England – Ukraine"Eine Schande für das ukrainische Volk"

Im Kiewer Vorort Troeschtschina gibt es in fast jeder Familie einen Alkoholiker. Das EM-Aus für die Ukraine trifft die Menschen dort besonders hart. von 

Anatoli Timoschtschuk bedankt sich bei Schiedsrichter Viktor Kassai

Anatoli Timoschtschuk bedankt sich bei Schiedsrichter Viktor Kassai  |  © Martin Rose/Bongarts/Getty Images

In dieser Garten-Bar im Kiewer Vorort Troeschtschina ist Alkohol so günstig, dass jeder die Chance hat, betrunken zu werden, jeden Tag. Die Speisekarte hat der Besitzer selbst geschrieben, den Fünf-Meter-Tresen selbst gezimmert, den Fernseher und das Zelt, das alles umschließt, selbst aufgebaut. Wer vom Zentrum, der offiziellen Fanmeile der EM hierher will, muss den breiten Dnjepr überqueren, Dutzende Plattenbausiedlungen überstehen, und hat es dann noch lange nicht geschafft. Es fährt keine U-Bahn bis zu dieser Bar, die keinen Namen und keine Wände hat.

Gut 30 ukrainische Männer warten auf den Anpfiff. Fast an jedem Tisch sitzen ein oder zwei Frauen. Eine von ihnen sagt, sie interessierten sich nicht für Fußball. Sie wollten nur dabei sein, damit ihre Männer an diesem Dienstagabend nicht mehr trinken, als sie am nächsten Morgen bei der Arbeit noch vertragen können. In jeder Familie, die hier draußen wohnt, soll es mindestens einen Alkoholiker geben, sagt sie.

Wodka, Bier, Schaschlik

Zu Beginn des entscheidenden Spiels um den Einzug ins Viertelfinale der EM starren die Menschen auf den Fernseher und trinken wortlos. Erst in der 8. Minute, als ein ukrainischer Spieler gefährlich aufs englische Tor schießt, durchbricht ein Schrei die Ruhe.

Kein Tor. Aber im Stadion in Donezk jubeln die ukrainischen Fans in den ersten 45 Minuten fast ohne Pause. Auch auf der überfüllten Fanmeile in Kiew freuen sich Zehntausende Ukrainer über die gute Leistung ihrer Fußballer. In der Garten-Bar in Troeschtschina schaut nur die Kellnerin nicht unentwegt auf den Fernseher. Ihre Gäste essen Schaschlik und trinken Wodka mit Bier oder Bier mit Wodka.

Ein Mann mit Schnauzbart, Bundfaltenhose, Scheitel, der in der Fabrik um die Ecke im Büro arbeitet, sagt, der heutige Abend werde ein guter Abend. Im Zelt, das direkt neben einem der vielen 23-stöckigen Plattenbauten steht, ist es schwülheiß. Mücken, die es in Kiews Innenstadt nicht aushalten, saugen sich hier voll.

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Steffen Dobbert
Steffen Dobbert

Steffen Dobbert ist verantwortlicher Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Während der EM ist er in der Ukraine unterwegs. Seine Profilseite finden Sie hier.

In der Halbzeit kommt Goschow vorbei. Alle kennen ihn, er war bis eben in der Stadt und hat Blumen verkauft. Goschow freut sich, schüttelt Hände, bekommt einen Wodka. Im Arm trägt er den letzten Strauß Margeriten.

47. Spielminute. Kurz bevor der ukrainische Torwart zupacken kann, wird der Ball abgefälscht. Wayne Rooney köpft für England das wenig verdiente 1:0. Die ukrainische Mannschaft muss jetzt noch mindestens zwei Tore schießen, um nicht bei der ersten Europameisterschaft im eigenen Land in der Vorrunde auszuscheiden. Der Mann mit dem Schnauzbart haut mit der Hand auf den Tisch, die fast leere Wodkaflasche darauf wackelt.

Mehr als 30 Firmen produzieren in der Ukraine Wodka. Das klare Getränk gehört zur ukrainischen Kultur. Fast jeder Dritte 25- bis 30-jährige Ukrainer ist alkoholsüchtig . Die Frau, die an einem Tisch mit sieben Männern sitzt, sagt, sie und alle anderen tränken aus drei Gründen: Langeweile, Frust und Gruppenzwang. Bei Fußballspielen sei klar, dass die ganze Gruppe trinkt.

Leserkommentare
    • JUKOS
    • 20. Juni 2012 12:29 Uhr
    9. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv

    Eine Leserempfehlung
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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich kritisch bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

    • JUKOS
    • 20. Juni 2012 16:07 Uhr

    Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

  1. 10. [...]

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich kritisch bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  2. Könnte auch ein ort bei uns in Deutschland sein (vielleicht bayern) !!!!!!!!!!
    oder?

  3. In diesem Video

    http://www.youtube.com/wa...

    ist ab Sekunde 33 völlig unstrittig zu sehen, wie weit der Ball schon über der Torlinie im Tor war. Der SchiRi war zu dem Zeitpunkt an der Strafraumgrenze und ich habe nicht gesehen, dass er wegen dieser Situation mit dem Torlinienrichter Rücksprache gehalten hätte.

    Das Vorenthalten des Treffers damit zu begründen oder rechtfertigen, dass es zuvor eine Abseitssituation gab, mutet seltsam an. Danach hätten eine Menge anderer Tore auch nicht gelten dürfen.

    Unser Kaiser Franz hat die Ablehnung einer Kameraauswertung einmal damit begründet, dass diese "Ungerechtigkeiten" den Spielen eine gewisse Würze verleihen. Wohlwollend kann darunter verstanden werden, dass in Anbetracht der gesamten Spielverlaufs eine "ausgleichende Gerechtigkeit" gewährt werden kann. Diese hätte die Ukraine m.E. verdient.

    Weniger wohlwollend kann es aber auch so verstanden werden, dass "übergeordnete Ziele" realisiert werden sollen. Im vorliegenden Fall kann ich mich der Argumentation des ukrainischen Trainers nicht ganz verschließen, wenn er sagt, dass man die Ukraine nicht im Reigen der "großen Mannschaften" sehen wollte.

    Wie auch immer: die Tatsache, dass die UEFA hier wie gewohnt kommentarlos bleibt, heizt derartige Spekulationen nur an.

    Antwort auf "guter Trick!"
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    Ich hätte es der Ukraine durchaus gegönnt und finde das nicht gegebene Tor als soclhes sehr ärgerlich. Es zeigt, daß der Torrichter ungeeignet ist solche Situationen zu erkennen!! Dennoch war beim ersten Zuspiel aus der eigenen Hälfte der ukrainische Spieler im Abseits, insofern hätte es gar nicht zu der Torchance kommen dürfen, ich denke insofern kann man schon sagen, daß das in diesem speziellen Fall die Sache ein wenig "entspannt" zumal die ukraine ja immer noch ein Tor hätte schießen müssen. ndersherum hätten, wäre das Tor gegeben worde, die Engländer sich sicherlich über die nicht erkannte Abseitsposition aufregen "dürfen".... Das mit den verschwörungstheorien mag ich nicht teilen, auch wenn in den letzten Gruppenspielen so einiges schief lief... Dänemark hätte beim Stand von 1:1 ebenso einen Elfmeter bekommen müssen nach Badstubers ZIehen, wie Kroatien gegen Spanien nach Ramos foul an Mandzukic und später evtl sogar nochmal nach Pique´s Ziehen.... dann wären womöglich Spanien und Deutschland rausgeflogen ... nun aber werden beide wohl wieder im Finale stehen...?! :-)

    Das ist doch Unsinn: hätte man nicht gewollt, dass die Ukrainer ein Tor schießen, dann hätte man einfach (regelkonform) Abseits pfeiffen können.

    Und ja: man sieht, dass der Ball die Linie überquert hat, aber eben nur ganze 3-5 cm; das kann man bei dieser Geschwindigkeit übersehen. Sollte man nicht, kann man aber.

    "Der SchiRi war zu dem Zeitpunkt an der Strafraumgrenze und ich habe nicht gesehen, dass er wegen dieser Situation mit dem Torlinienrichter Rücksprache gehalten hätte."

    Wie sollen Sie das auch sehen? Schließlich sind die Jungs per Funk miteinander verbunden...

  4. Ich hätte es der Ukraine durchaus gegönnt und finde das nicht gegebene Tor als soclhes sehr ärgerlich. Es zeigt, daß der Torrichter ungeeignet ist solche Situationen zu erkennen!! Dennoch war beim ersten Zuspiel aus der eigenen Hälfte der ukrainische Spieler im Abseits, insofern hätte es gar nicht zu der Torchance kommen dürfen, ich denke insofern kann man schon sagen, daß das in diesem speziellen Fall die Sache ein wenig "entspannt" zumal die ukraine ja immer noch ein Tor hätte schießen müssen. ndersherum hätten, wäre das Tor gegeben worde, die Engländer sich sicherlich über die nicht erkannte Abseitsposition aufregen "dürfen".... Das mit den verschwörungstheorien mag ich nicht teilen, auch wenn in den letzten Gruppenspielen so einiges schief lief... Dänemark hätte beim Stand von 1:1 ebenso einen Elfmeter bekommen müssen nach Badstubers ZIehen, wie Kroatien gegen Spanien nach Ramos foul an Mandzukic und später evtl sogar nochmal nach Pique´s Ziehen.... dann wären womöglich Spanien und Deutschland rausgeflogen ... nun aber werden beide wohl wieder im Finale stehen...?! :-)

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    Zum Zeitpunkt 62:24 stand der angespielte Spieler zwar alleine vor dem ukrainischen Tor, m.E. aber näher am Ball und damit nicht im Abseits. Unabhängig davon hat er durch seinen (erneuten) Pass zum Zeitpunkt 62:30 eine "neue Spielsituation" erzeugt, in der definitiv ein Engländer und kein Ukrainer vor dem Tor stand - wieder kein Abseits. Das erklärt auch, warum weder der Linienrichter noch die Engländer Abseits reklamierten.

  5. Wir gucken zu, wie ein paar Säufer Fußball gucken. Und erfahren, dass die Ukraine voller Säufer ist. Wenn die Ukraine das Spiel gewonnen hätte, hätten sie genauso gut gesoffen. Macht den Eindruck, dass das Land im kollektiven Rausch ist sowieso. Die brauchen gar keine EM dafür.

  6. Das ist doch Unsinn: hätte man nicht gewollt, dass die Ukrainer ein Tor schießen, dann hätte man einfach (regelkonform) Abseits pfeiffen können.

    Und ja: man sieht, dass der Ball die Linie überquert hat, aber eben nur ganze 3-5 cm; das kann man bei dieser Geschwindigkeit übersehen. Sollte man nicht, kann man aber.

    "Der SchiRi war zu dem Zeitpunkt an der Strafraumgrenze und ich habe nicht gesehen, dass er wegen dieser Situation mit dem Torlinienrichter Rücksprache gehalten hätte."

    Wie sollen Sie das auch sehen? Schließlich sind die Jungs per Funk miteinander verbunden...

    2 Leserempfehlungen
  7. Muss die Überschrift wirklich so lauten:
    "Eine Schande für das ukrainische Volk". Was soll das?

    Ich finde es eine Schande wie immer wieder mit komischen Überschriften versucht wird Leser zu locken.
    Der Artikel war nicht besonders interessant, die Überschrift ließ anderes vermuten. Daumen runter!!

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  • Schlagworte Bier | Europameisterschaft | John Terry | Nationalelf | Stadion | Ukraine
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