Olympische SportartenDeutsche schwächeln am Ball

Für London haben sich nur drei deutsche Ballsportteams qualifiziert. Nun sprechen viele von einer Krise, doch das Problem hat unterschiedliche Ursachen. von 

Hockey-Nationalspielerin Eileen Hoffmann setzt sich gegen mehrere Gegenspielerinnen durch.

Hockey-Nationalspielerin Eileen Hoffmann setzt sich gegen mehrere Gegenspielerinnen durch.  |  © Jan Kruger/Getty Images

Zwei Wochen ist es her, dass Thomas Bach die erste Reisetasche nach London schickte. Ein symbolischer Akt des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds, sponsorenwirksam mit Foto und Pressemitteilung in Szene gesetzt.

Diesmal gibt es allerdings weniger zu transportieren: Rund 50 Tonnen Gepäck wurden über den Ärmelkanal geflogen, in Peking waren es noch knapp 100. Grund für die Verringerung: Nur drei von zwölf Ballsportteams konnten sich für Olympia qualifizieren, Trainingsbälle und -anzüge bleiben damit zu Hause. Und natürlich Athleten. Nach London reist die kleinste deutsche Delegation seit der Wiedervereinigung, genau 395 Sportler. 2008 waren es noch 434.

Dementsprechend harsch fiel die Kritik der Öffentlichkeit aus. Die Süddeutsche entdeckte eine " Krise der Ballsportarten ". Doch die Ursachen für das Scheitern müssen differenziert betrachtet werden. Es sind sechs verschiedene Sportarten, nicht nur ihre Bälle unterscheiden sich.

Am meisten überrascht die Abwesenheit der Handballer. Noch 2007 wurden die Männer Weltmeister, die Frauen erreichten Platz 3. Dieses Jahr scheiterten beide Teams an der Qualifikation zu Olympia, die Männer mit Rang 11 bei der Weltmeisterschaft, die Frauen mit Rang 17.

Die Handballer haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen: Die Herren-Bundesliga gilt zwar als stärkste der Welt, die Stars kommen aber aus Dänemark , Frankreich oder den Balkan-Staaten. Die Klubtrainer beschränken zudem den Einfluss von Nationalcoach Martin Heuberger, um jeden Lehrgang muss er wochenlang feilschen. Die Handballerinnen haben mit demselben Problem zu kämpfen, auch hier ist die Liga mit Leistungsträgerinnen aus aller Welt gespickt, aber der deutsche Nachwuchs schwach, wie Bundestrainer Heine Jensen oft betont .

Auch der Basketball schwächelt im Nachwuchs, auch wenn der Boom um Dirk Nowitzki das lange verschleiert hat. Die Bundesligavereine bauen auf junge Spieler aus den USA , die zwischen College und NBA nach Verdienstmöglichkeiten suchen. Deutsche Talente produziert die Liga kaum. Weder die Frauen noch die Männer konnten sich für Olympia qualifizieren.

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Dass die Probleme der Ballsportarten nicht identisch sind, zeigt ein Blick auf den Fußball. Der Volkssport Nummer Eins hat wahrlich keinen Mangel an aussichtsreichen Talenten. Die U21-Nationalmannschaft der Männer (zur Olympia-Qualifikation der Männer treten die U21-Teams an) scheiterte zwar bereits in der Qualifikation zum Qualifikationsturnier mit einem 1:4 an der Fußballgroßmacht Island. Geärgert hat sich darüber wohl kaum jemand, so gering ist das Prestige des olympischen Fußballturniers der Männer .

Leserkommentare
    • lette
    • 25. Juli 2012 20:34 Uhr

    ... ist auch eine Ballsportart, die man im Team bestreitet. Hier gehoeren die deutschen mindestens zum erweiterten Favoritenkreis. Auf Grund der hohen Leistungsdichte, brauch man sich auch um den Nachwuchs nicht solche Gedanken machen..also nicht alles schlecht im deutschen Ballsport

  1. Es ist doch positiv anzumerken, dass viele junge Menschen in Deutschland den Sport nicht als Beruf sondern als Hobby ausleben.
    Wen interessiert da wirklich irgendeine Weltspitze.
    Es gibt eben auch andere schöne Berufe, auf die sich die meisten unserer Leistungssportler vorbereiten müssen.
    Ausserdem ist doch überraschend, dass seitdem Doping in vielen Ländern strenger kontrolliert wird, diese Länder keine Superhelden mehr produzieren.
    Erinnert sei an Olympia in Griechenland, wo sich die griechischen Goldmedaillehoffnungen verstecken mussten.
    zudem interessiert in vielen Mannschaftesportarten Olympia nun wirklich nicht.

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    mich tangiert der ganze Zirkus mit den 5 Ringen nicht.

    Die einzig spannende Frage ist doch inzwischen:

    Wie viele Medallien werden dieses mal wegen Doping aberkannt?

  2. mich tangiert der ganze Zirkus mit den 5 Ringen nicht.

    Die einzig spannende Frage ist doch inzwischen:

    Wie viele Medallien werden dieses mal wegen Doping aberkannt?

    Antwort auf "Berufssportler"
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    ...einen Artikel zum Thema gelesen und kommentiert...

  3. Deutsche schwächeln am Ball

    "Für London haben sich nur drei deutsche Ballsportteams qualifiziert. Nun sprechen viele von einer Krise, doch das Problem hat unterschiedliche Ursachen."

    Soweit so gut - denn: rasiermesserscharf analysiert!

    danke für die demokratie.

    danke für die sternenklaren nächte.

    und platon hatte doch recht.

    wollt ihr ewig affen bleiben?

    • Ullli
    • 26. Juli 2012 0:13 Uhr

    dass die früheren Fußball-Weltmeisterinnen und Europameisterinnen aus Deutschland nicht bei der Olympiade in London antreten dürfen. Auch nach dem Desaster bezieht Silvia Neid vom deutschen Fußballbund das sehr auskömmliche Jahresgehalt von rd. 700.000 €. Von solchen Bezügen kann die deutsche Bundeskanzlerin nur träumen.
    Das waren noch Zeiten, als deutsche Fußballtrainer auch bei bescheidener Vergütung eine gute Leistung ablieferten. Ich erinnere an die Fußball-WM 1954 in Bern.

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    Herr Löwe bzeiht trotz maghelnder Leistung ein achtstelliges Gehalt und hat es jetzt bereits zum dritten Mal versemmelt.

    Die Rache an M-V eben.

  4. Herr Löwe bzeiht trotz maghelnder Leistung ein achtstelliges Gehalt und hat es jetzt bereits zum dritten Mal versemmelt.

    Die Rache an M-V eben.

    • Varech
    • 26. Juli 2012 1:20 Uhr
    7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag

  5. Wenn man die Statistik etwas aufhuebschen wollen wuerde koennte man Tischtennis hinzunehmen. Kein klassischer Mannschaftssport, aber schon eine Ballsportart und fuer den Mannschaftswettbewerb haben sich sowohl Frauen als auch Maenner qualifiziert. Maenner durchaus mit (Bronze-)medaillenchancen...

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