Ukraine – Frankreich: Nächstes Mal wird es Wodka regnen
Verloren und nass geworden: Bei seinem ersten Spiel im Ukraine-Trikot leidet unser EM-Pate Steffen Dobbert. Und erkennt, dass mit diesen Fans dennoch alles möglich ist.
Kurz vor dem Anpfiff renne ich zu Funtik. Ich habe etwas Angst, als ich auf der Fanmeile in Kiew von weitem seinen Stall erblicke. Das Schwein soll das Maskottchen der ukrainischen Nationalelf und ihr Glücksbringer bei dieser EM werden. Funtik hat aber schon vor dem ersten Spiel falsch gefressen, aus dem Schwedentrog. Doch sie haben ihn nicht bestraft. Funtik ist noch da, vollgesabbert, borstig.
Um die Dramatik des Abends zu verstehen, muss man wissen, dass ich mich im Keller in Charkiw verliebt habe. Etwas Angst war dabei, aber es fühlte sich so gut und richtig an, ich glaube an den Erfolg. Das ukrainische Team – Schewtschenko, Blochin, Woronin und wie sie alle heißen, und ich, wir passen gut zusammen. Ich habe mir das Nationaltrikot gekauft und heute das erste Mal an.
Anpfiff, die Fanmeile auf dem Kreschatik quillt über vor Menschen, Tausende grölen Uukraiinaaa-Uukraiinaaa-Uukraiinaaa, ich auch, Funtik auch, alle, etwa fünf Minuten lang. Dann der Zwischenfall.

Steffen Dobbert ist verantwortlicher Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Während der EM ist er in der Ukraine unterwegs. Seine Profilseite finden Sie hier.
In Donezk regnet es so heftig wie vor einer Woche bei der Überschwemmung des Schweden-Camps. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel. Die Ukrainerin neben mir sagt, das Wasser sei eine Warnung Gottes – wenn die Ukraine nicht Europameister wird, wird Oleh Blochin der Blitz treffen. Ich nicke. Sie sagt, wenn die Ukraine den EM-Titel holt, wird es auch regnen, kein Wasser, Wodka. Ich nicke.
Danach regnet es auch in Kiew. Die Menschenmasse strömt unter die wenigen Bäume, alle drängeln, schupsen, tropfen. Ich verlasse meinen Platz neben Futniks Stall und suche für eine Stunde Unterschlupf in einer Kneipe.
Nachdem der Regen auch in Kiew wieder verzogen ist, schlängele ich mich eine halbe Stunde durch die Menschen. Ich versuche wieder zu einem Platz nahe Funtik auf der Fanmeile zu gelangen. Ich kann keine Leinwand sehen, aber die Emotionen hören. Zwei oder drei Mal schreien die Kiewer los, reißen die Arme in die Luft – ich bin mir sicher, wir führen 2:0. Dann sehe ich die schmerzende Realität.
Halbzeitpause, 0:0, aber die Franzosen waren besser. Die Jubelschreie, die ich hörte, waren durch die Fanmeile geflogen, weil der ukrainische Torwart zwei oder drei Mal gehalten hatte wie ein Teufelskerl. Für die Gelben hatte nur Schewtschenko einmal versemmelt.
In der zweiten Halbzeit, etwa nach sieben Minuten, passiert es. 1:0 Frankreich. Jeder geht mit Schmerz anders um. Ich verstehe, dass die Führung verdient ist, bin ruhig, halte inne. Die Ukrainer verarbeiten atypisch, sie brüllen noch lauter.
- Die Fußball-EM 2012
Die Fußball-Europameisterschaft wird vom 8. Juni bis zum 1. Juli 2012 in Polen und der Ukraine ausgespielt. 16 Mannschaften spielen um den Titel. EM-Austragungsorte sind Warschau, Danzig, Posen, Breslau, Lemberg, Donezk, Charkiw und Kiew. In der Vorrunde, die bis zum 19. Juni dauert, werden pro Tag zwei EM-Spiele ausgetragen. Anstoß ist jeweils um 18 Uhr sowie um 20.45 Uhr. Nach einem Ruhetag geht es für die Teams dann über die Viertel- und Halbfinals ins Finale. Das Endspiel findet in Kiew statt.
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Nach dem 2:0 für Frankreich wenige Minuten später scheint auch die Masse enttäuscht. Für einen Moment liegt Stille über allen. Funtik schläft. Ich denke an Serhij Zhadan, diesen kraftvollen ukrainischen Schreiber.
Nachdem ich mich in die ukrainische Nationalmannschaft verliebt hatte, hatte ich Zhadan in Charkiw getroffen. Er mag selbst das Spiel mit dem Fußball, wenn auch nur als Torwart. Und er hatte mich gewarnt. In der Ukraine ist die Liebe zum Fußball wie ein scheues Reh – so oder so ähnlich hatte er es mir gesagt. Er sprach davon, dass die Euphorie nach nur einem Sieg trügen kann. Vielleicht hat er Recht, doch das Spiel war noch nicht zu Ende.
Ich spüre, dass dieses Mal kein Tor mehr gelingen wird. Den Helden des ersten Spiels fehlt die Entschlossenheit. Den Tausenden Menschen um mich herum nicht. Die letzten 15 Minuten brüllen sie ohne Pause. Gesänge, die ich nicht verstehe, eine ukrainische Version des White-Stripes-Klassikers Seven Nation Army und Uukraiinaaa-Uukraiinaaa-Uukraiinaaa, immer wieder. Als würde es schon Wodka regnen.









wie die fans reagiert und agiert haben. Hat mich sehr amüsiert.
Die ukrainischen Fans sind die schlechtesten Gastgeber seit langem! Ich bin wirklich entsetzt, kann man osteuropäischen Ländern eigentlich in aller Regel keine schlechte Gastgeberschaft nachsagen.
Aber: Sie pfeifen aus was die Lunge hergibt. Völlig respektlos schon bei den Nationalhymnen, egal welches Land aufläuft. Spielt die eigene Mannschaft wird jeder Ballbesitz des Gegners mit Pfiffen quittiert.
Wir lassen alles andere mal weg. Aber hier hat die Ukraine sich nicht mit Ruhm bekleckert. Ziel verfehlt, setzen 6.
Haben sie die Spiele der Polen mitverfolgt? Die Polen pfeifen noch viel krasser! Ich mag es auch nicht, allerdings sind die Meisten mit den ich über das Thema gesprochen habe der Meinung, dass es volkommen normal geworden ist!
Haben sie die Spiele der Polen mitverfolgt? Die Polen pfeifen noch viel krasser! Ich mag es auch nicht, allerdings sind die Meisten mit den ich über das Thema gesprochen habe der Meinung, dass es volkommen normal geworden ist!
Haben sie die Spiele der Polen mitverfolgt? Die Polen pfeifen noch viel krasser! Ich mag es auch nicht, allerdings sind die Meisten mit den ich über das Thema gesprochen habe der Meinung, dass es volkommen normal geworden ist!
Es stimmt, die Polen pfeifen auch. Was die Sache nicht besser macht. Und "normal" finde ich das nicht. Völlig egal, ob das teilweise um sich greift. Man darf schlechte Gebräuche schlicht nicht zur Normalität werden lassen.
Dazu gehört, dass das auch öffentlich thematisiert wird. M.E. wäre das Aufgabe der einschlägigen Medien, die da eine echte Steuerungsfunktion haben dürften.
Es stimmt, die Polen pfeifen auch. Was die Sache nicht besser macht. Und "normal" finde ich das nicht. Völlig egal, ob das teilweise um sich greift. Man darf schlechte Gebräuche schlicht nicht zur Normalität werden lassen.
Dazu gehört, dass das auch öffentlich thematisiert wird. M.E. wäre das Aufgabe der einschlägigen Medien, die da eine echte Steuerungsfunktion haben dürften.
Lieber Herr Dobbert,
das heißt "schubsen" und nicht "schupsen".
http://www.duden.de/recht...
bzw. hier
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Es stimmt, die Polen pfeifen auch. Was die Sache nicht besser macht. Und "normal" finde ich das nicht. Völlig egal, ob das teilweise um sich greift. Man darf schlechte Gebräuche schlicht nicht zur Normalität werden lassen.
Dazu gehört, dass das auch öffentlich thematisiert wird. M.E. wäre das Aufgabe der einschlägigen Medien, die da eine echte Steuerungsfunktion haben dürften.
http://www.duden.de/recht...
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Mich hätte interessiert, ob die ukrainischen Fans wirklich nahezu permanent bei jedem Ballkontakt der Franzosen gepfiffen haben. Übers TV kam es einem so vor.
Unschön, nicht sympathisch..
(Haben wir das eigentlich 2006 auch gemacht?)
Vielleicht nehmen sich Fans aus aller Welt zukünftig ein Beispiel an den Iren.
Fußball ohne tolle Fans ist doch für'n A.....
Kann mir vorstellen, dass die wackeren Fans von der grünen Insel Nachahmer finden.
Ich jedenfalls konvertiere zu Irland :-)
Lieber roland_s, lieber smartbone,
ich kann nur von dem sprechen, was ich gehört habe (im Stadion werde ich erst beim letzten Vorrundenspiel der Ukrainer sein), aber in der Kneipe und auf der Fanzone haben die ukrainischen Fans nicht die gegnerischen Teams ausgepfiffen, sie haben nur für ihr Team gejubelt, und wie. Pfiffe gab es nur, als ihr Präsident im TV auf der Tribüne eingeblendet wurde.
Mit einem Gruß und einem Schupser aus Kiew
Steffen Dobbert
Lieber roland_s, lieber smartbone,
ich kann nur von dem sprechen, was ich gehört habe (im Stadion werde ich erst beim letzten Vorrundenspiel der Ukrainer sein), aber in der Kneipe und auf der Fanzone haben die ukrainischen Fans nicht die gegnerischen Teams ausgepfiffen, sie haben nur für ihr Team gejubelt, und wie. Pfiffe gab es nur, als ihr Präsident im TV auf der Tribüne eingeblendet wurde.
Mit einem Gruß und einem Schupser aus Kiew
Steffen Dobbert
Lieber roland_s, lieber smartbone,
ich kann nur von dem sprechen, was ich gehört habe (im Stadion werde ich erst beim letzten Vorrundenspiel der Ukrainer sein), aber in der Kneipe und auf der Fanzone haben die ukrainischen Fans nicht die gegnerischen Teams ausgepfiffen, sie haben nur für ihr Team gejubelt, und wie. Pfiffe gab es nur, als ihr Präsident im TV auf der Tribüne eingeblendet wurde.
Mit einem Gruß und einem Schupser aus Kiew
Steffen Dobbert
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