Tschechien – PolenIrre. Grotesk. Das ist Fußball!

Aberwitzig war dieser letzte Spieltag der Gruppe A, schreibt der EM-Pate Christoph Dieckmann. Der Sieg der Tschechen gegen Polen war nicht einmal die größte Sensation.

Unten liegt der tschechische Torschütze Jiracek

Unten liegt der tschechische Torschütze Jiracek

Irre. Grotesk. Ein aberwitziges Finish der Gruppe A. Und doch: Mit beruhigter Atmung und nach dem ersten Aufarbeitungsbier wagt man zu sagen, dass die Tschechen nicht unverdient ins Viertelfinale einziehen. Sensationell ist ihr Gruppensieg – nach einer 1:4-Auftaktpleite gegen die Russen, die nun heimwärts reisen. Das aber ist kein tschechisches, sondern ein griechisches Wunder.

Die Polen und die Tschechen leben Rücken an Rücken. So beschrieb der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk das Verhältnis der slawischen Brüder. In dieser kochenden Regennacht von Wroclaw (Breslau) mussten sie einander in die Augen schauen. Die Gastgeber brauchten, um nicht auszuscheiden, einen Sieg. Den Tschechen reichte mutmaßlich ein Remis. So spielten sie auch und ließen die Polen kommen.

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Christoph Dieckmann
Christoph Dieckmann

Christoph Dieckmann ist seit 1991 Autor der ZEIT und bewundert die stolze Gelassenheit der Tschechen im Angesicht tragischer Finalniederlagen.

Die begannen mit dem Sturm und Drang ihres Russland-Spiels. Lewandowski ballerte links am Tor vorbei, danach lenkte Cech Blaszczykowskis Schuss zur Ecke. Polanski knallte drüber, Boenisch prüfte Cech, der an diesem Abend keine Schwäche zeigte. Umsichtig stabilisierten Jiracek und Pilar das tschechische Mittelfeld, doch empfindlich fehlte Rosicky, der verletzte Regisseur.

Nach einer halben Stunde verwehte der polnische Sturm. Schaden angerichtet hatte er keinen, und in der 39. Minute feuerte Plasil tatsächlich den ersten Schuss der Gäste auf Tytons Tor. Bis dato standen die Tschechen im Viertelfinale, als Gruppenzweite hinter Russland. Doch alle Berechnungen wurden Makulatur, als in Warschau Karagounis für die Griechen traf. Jetzt brauchten die Tschechen den Sieg.

Polens Ungestüm blieb in der Kabine. Die Kräfte schwanden mit der Zuversicht. Die Tschechen kontrollierten den Platz – und verließen sich keineswegs auf die Russen in Warschau, deren Ausgleich gegen Griechenland doch minütlich erwartet wurde. In der 71. stiefelte Jiracek nach Murawskis Fehler gen polnisches Tor und hieb den Ball in Tytons langes Eck.

Der Rest war Katzbalgerei. Piszczek schoss Jiracek k.o., Dudka grabschte in Tschechengesichter. Die ackerten dem Sieg entgegen – und hätten Sekunden vor Schluss fast alles verloren, als Blaszczykowskis Kopfball Cech bezwang. Kadlec köpfte den Ball artistisch von der Linie. Abpfiff, auch für Polens Traum.

In Warschau weinten die Russen, das einzige Top-Team der Gruppe A. Oliver Kahn erschien dem deutschen Fernsehvolk und verkündete: Das ist Fußball!

Wer hätte das gedacht?

 
Leserkommentare
  1. Ein atemberaubender Bericht, den ich als Nicht-Fussball-Gucker nur wegen Christoph Dieckmann gelesen habe...

    DAS ist so, wie meine gute alte ZEIT mal WAR....

    Meisterhaft!!!

    Mehr mehr von diesem Stil!!

    2 Leserempfehlungen
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    • JayB
    • 17.06.2012 um 12:41 Uhr

    Na ja! Ehrlich, bei der Überschrift habe ich schon ein bisschen mehr erwartet als einen lockeren, simplen Spielbericht, der auch noch viel zu spät erscheint.

    • JayB
    • 17.06.2012 um 12:41 Uhr

    Na ja! Ehrlich, bei der Überschrift habe ich schon ein bisschen mehr erwartet als einen lockeren, simplen Spielbericht, der auch noch viel zu spät erscheint.

  2. Ohne die beiden Gastgeber und Russland ist die EM tot.

    Das wird ja ein tolles Viertelfinale in Danzig:
    Griechenland vs. Dänemark?

    [...]

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk

  3. "Griechen schleichen sich ins Viertelfinale wie einst in die Euro-Zone"

    Stimmt ja irgendwie :)

    2 Leserempfehlungen
    • zorano
    • 17.06.2012 um 10:42 Uhr

    Sport ist Mord und der Fußball ein besonders dummer Mord.

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    Dann einfach mal nicht lesen?

    Seltsam, dass jemand, der mit Zitaten um sich schmeißt, zu so einfachen Gedankengängen nicht in der Lage ist.

    Dann einfach mal nicht lesen?

    Seltsam, dass jemand, der mit Zitaten um sich schmeißt, zu so einfachen Gedankengängen nicht in der Lage ist.

    • JayB
    • 17.06.2012 um 12:41 Uhr
    5. Na ja!

    Na ja! Ehrlich, bei der Überschrift habe ich schon ein bisschen mehr erwartet als einen lockeren, simplen Spielbericht, der auch noch viel zu spät erscheint.

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    SIE HABEN DIECKMANNS WITZ UND IRONIE (GEKOPPELT MIT GESCHICHTE) L E I D E R NICHT KAPIERT,

    ES IST MITNICHTEN EIN SIMPLER SPIELBERICHT, NOCHMAL LESEN UND DURCHDENKEN BITTE!

    SIE HABEN DIECKMANNS WITZ UND IRONIE (GEKOPPELT MIT GESCHICHTE) L E I D E R NICHT KAPIERT,

    ES IST MITNICHTEN EIN SIMPLER SPIELBERICHT, NOCHMAL LESEN UND DURCHDENKEN BITTE!

  4. Dann einfach mal nicht lesen?

    Seltsam, dass jemand, der mit Zitaten um sich schmeißt, zu so einfachen Gedankengängen nicht in der Lage ist.

    Antwort auf "Churchill "
  5. SIE HABEN DIECKMANNS WITZ UND IRONIE (GEKOPPELT MIT GESCHICHTE) L E I D E R NICHT KAPIERT,

    ES IST MITNICHTEN EIN SIMPLER SPIELBERICHT, NOCHMAL LESEN UND DURCHDENKEN BITTE!

    Antwort auf "Na ja!"
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    • JayB
    • 17.06.2012 um 13:10 Uhr

    Nö, sorry, da ist nichts, nur eine simple Glosse zum Spiel, was ich live direkt im Anschluss bei Waldi auch bekomme, etwas anders natürlich, vielleicht weniger feingeistig-intellektüllig, aber völlig ausreichend. Im geschriebenen Wort aber erwarte ich mehr.

    • JayB
    • 17.06.2012 um 13:10 Uhr

    Nö, sorry, da ist nichts, nur eine simple Glosse zum Spiel, was ich live direkt im Anschluss bei Waldi auch bekomme, etwas anders natürlich, vielleicht weniger feingeistig-intellektüllig, aber völlig ausreichend. Im geschriebenen Wort aber erwarte ich mehr.

    • JayB
    • 17.06.2012 um 13:10 Uhr
    8. Nö...

    Nö, sorry, da ist nichts, nur eine simple Glosse zum Spiel, was ich live direkt im Anschluss bei Waldi auch bekomme, etwas anders natürlich, vielleicht weniger feingeistig-intellektüllig, aber völlig ausreichend. Im geschriebenen Wort aber erwarte ich mehr.

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