Was müsste passieren, damit der Missbrauch kleiner wird?

Froböse : Der wirtschaftliche Druck müsste sinken. Das sind ja keine Personen mehr, die dort spielen, sondern Produkte. Die Sportler verkaufen sich mit Haut und Haaren. Aber es geht nicht darum, kurzfristig viel Geld zu scheffeln, sondern um langfristige Lebensqualität. Dazu gehört insbesondere die Gesundheit. Ich kenne viele Spieler, die sich sehr darüber ärgern, was früher mit Ihnen gemacht worden ist. Diese Reflexionsfähigkeit würde ich gerne aktiven Spielern vermitteln.

ZEIT ONLINE: Gibt es denn Spieler, die heute öffentlich dafür eintreten würden?

Froböse : Es gibt eine Art Ehrenkodex, dass man aus dem Fußball möglichst wenig nach außen dringen lässt. Aber es gibt natürlich eine ganze Reihe von Spielern, mit denen wir auch reden, die zu Sportinvaliden werden und eine Therapie bekommen. Weil sie plötzlich sehen: Es geht nicht mehr. Ich kenne einige, die können mit ihren Kindern nicht einmal mehr laufen gehen, weil ihre Knochen so kaputt sind. Ich halte es für wichtig, dass diese Spieler aufklären. Es gibt einige, die machen das, allerdings immer nur im Zwiegespräch. Sie würden es nie öffentlich machen.

ZEIT ONLINE: Schrecken diese Beispiele jüngere Spieler nicht ab?

Froböse : Nein, leider hat der ökonomische Druck, der Druck von Trainer und Manager dazu geführt, dass die Spieler sehr kurzfristig agieren. Die Spieler werden total hochgehoben und das dann zu verlieren, das wäre extrem. Es gibt einen Trainer in der Bundesliga, der so dominant ist, dass die Spieler gar nicht informiert werden, was sie für eine Verletzung haben. So wird auch gar nicht an die Spieler herangetragen, welche Probleme sich möglicherweise ergeben könnten. Die Spieler werden dumm gehalten.

Leserkommentare
  1. Der Preis scheint aus Sicht der Betroffenen doch wohl zu stimmen, sonst könnten die sich doch auch beim Daimler ans Band stellen oder Stadtgärtner werden statt sich mit Haut & Haar zu verkaufen?
    Und die Geschichte mit dem Nichtwissen, dass ist doch bestenfalls nicht Wahrhabenwollen, jeder der Beteiligten kennt doch seine Vor- und Vorvorgänger bestens und weiß, wie es denen so geht.

  2. 2. Irre!

    Und es gibt immer noch Mensche, die glauben, der Fußball sein sauber. Hahaha. Was für Beweise braucht es eigentlich noch, dass Fußball genauso dopingverseucht ist wie andere Sportarten auch? Weil Doping im Fußball nichts bringt? Die, die so etwas sagen, haben keine Ahnung vom Sport.

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  3. "Es gibt einen Trainer in der Bundesliga, der so dominant ist, dass die Spieler gar nicht informiert werden, was sie für eine Verletzung haben. "

    Und der war mal Deutscher Meister mit Wolfsburg. Aber so etwas wird man wohl nicht sagen dürfen, oder?

  4. Ich frage mich, wieviele Leute sich einverstanden erklärten, wenn man Ihnen 2-3 Millionen anböte unter der Prämisse nach Annahme des Geldes nie wieder richtig laufen zu können.

    Je nach finanzieller (Not-)Lage würde da wohl manch einer zugreifen.

  5. Das ist ja der größte Käse, den ich jeh gelesen habe. EIn Leistungssportler braucht in der Regel bei 1 1/2 Stunden Belastung nicht länger als 48 Stunden zur Regeneration. Das Leute mit einer Antisporthaltung das anders sehen, ist mir natürlich klar. Kein Fußballer macht sich kaputt. Die legen mit 35 die Füße hoch und genießen den Ruhestand. Völlig gesund.

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    Das Problem ist weniger das Training oder das Spiel selbst. Ich kenne Freizeitsportler, die haben sich auf einen Ironman vorbereitet und haben sicher nicht sehr viel weniger als ein Profifußballer trainiert (zumindest in der heißen Phase der Vorbereitung). Das Problem ist wohl eher, dass im Profisport Verletzungen nicht wirklich auskuriert werden. Und das macht dann so manchen Proffußballer nach seiner Karriere zum Invaliden.

    ....aber davon ganz viel.

    Hier, schauen Sie mal:

    http://www.spiegel.de/spi...

    • footek
    • 15. Juni 2012 15:12 Uhr

    Sicher nur Schmerzmittel, da es kaum engmaschige Dopingkontrollen für Profifussballer gibt, gilt der Sport auch als relativ sauber. Und die Jungs nehmen natürlich nur Schmerzmittel. Logisch - wo nicht gesucht wird, findet man auch nichts. Ich lach mich schlapp!!

  6. Was soll dieses Gejammere um die überlasteten Profis?
    Wer Sport "treibt" um viel Geld zuverdienen muß auch in Kauf nehmen dafür Risiken einzugehen. Wer fragt in der Marktwirtschaft welche gesundheitlichen Risiken und körperlich hohe Belastungen z.B. eine Krankenschwester im Pflegedienst für weit weit weniger Geld eingehen muß.

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  7. Das Problem ist weniger das Training oder das Spiel selbst. Ich kenne Freizeitsportler, die haben sich auf einen Ironman vorbereitet und haben sicher nicht sehr viel weniger als ein Profifußballer trainiert (zumindest in der heißen Phase der Vorbereitung). Das Problem ist wohl eher, dass im Profisport Verletzungen nicht wirklich auskuriert werden. Und das macht dann so manchen Proffußballer nach seiner Karriere zum Invaliden.

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  • Schlagworte SV Werder Bremen | Bundesliga | Schmerzmittel | Sprunggelenk | Trainer | Körper
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