Schüler des Romain-Rolland-Gymnasiums im Berliner Stadtteil Reinickendorf beim Sportfest © Jens Uthoff

Der Boden vibriert, ein Bass lässt den Kunststoffbelag erzittern. Sarah, Maren und Jekaterina sind mitten in ihrer Choreografie, sie tanzen zu einer Techno-Version von Because the night. JumpStyle nennt man die Tanzperformance der drei Achtklässlerinnen. Es ist früher Montagmorgen, Tanzunterricht steht in der ersten Sportstunde auf dem Plan. Die Mädchen bewegen sich synchron, steppend, mit den Armen schwingend, dann stampfend. Der Beat wird härter. "Das haben die drei schon ganz gut drauf", sagt die Lehrerin, die seit zwei Jahren am Romain-Rolland-Gymnasium im Berliner Stadtteil Reinickendorf Sport unterrichtet.

Beispiele wie jenes am Berliner Gymnasium sind eher Ausnahmen. Der Sportunterricht an deutschen Schulen wird und wurde in der Vergangenheit stark kritisiert. Er galt als gestrig, als Randphänomen, als "weiches Fach", das an Schulen, die schlecht ausgestattet sind, zu kurz kommt. Auch in der Sprint-Studie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) aus dem Jahr 2006 kam der Schulsport alles andere als gut weg.

Im Gegensatz dazu bekommt der Sport in der Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert, unter Schülern und Schülerinnen ist er eines der beliebtesten Fächer. Der Unterricht aber scheint immer noch verbesserungswürdig.

In der Praxis steht man weiter vor großen Herausforderungen. Zu sehr bleibt der Unterricht abhängig von einzelnen Lehrenden, zu groß ist der Unterschied zwischen Schulen und Bundesländern, zu stark ist in vielen Schulen methodisch noch ein Turnvater-Jahn-Duktus verankert. "Wenn wir an Sportunterricht denken, dann denken wir immer noch an blaue Matten, die um den Barren herum ausgerollt werden und an die Schlange der Schüler davor", sagt Katja Schmitt, die an der Humboldt Universität Berlin angehende Sportlehrer ausbildet. "Das ist natürlich das Letzte, so was sollte es heute nicht mehr geben."

Wie es anders geht, weiß Schmitt auch. "Die Koppelung von tradierten Bewegungsformen mit moderner Bewegungskultur ist ständiges Thema bei uns", sagt Schmitt. Staffellauf und Slacklines, Weitsprung und Waveboards – so sollte zeitgemäßer Unterricht aussehen. Der Lehrplan ist im Schuljahr 2006/2007 reformiert worden und lässt den Lehrenden mehr Spielraum. Man unterteilt nicht mehr in Disziplinen, man unterteilt in Lern- und Erfahrungsfelder. Gab es vorher Turnen, so gibt es jetzt "Bewegen an und mit Geräten". So findet man anstelle der gefürchteten blauen Matten vor Barren oder Reck eher Hindernisparcours, die frei variiert werden können.

Auch methodisch sieht Schmitt Nachholbedarf. Dass die Schwachen, Dicken und Langsamen im Sport wie von selbst aussortiert werden und das Fach bei einigen Angst evoziert, dagegen müsse man ankämpfen. Kooperativer Gruppenunterricht ist ein Ansatz: Stärkere und Schwächere bilden zusammen kleine Teams und müssen gemeinsam Strategien entwickeln, wie sie erfolgreich spielen. Auch das Wählen der Teams sollte der Vergangenheit angehören: Kaum einer der schwächeren Sportschüler wird in seinem Leben die Momente vergessen, in denen er als letzter gewählt wurde.