Schweden – Frankreich: König Zlatan war zu launisch
Gegen England spazierte er rum, gegen Frankreich schoss er ein Traumtor. Die Schweden sind und bleiben von ihrem König abhängig, schreibt unser EM-Pate Eike Kühl.
© Jonathan Nackstrand/AFP/Getty Images

Zlatan Ibrahimovic nach Abpfiff
In Schweden regieren zwei Könige. Der eine heißt Carl XVI. Gustaf, 66, ausführlichst beleuchtet von den einschlägigen Boulevardblättern. Der andere heißt Zlatan Ibrahimović, 30, ein Mann der Sportpresse. Beide eint, dass sie sich nur gelegentlich zeigen. Der eine zu symbolischen Staatsempfängen, der andere zu besonderen Fußballspielen. Das ist ein Privileg des Königs. Er kommt, wann er will.
In Schweden war man erleichtert, dass sich König Zlatan überhaupt noch einmal im blaugelben Gewand der "Blågult" zeigte. Zweimal war er bereits aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, zuletzt nach der verpassten Qualifikation für die WM 2010. Erst der neue Trainer Erik Hamrén konnte ihn zurückholen – und machte ihn prompt zum Kapitän. Dafür musste er nicht zu allen EM-Qualifikationsspielen kommen, das war der Deal; Gegner wie San Marino oder Moldawien schlügen die Schweden schließlich auch ohne ihn.
In der Endrunde ging es gegen England, Frankreich und die Ukraine. Erik Hamrén wusste, dass er seinen Kapitän brauchen würde, um wenigstens die Außenseiterchance zu wahren. Drei Spiele später lässt sich sagen: Sie hatten Recht. Doch ihr König war zu launisch.
Der "seltsamste Spieler der EM"
Dabei sah es im Auftaktspiel gegen den Gastgeber zunächst gut aus. Ibrahimović köpfte seine Mannschaft in Führung und sorgte bis zum Schluss für Gefahr. Die Gegentore konnte er nicht verhindern: Am Ende verloren die Schweden mit 1:2. Nicht unverdient, aber unglücklich.

Eike Kühl ist Producer, Autor und Blogger bei ZEIT ONLINE. Als bekennender BVB-Fan fühlt er sich den Schweden schon durch ihre Trikots verbunden. Seine Profilseite finden Sie hier.
Unerklärlich war dagegen Ibrahimovićs Auftritt im vorentscheidenden Spiel gegen England. Der Stürmer schlenderte über den Platz, stand minutenlang im Abseits und dribbelte sich selbst in den aussichtslosesten Situationen lieber mittenrein in den Gegner anstatt abzuspielen. Gerade in der wild hin- und herwogenden Schlussphase wirkte er beweglich wie eine gelbe Telefonzelle, während sich seine Teamkollegen die Lunge aus dem Leib rannten.
Schweden verlor mit 2:3 und war vorzeitig ausgeschieden. Die Süddeutsche Zeitung nannte Ibrahimović daraufhin den "seltsamsten Spieler dieser Europameisterschaft" und die schwedischen Fans bangten: Würde sich der König nach dieser Schmach noch einmal zeigen?
Er tat es. Wohl auch, weil es im dritten und letzten Spiel nicht nur gegen Frankreich, sondern auch um die vielzitierte Ehre ging. Und tatsächlich zogen die Schweden Kraft aus der befreienden Tabellensituation. Was in den vergangenen Spielen nicht gelang, klappte plötzlich: Präzise Abspiele in die Tiefe, gute Kombinationen, Schüsse, auch auf das Tor. Mittendrin: Zlatan Ibrahimović. Er kämpfte und rackerte im zentralen Mittelfeld, was er gerne tut, weil es sonst niemand der Schweden so richtig kann.






Es ist natürlich sehr einfach nach dem Ausscheiden der Schweden Ibrahimovic zu kritisieren. Er ist manchmal etwas schwierig und vielleicht trifft es sogar zu dass er launisch ist. Aber das an 3 Em-Spielen festzumachen von denen zwei gut und eins schlecht waren halte ich doch für gewagt.
Er ist nunmal ein Stürmer der auf Zuspiele angewiesen ist und wenn die nicht kommen dann kann er auch schwer glänzen.
Würde man bei jedem Spieler nur die Nationalmannschaft bzw. Leistungen bei EM/WM nehmen dann wären Spieler wie Messi und Ronaldo auch nur durschnitt.
Wer in der Seria A in 32 Spielen 28 Tore schießt bzw. in seiner gesamten Karriere nahezu jedes zweite Spiel trifft kann nicht so schlecht sei. Weder fußballerisch noch charakterlich.
Und Gomez darf man ja bekanntlich nicht kritisieren. Warum also Zlatan? Nur weil seine Mannschaft eben nicht 3 gewonnen hat, wie die von Gomez, sondern nur einmal?
Also bitte, das ist jammern auf hohem Niveau. Es hat halt nicht sein sollen. Wäre die Hacke des Engländers nicht gewesen (seit wann können die eigentlich Technik?) dann wäre Schweden jetzt weiter....
gut beobachtet, dass mit dem jubeln beim tor des mitspielers. tatächlich sind das die kurzen momente, wo man einem spieler in die karten schauen kann.
das er solche tore macht, dürfte eher an seiner zweiten sportart liegen, kampfsport.
was die kritik an ihm betrifft, teile ich die nicht. auch im englandspiel hat er kluge pässe gespielt, es fehtle oft nur millimeter. das er sie mit einer körperhaltung spielt, die arroganter nicht geht, was solls, er sagt damit eben, ich bin chef der schwedischen holzhacker und euch englische nichtskönner spiele ich aus dem stand an die wand, da habt ihr einen und dann folgt eben so ein pass, lässig, aus dem stand, ohne sonstige körpersprache und er kommt gefährlich ...
Ich denke einfach dass eine Mannschaft, welche sich hauptsächlich auf die Klasse eines Spielers verlässt, viel GLück braucht um weiter zu kommen. Das hatte Schweden dieses Jahr leider nicht.
Ich hätte es den Schweden gegönnt, alleine um Ibrahimovic vielleicht noch einmal an einem guten Tag zu sehen.
Persönlich finde ich das Auftreten von z.B. Ronaldo oder Rooney schlimmer
Liebe Leser,
dieser Text sollte gar nicht als allzu scharfe Kritik an Zlatan Ibrahimovic daherkommen. Ich schätze ihn als Fußballer sehr. Was ich vielmehr sagen möchte: Er bestimmt das Spiel der Schweden (anders als Gomez bei Deutschland) und wenn er keinen guten Tag hat, was bei ihm immer wieder vorkommt, leidet die Mannschaft darunter. Gerade gegen England hätten sie ihn gebraucht, weil Kampf allein keine Tore schießt. Einige gute Pässe trösteten nicht darüber hinweg, dass er in vielen anderen Situationen deplatziert wirkte. Gestern dagegen hat er von Anfang an mit seiner Haltung und Spielweise das Spiel an sich gezogen und seinen Mitspielern damit Sicherheit gegeben.
Am Ende ist es natürlich nicht seine Schuld, dass Schweden ausgeschieden ist. Es zeigt sich vielmehr das allgemeine Problem, wenn ein Spiel zu sehr auf einen Spieler und dessen Klasse ausgerichtet ist. Können die Schweden daran was ändern? Schwierig.
Grüße,
E.K.
Sehr geehrte Zeit Redakteur,
ich verstehe Ihre Schlussfolgerungen nicht. Erstmal hat Sweden einen MEGA SUPERSTAR und Sweden wollte Ihren MEGASUPERSTAR einsetzen wo immer es geht. Und es war toll den Sweden zuzuschauen. Wollen Sie jetzt eine taktische Empfehlung geben das nicht so viele Pässe zu Zlatan (der Goldene) hätten gehen sollen? Sweden wollte die Em Qualifikation nicht ohne Ibrahimovic bestreiten und im EM Turnier wollten sie ohne Ihn auch nicht weiterkommen. Das Tor gegen Frankreich wird ganz vielen Menschen in Erinnerung bleiben und die werden sagen: toll diese Schweden.
Sehr geehrte Zeit Redakteur,
ich verstehe Ihre Schlussfolgerungen nicht. Erstmal hat Sweden einen MEGA SUPERSTAR und Sweden wollte Ihren MEGASUPERSTAR einsetzen wo immer es geht. Und es war toll den Sweden zuzuschauen. Wollen Sie jetzt eine taktische Empfehlung geben das nicht so viele Pässe zu Zlatan (der Goldene) hätten gehen sollen? Sweden wollte die Em Qualifikation nicht ohne Ibrahimovic bestreiten und im EM Turnier wollten sie ohne Ihn auch nicht weiterkommen. Das Tor gegen Frankreich wird ganz vielen Menschen in Erinnerung bleiben und die werden sagen: toll diese Schweden.
Hätte man ein Mars-Männchen zur Europameisterschaft eingeladen, so wäre auch diesem auf Anhieb Ibrahimovic als außergewöhnlicher Spieler aufgefallen.
Die physische Präsenz, der Einsatz seines Körpers, bei dem die Gegenspieler bisweilen wie Comic-Figuren nach links und rechts purzeln, die Geschmeidigkeit, die sehr gute Technik und nicht zuletzt die Explosivität, die Dynamik - all das lässt Ibrahimovic automatisch die Scheinwerferlichter finden. Und er wäre dort auch zu Hause, wenn er in anderen Teams, die besser besetzt sind als das schwedische, spielen würde.
Dass der Mann bisweilen ein wenig arrogant rüberkommt dürfte zum einen Kalkül sein, um den Gegner zu beeindrucken - und auch zu beeinflussen. Zum anderen ist es eben seiner sportlichen Ausnahmestellung geschuldet, die man verstehen kann, wenn man bedenkt, dass hier ein ehrgeiziger Sportler mit einer Mannschaft in ein Turnier geht, bei der von Anfang an klar ist, dass das Siegertreppchen eine Illusion bleiben wird. Das kann man kritisieren. Mann kann es aber auch ein wenig verstehen.
Einen auf Launenhaftigkeit gründenden Leistungsabfall gegen England habe ich übrigens nicht feststellen können. Es schien mir eher so, als wenn es ihm richtig Spaß machen würde, den hoch taxierten PL-Spielern wie John Terry mal zu zeigen, was eine schwedische Serie A-Harke ist.
Ibrahimovic ist zweifelsohne einer der besten Stürmer im Weltfussball. Interessanterweise sind seine Mannschaften (trotz vieler Wechsel (Mailand, Barcelona, Mailand) Die Serie brach erst im letzten Jahr (Meister Juventus).) mehrere Jahre hintereinander Meister geworden, auch dank seiner Leistung.
Nun zur EM: Schweden hat auch bei den beiden Niederlagen geführt, hat dann aber aufgrund fehlender taktischer Klasse und einfacher Fehler der Defensivspieler diese Vorsprünge nicht verteidigen können, ja auch ein Unentschieden war nicht möglich. Die Leistung vorne stimmte also, nach hinten sah es mau aus. Für mich war also die Leistung von Ibrahimovic absolut in Ordnung, ausgeschieden ist Schweden wegen anderer Mängel.
Sehr geehrte Zeit Redakteur,
ich verstehe Ihre Schlussfolgerungen nicht. Erstmal hat Sweden einen MEGA SUPERSTAR und Sweden wollte Ihren MEGASUPERSTAR einsetzen wo immer es geht. Und es war toll den Sweden zuzuschauen. Wollen Sie jetzt eine taktische Empfehlung geben das nicht so viele Pässe zu Zlatan (der Goldene) hätten gehen sollen? Sweden wollte die Em Qualifikation nicht ohne Ibrahimovic bestreiten und im EM Turnier wollten sie ohne Ihn auch nicht weiterkommen. Das Tor gegen Frankreich wird ganz vielen Menschen in Erinnerung bleiben und die werden sagen: toll diese Schweden.
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