Portugal – Spanien: Spanien nervt, aber was sollen sie machen?
Spaniens Spiel wird nicht mehr haltlos bewundert. Unser EM-Pate David Hugendick hat einen Trost für alle Gelangweilten: Gegen Portugal war nicht viel mit Tiki-Taka.
© Laurence Griffiths/Getty Images

Die Matchwinner des Elfmeterschießens: Iker Casillas freut sich mit Cesc Fabregas
Endlich hat ein Motoröl-Hersteller untersucht, warum es bei Cristiano Ronaldo läuft wie geschmiert: Sein Körperfettanteil beträgt zehn Prozent, drei Prozent weniger als der eines durchschnittlichen Topmodels, was immer nun durchschnittlich in diesem Zusammenhang bedeuten möge. Außerdem gucke Ronaldo in acht Sekunden 13 Mal woanders hin und kann sogar im Dunkeln einen Kopfball ins Tor wuchten, komplett ohne Gucken, mit Lichtaus.
Hat die Firma toll gemacht, fand das ZDF, weswegen vor dem Spiel Oliver Kahn sich absolut analysemäßig bestätigt fühlte und sagte, dass Ronaldo "absolut qualitätsmäßig am Limit" sei, was gleichsam für Ronaldos Gegner Spanien gelte. Obwohl Spaniens Verspieltheit spätestens seit dem Sieg über Frankreich nicht mehr so haltlos bewundert wird, wie es einstmals der Fall war. Zuschauer pfeifen, Kommentatoren zweifeln, Trainer wiegen ihr Haupt. Es heißt, Spanien sei sensationell langweilig.

David Hugendick ist Literatur-Redakteur von ZEIT ONLINE. Er ist sich durchaus bewusst, dass es langweilig ist, zum Favoriten zu halten. Doch dem spanischen Spiel ist er unrettbar verfallen. Seine Profilseite finden Sie hier.
Solche Aussagen lassen sich eigentlich nur mit einer allgemeinen Ermüdung erklären. Die kann, wie ein Kollege gestern schrieb, an grundsätzlichen spieltaktischen Dingen liegen. Aber auch daran, dass man sich in einer monotonen Endlosschleife wähnt, die man von Donezk über Danzig nach Deutschland geknotet hat.
Ständig sorgt sich wer um Schweinsteigers Seele. Ständig wird Mats Hummels interviewt. Ständig denkt jemand nur topmotiviert von Spiel zu Spiel. Ständig brüllt die Discountrockband Linkin Park dazwischen. Ständig weißverstöpselte Fußballerohren an konzentrierten Fußballergesichtern. Ständig diese unbeantwortete Frage, was die eigentlich hören (Linkin Park?). Ständig ruft jemand so laut Sieg, wie es nur Verlierer tun. Ständig steht irgendwo Katrin Müller-Hohenstein. Ständig erzählt irgendwer einen Witz über Katrin Müller-Hohenstein. Ständig Schwenkgrillwurst und Heringsdorf. Ständig heißt es, die Italiener, die Franzosen, die Portugiesen, der Hansi und Einigkeitundrechtundfreiheit. Ständig ist ständig was.
Und wenn dann Spanien obendrein ständig den Ball hat, na gut, klar, nervt, verständlich. Aber was sollen sie machen?
Immerhin, und das dürfte all die Ermüdeten getröstet haben: Gegen die Portugiesen kam es zunächst ganz anders. Die hatten ihre Beine überall. Weiße Stutzen standen den Spaniern effizient im Weg herum, wie es lange keine mehr vermochten. Und darob war Spanien so unpässlich, dass man sie kaum wiedererkannte. Droschen lange Bälle. Tikitackerten ins Aus. Als habe jemand die Magnete an Iniestas und Xavis Füßen heimlich umgepolt. Eine Art Umwälzung der Ballbesitzverhältnisse. Und wenn's mal gerade lief, kam der Portugiese Pepe angerauscht.






Die Kommerzialisierung erreicht in den letzten acht Jahren eine gewaltige Steigerung, ebenso die Berichterstattung. Es wird suggeriert, dass es sich bei diesem Spiel um das Event schlechthin handelt, das man auf keinen Fall verpassen dürfe.
Und dann? Dann kommt immer wieder Spanien und spielt seinen langweiligen Stiefel runter.
Aber es liegt nicht nur an Spanien, es liegt auch daran, dass die Professionalisierung mittlerweile derart fortgeschritten ist, dass es keine wirklichen Überraschungen mehr gibt. Also wird versucht, welche herbeizuschreiben. Aber wer die Qualifikation verfolgt hat wird es kaum als Überraschung ansehen, dass z.B. Griechenland gegen Russland gewonnen hat.
Man sieht die Langeweile, die von den Top-Teams ausgeht, auch an einer anderen Kleinigkeit. Was wurde am Montag Pirlo nicht gelobt und gefeiert ob seines Lupfers im Elfmeterschießen. Dass Ramos gestern genauso geschossen hat wird im Artikel überhaupt nicht erwähnt? Warum? Weil Italien momentan noch ein klein wenig Spannung ins Turnier bringt da man nicht unbedingt mit ihnen rechnen musste.
Möglicherweise ist die Entwicklung auch gut, denn der Hype scheint langsam abzubauen.
Natürlich.. es stimmt schon, daß die Kommerzialisierung irrwitzige Dimensionen erreicht hat.
Aber davon mal ab ist das immer noch die EM. Und eine EM ist nunmal (nach der WM) *das* Event im Fußball - da braucht nichts gehypet werden.
Und Stichwort Spanien:
Es ist bezeichnend, daß Spanien jetzt zerrissen wird. Sie spielen genialen Fußball, teils wunderschön anzusehen, immer diszipliniert, taktisch fast perfekt.
Das dieses Spiel nicht vor dem Eventcharakter der Kommerzialisierung stand hält überrascht nicht; die Amerikaner konnten ja von Anfang an nicht verstehen, wie man Gefallen an einem Sport finden kann, in dem so wenig Tore fallen.
Das Spiel der Spanier ist in jedem Fall intelligenter und verlangt dem Zuschauer mehr ab, so viel ist richtig. Aber spätestens am Sonntag werden wir sehen, daß auch die Iberer rennen, fighten und Dreck fressen werden, wenn es darauf ankommt - und am Ende wird's doch nicht reichen. ;-)
Spanien sei sensationell langweilig? Deutscland ist einfach langweilig und voll die Losers! Adios Deutschland!!!
Natürlich.. es stimmt schon, daß die Kommerzialisierung irrwitzige Dimensionen erreicht hat.
Aber davon mal ab ist das immer noch die EM. Und eine EM ist nunmal (nach der WM) *das* Event im Fußball - da braucht nichts gehypet werden.
Und Stichwort Spanien:
Es ist bezeichnend, daß Spanien jetzt zerrissen wird. Sie spielen genialen Fußball, teils wunderschön anzusehen, immer diszipliniert, taktisch fast perfekt.
Das dieses Spiel nicht vor dem Eventcharakter der Kommerzialisierung stand hält überrascht nicht; die Amerikaner konnten ja von Anfang an nicht verstehen, wie man Gefallen an einem Sport finden kann, in dem so wenig Tore fallen.
Das Spiel der Spanier ist in jedem Fall intelligenter und verlangt dem Zuschauer mehr ab, so viel ist richtig. Aber spätestens am Sonntag werden wir sehen, daß auch die Iberer rennen, fighten und Dreck fressen werden, wenn es darauf ankommt - und am Ende wird's doch nicht reichen. ;-)
Spanien sei sensationell langweilig? Deutscland ist einfach langweilig und voll die Losers! Adios Deutschland!!!
Wenn ich die Spanier ansehen muss, kriege ich keine Angst. Aber ein Gefühl, dass eine Mannschaft unverdient weiterkommt oder gewinnt. Bei keiner anderen Mannschaft erhofft man sich einen Beweis , ob sie es denn wirklich verdient hätten. Nun die Spanier brachten ihn in der Verlängerung-
Übrigens: Dominanz und Ballbessitz, das kann man auch als eine Komponente der Unsicherheit bewerten.
ist keine. JEDER Akteur ist nach einem Spiel nicht euphorisch. Die Moderatoren, die solche dummen Fragen stellen, haben wohl nie Fussball gespielt.
Das war kein Endsieg, ein Etappensieg. Wieso sollte man euphorisch sein? Es war eine Arbeit, die man erledigen musste. Und nun ist man geschlaucht. Es ist kein Finale, es ist ein Halbfinale ohne 3. Platz Spiel.
Euphorie? Wie stellen die , die solche Fragen stellen, sich das vor?
Spielaufbau, dann, ja dann sind die Spanier wirklich klasse.
Sie können aus der engsten Abwehr des Gegners- meist- noch
was machen, das ist für mich immer wieder beeindruckend.
Natürlich werden sich Rezepte gegen Tikitaka weiter entwickeln, Beispiele haben wir ja schon gesehen: Kroatien und
Portugal.Dennoch spielt Spanien einen richtig guten Fußball- nur haben sie keinen Plan B und das ist die Chance für
Deutschland oder Italien- je nachdem wer es ins Finale schafft.
Als Ballkünstler bleiben sie für mich das Größte!!!
Spanien hat sehr wohl einen Plan B, del Bosque ist nur zu stur ihn ein zu setzen.
Spanien hat sehr wohl einen Plan B, del Bosque ist nur zu stur ihn ein zu setzen.
Vielleicht hätte der Verfasser des Artikels nach dem Elfmeterschießen erstmal schlafen sollen, bevor er diesen verwirrten Artikel geschrieben hat. Was hat denn bitte die Art der Berichterstattung mit dem Spiel zu tun? Wird ja leider in den GEZ Sendern übertragen, da kann man nun mal nichts vernünftiges erwarten. Das hat aber wenig Einfluß auf Spaniens Spiel. Ist zwar auch langweilig, aber Fußball ist nun mal ein Ergebnissport und kein Team wird anfangen faxen zu machen um den Zuschauern eine super show zu bieten und aus dem turnier auszuscheiden. dafür geht es leider im Sport inzwischen auch um zuviel Geld. Ab Millionengehalt ist halt irgendwann schluß mit "Lustig"..
Ich fand den Artikel sehr lesenwert, schön launig und Herr Hugendick ist ja nun mal der "Pate" der Spanier, und bei den "Patenartikeln" geht es eben weniger um die sachliche Analyse sondern mehr um gute Unterhaltung.
Für sachliche Analysen empfehle ich Ihnen www.spielverlagerung.de oder den Klassiker, www.kicker.de, wo man sich stilistisch allerdings nach wie vor eher an Sepp Herberger orientiert und Titel wie "Holz holzte ans Holz" auch im Jahre 2012 noch zum guten Ton gehören.
Generell finde ich die Sportberichterstattung bei Zeit.de sehr gelungen, oftmals werden auch Randthemen aufgegriffen und bestens darstellt.
Besonders gefällt mir bei der "Zeit", dass die Kategorie "Sport" nach wie vor ganz verschämt rechts am Rande der Startseite geführt wird, noch hinter "Auto" ("Wir sind schließlich ein Blatt für das Bildungsbürgertum!"), die Artikel zum Thema aber fast immer die meistgelesensten sind.
In diesem Sinne: Keep up the good work, guys!
Ich fand den Artikel sehr lesenwert, schön launig und Herr Hugendick ist ja nun mal der "Pate" der Spanier, und bei den "Patenartikeln" geht es eben weniger um die sachliche Analyse sondern mehr um gute Unterhaltung.
Für sachliche Analysen empfehle ich Ihnen www.spielverlagerung.de oder den Klassiker, www.kicker.de, wo man sich stilistisch allerdings nach wie vor eher an Sepp Herberger orientiert und Titel wie "Holz holzte ans Holz" auch im Jahre 2012 noch zum guten Ton gehören.
Generell finde ich die Sportberichterstattung bei Zeit.de sehr gelungen, oftmals werden auch Randthemen aufgegriffen und bestens darstellt.
Besonders gefällt mir bei der "Zeit", dass die Kategorie "Sport" nach wie vor ganz verschämt rechts am Rande der Startseite geführt wird, noch hinter "Auto" ("Wir sind schließlich ein Blatt für das Bildungsbürgertum!"), die Artikel zum Thema aber fast immer die meistgelesensten sind.
In diesem Sinne: Keep up the good work, guys!
Natürlich.. es stimmt schon, daß die Kommerzialisierung irrwitzige Dimensionen erreicht hat.
Aber davon mal ab ist das immer noch die EM. Und eine EM ist nunmal (nach der WM) *das* Event im Fußball - da braucht nichts gehypet werden.
Und Stichwort Spanien:
Es ist bezeichnend, daß Spanien jetzt zerrissen wird. Sie spielen genialen Fußball, teils wunderschön anzusehen, immer diszipliniert, taktisch fast perfekt.
Das dieses Spiel nicht vor dem Eventcharakter der Kommerzialisierung stand hält überrascht nicht; die Amerikaner konnten ja von Anfang an nicht verstehen, wie man Gefallen an einem Sport finden kann, in dem so wenig Tore fallen.
Das Spiel der Spanier ist in jedem Fall intelligenter und verlangt dem Zuschauer mehr ab, so viel ist richtig. Aber spätestens am Sonntag werden wir sehen, daß auch die Iberer rennen, fighten und Dreck fressen werden, wenn es darauf ankommt - und am Ende wird's doch nicht reichen. ;-)
Das ist nur noch Tiki-Kacka-Fussball der Spanier.
Bleibt zu hoffen, dass Deutschland das eigene Spiel umsetzen und sowohl gegen Italien als auch gegen Spanier einige Tore schießen kann.
Die deutschen spielen auch nicht besser. GEzeigt haben die nichts, aber Nationalismus verhindert wieder einmal objektive Kritik am eigenen Spiel.
Also, ich bin weder Patriot noch fanatischer Deutschlandfan, Fahnenschwenker oder ähnliches. Aber wenn Sie wirklich ernsthaft betsreiten wollen, dass es einen meilenweiten Unterschied im Unterhaltungswert der deutschen Spiele gegenüber den spanischen Spielen gegeben hat, hatten Sie vielleicht beim Zuschauen eine Chorizo auf den Augen. Mit Neid hat das nichts zu tun.
Das ist eine der wenigen Artikel, wo man nicht unbedingt Lobshymnen auf die deutsche Mannschaft raushört, sondern mehr um einen internationalen Vergleich.
Die "Nationalismus"-Pauke ist schon ein ärmlicher Trollversuch, vollkommen diskussionunwürdig. Hier empfehle ich mal ein paar Schmökerstunden im Lexikon zwischen den Spielen.
In diesem Sinne.
Also, ich bin weder Patriot noch fanatischer Deutschlandfan, Fahnenschwenker oder ähnliches. Aber wenn Sie wirklich ernsthaft betsreiten wollen, dass es einen meilenweiten Unterschied im Unterhaltungswert der deutschen Spiele gegenüber den spanischen Spielen gegeben hat, hatten Sie vielleicht beim Zuschauen eine Chorizo auf den Augen. Mit Neid hat das nichts zu tun.
Das ist eine der wenigen Artikel, wo man nicht unbedingt Lobshymnen auf die deutsche Mannschaft raushört, sondern mehr um einen internationalen Vergleich.
Die "Nationalismus"-Pauke ist schon ein ärmlicher Trollversuch, vollkommen diskussionunwürdig. Hier empfehle ich mal ein paar Schmökerstunden im Lexikon zwischen den Spielen.
In diesem Sinne.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren