Eishockey-Legende Jaromir Jágr: Das Karriereende auf Eis gelegt
1990 ging Jaromir Jágr in die NHL und wurde Europas bester Eishockeyspieler. Heute, mit 40, spielt er immer noch – obwohl er nichts mehr zu gewinnen hat.
© Justin K. Aller/Getty Images

Jaromír Jágr
Amerikanische Sportfans mögen ihre Stars jung, extrovertiert und amerikanisch. Jaromir Jágr ist nichts davon. Doch kaum war der Tscheche Anfang Juli auf dem Transfermarkt zu haben, gaben 21 der 30 Teams in der besten Eishockey-Liga der Welt Angebote für ihn ab. Jágr unterschrieb bei den Dallas Stars. Für ein Jahr und 4,5 Millionen Dollar, brutto wie netto, störende Einkommenssteuern gibt es in Texas nicht.
Nicht übel, schon gar nicht für einen 40-Jährigen mit grauem Bart, von dem man geglaubt hatte, er hätte schon 2008 seinen sportlichen Spätherbst eingeläutet, als er bei Roman Abramowitschs Klub Awangard Omsk in der schwächeren russischen Liga anheuerte und dort "eine Wagenladung voller Petrodollars" verdient habe, wie der New Yorker bemerkte.
Doch Jágr ist nicht irgendwer, sondern einer der 25 Spieler, die sowohl die Meisterschaft der weltbesten Liga, der National Hockey League (NHL), als auch WM- und Olympia-Gold gewannen. Neunmal wurde er ins All-Star-Team der NHL gewählt, fünfmal erhielt er die Trophäe für den besten Torjäger. Niemand hat je mehr spielentscheidende Tore erzielt (114), kein aktiver Spieler sammelte mehr als Jágrs 665 Tore und 988 Vorlagen. Er gilt als bester europäischer Spieler aller Zeiten. Eine Legende. Darin aber liegt auch die Tragik des Falls Jagomir Jágr: Er hat nichts mehr zu gewinnen.
Versuch, die Zeit anzuhalten
Gerade volljährig und mit einem Vokuhila war Jágr 1990 in die nordamerikanische National Hockey League (NHL) gekommen. Der Kollaps der Sowjetunion kam dem jungen Mann, der die Revolutionäre des Prager Frühlings verehrte und als Schüler ein Foto von Ronald Reagan mit sich herumtrug, sehr entgegen. Niemand konnte das Jahrhunderttalent am Wechsel in den Westen hindern.
Jágr, der im Städtchen Kladno nahe Prag aufwuchs, hatte schon früh im tschechischen Nationalsport geglänzt – mit Zähigkeit, Übersicht und unnachahmlicher Eleganz. "Er bewegt sich so perfekt, dass man annehmen könnte, er sei mit Schlittschuhen an den Füßen geboren worden", sagte Tschechiens Nationaltrainer Slavomír Lener im April 2004, kurz vor der WM im eigenen Land. Zur Bestürzung der Gastgeber war damals im Viertelfinale Schluss. Im Jahr darauf allerdings war Jágr unaufhaltsam; mit einem gebrochenen Finger führte er sein Land zur Goldmedaille.
Seine größten Erfolge in der NHL waren da schon mehr als ein Jahrzehnt her. Gleich in seinen ersten beiden NHL-Saisons hatte Jágr 1991 und 1992 mit den Pittsburgh Penguins die Meisterschaft gewonnen. "Mario Jr." nannte ihn die US-Presse, ein Anagramm seines Vornamens und Hinweis auf seinen kanadischen Teamkameraden Mario Lemieux. Einer der wenigen Eishockeyprofis, der eine noch größere Nummer war als Jágr.
Nun versucht Jágr noch einmal, die Zeit anzuhalten, in Dallas, beim inzwischen zehnten Team seiner Profi-Karriere. Warum? "Weil ich das Spiel immer noch liebe", sagt Jágr.
Auf dem Eis werden seine Momente seltener, aber es gibt sie noch. Schon sein Wechsel aus Russland zurück in die NHL 2011 war ein Wagnis. Aber Jágr wollte sich noch einmal in der NHL beweisen – ausgerechnet bei den Philadelphia Flyers, den Erzrivalen seiner einstigen Mannschaft aus Pittsburgh. Ihm glückten das Comeback und 19 Tore und 35 Vorlagen in 73 Spielen. Andererseits waren mehr als 70 Spieler auf seiner Position besser.






Jagr könnte heute noch alleine DEL-Spiele oder sogar DEL-Meisterschaften entscheiden. Alleine.
Daher finde ich es recht mutig ihm den Rücktritt nahezulegen.
Aber so ist das eben, wenn man mit 40 noch nicht auf dem Altenteil ist, dann muss doch was schiefgelaufen sein...
Aber so ist das eben, wenn man mit 40 noch nicht auf dem Altenteil ist, dann muss doch was schiefgelaufen sein...
"In den Playoffs war er kaum noch ein Faktor, besonders bei den vier Niederlagen am Stück in der zweiten Runde."
Bei den Niederlagen kein Faktor gewesen zu sein ist doch ein Kompliment!
Ich habe Hochachtung vor Leuten, die auch im "hohen" Leistungssportleralter noch weitermachen.
Kein Verständnis und auch keinen Respekt habe ich für Leute, die implizieren wollen, ab 40 dürfe man nur noch den Golfschläger schwingen und über alte Zeiten sinnieren - einfach unverschämt!
Ich bin zwar selbst erst 23, aber wenn mir in 17 Jahren jemand so kommt, wird das sicher hässlich.
Seine Erfolge und Titel bleiben ihm, auch wenn seine Leistungsfähigkeit sicherlich nicht mehr zunimmt. Wie man da von Tragik sprechen kann, würde ich gern vom Autor erläutert bekommen.
Ich finde eher im Gegenteil, es gibt zu viele Ex-Leistungssportler, die sich mit 35 zur Ruhe setzen und von da an nur noch dummes Zeug reden. Umso höher ist so ein "Elder Sportsman" einzuschätzen, der für den selben Ertrag 3x so viel trainiern muss.
Liebe Leser,
ich stimme Ihnen zu – und möchte Jágr keinesfalls den Rücktritt nahelegen. Vielmehr wollte ich herausstellen, dass der "logische" Zeitpunkt für einen Rücktritt relativ kurz nach dem Zenit – Motto: "Aufhören, wenn's am schönsten ist" - vorüber ist. Darüber dürfte Konsens bestehen. Dass er sich so mutig dagegen entschieden hat, nötigt mir dabei höchsten Respekt ab.
Daher meine Schlusssätze:
"Jaromír Jágr kümmert das nicht. Nicht weil er ein Narzisst wäre. Sondern gerade, weil er keiner ist."
Liebe Leser,
ich stimme Ihnen zu – und möchte Jágr keinesfalls den Rücktritt nahelegen. Vielmehr wollte ich herausstellen, dass der "logische" Zeitpunkt für einen Rücktritt relativ kurz nach dem Zenit – Motto: "Aufhören, wenn's am schönsten ist" - vorüber ist. Darüber dürfte Konsens bestehen. Dass er sich so mutig dagegen entschieden hat, nötigt mir dabei höchsten Respekt ab.
Daher meine Schlusssätze:
"Jaromír Jágr kümmert das nicht. Nicht weil er ein Narzisst wäre. Sondern gerade, weil er keiner ist."
Aber so ist das eben, wenn man mit 40 noch nicht auf dem Altenteil ist, dann muss doch was schiefgelaufen sein...
Liebe Leser,
ich stimme Ihnen zu – und möchte Jágr keinesfalls den Rücktritt nahelegen. Vielmehr wollte ich herausstellen, dass der "logische" Zeitpunkt für einen Rücktritt relativ kurz nach dem Zenit – Motto: "Aufhören, wenn's am schönsten ist" - vorüber ist. Darüber dürfte Konsens bestehen. Dass er sich so mutig dagegen entschieden hat, nötigt mir dabei höchsten Respekt ab.
Daher meine Schlusssätze:
"Jaromír Jágr kümmert das nicht. Nicht weil er ein Narzisst wäre. Sondern gerade, weil er keiner ist."
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