EM-Fazit : Ein Turnier nur für Taktik-Freaks

Sportlich hat die EM enttäuscht. Erst beim Blick auf die Feinheiten kam der Experte auf seine Kosten. Er sah Variabilität, Fluidität und Stürmerlosigkeit.
Gegen das spanische Team um Andrés Iniesta waren selbst die flexiblen Italiener überfordert. © Kai Pfaffenbach/Reuters

Bis zum nahezu perfekten spanischen Triumph im Finale stand die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine unter dem Leitbild Vorsicht. Das Turnier enttäuschte sportlich . Es gab Mannschaften, die nicht pressten und Mannschaften, die nicht einmal konterten. Selbst in den Viertelfinals versuchten es Griechenland , Frankreich und England mit Mauerstrategien, immerhin vergeblich.

Man sah vielleicht drei Spiele auf Champions-League-Niveau, an allen war Spanien beteiligt: gegen Portugal , gegen Italien im Endspiel sowie in der Vorrunde , dem besten Spiel des Turniers. Dass in Frankreich in vier Jahren 24 statt 16 Mannschaften an der EM teilnehmen werden, mag wirtschaftlich von Vorteil sein, sportlich sicher nicht.

Doch selbst die Virtuosen aus Spanien wurden erst im Finale offensiv. Mit hohen Ballbesitzquoten und geflochtenen Passnetzen, ihrem "Tiki-Taka", hatten sie bis dahin eher eine Scheinoffensive an den Tag gelegt. Statt den Weg zum Tor zu suchen, versteckten sie den Ball vor dem Gegner. Der offensive Durchbruch kam in der Verlängerung des Halbfinals gegen Portugal . Mit den stürmenden Ersatzspielern Pedro und Jésus Navas boten sie das rasanteste Spanien in diesem Turnier. Xavi stand da übrigens schon nicht mehr auf dem Platz.

Das Fazit zur EM 2012

Auch die deutsche Mannschaft konnte selten das Versprechen einlösen, attraktiven Angriffsfußball zu spielen. Ausnahmen: das Viertelfinale gegen Griechenland , Teile des Holland-Spiels und die ersten zwanzig Minuten gegen Dänemark . Von Joachim Löw blieben außer einem taktischen Gemeinplatz ("Der Laufweg bestimmt den Pass") zwei Dreierwechsel in beiden K.-o.-Spielen hängen. Der erste war mutig, der zweite übermütig .

Man muss schon ins taktische Detail gehen, um Geschmack an diesem Turnier zu finden. So streute mancher Trainer nach zwei Jahrzehnten der Abkehr wieder Elemente der Manndeckung ein, Mesut Özil konnte ein Lied davon singen, in allen drei Vorrundenspielen kümmerte sich ein fester Gegenspieler zumindest in bestimmten Zonen um den deutschen Spielmacher. Sogar der Libero erfuhr eine Renaissance, in zwei Spielen gab der Italiener Daniele de Rossi dieser scheinbar ausgestorbenen Verteidigerfigur einen modernen Anstrich.

Die Offensive erlebte wenigstens taktisch und zumindest bei den Favoriten eine progressive, experimentelle Phase. Spanien griff manchmal stürmerlos an, mit einer "falschen Neun". Die Position heißt deshalb so, weil die Neun die Rückennummer des klassischen Mittelstürmers ist, Horst Hrubesch und Uwe Seeler trugen sie. Falsch heißt sie, weil der Hrubesch sein klassisches Revier, den Strafraum, oft verlässt, um Räume für Nachstoßende zu schaffen.

Die spanische Presse war lange irritiert, das Endspiel versöhnte sie. Vicente del Bosque verzichtete siebzig Minuten auf eine echte Neun, erst dann kam Fernando Torres . Dass er, der Mittelstürmer, einer der Torschützenkönige dieser EM wurde, ist eine Statistik, die lügt. Treffer gelangen ihm gegen schwache Iren und ermüdete Italiener in Unterzahl. Gut möglich, dass Spanien mit dem stürmerlosen Triumph von Kiew Schule macht.

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Kommentare

62 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Das beste Spiel?

der Autor schreibt: "Man sah vielleicht drei Spiele auf Champions-League-Niveau, an allen war Spanien beteiligt: gegen Portugal, gegen Italien im Endspiel sowie in der Vorrunde, dem besten Spiel des Turniers."

Wie wär's mit:

"Meiner Meinung nach gab es drei Spiele auf Champions-League-Niveau, an allen war Spanien beteiligt ... sowie der Vorrunde, das mir am besten gefiel."

Ansonsten wäre zu fragen: Womit und woran wird ein "bestes" Spiel gemessen?

Welten prallen aufeinander

"Ansonsten wäre zu fragen: Womit und woran wird ein "bestes" Spiel gemessen?"

Irgendwer hat dies nach dem Sieg des FC Chelsea in der Champions-League folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:

Wenn die Strategie, mit der sich der FC Chelsea sowohl gegen den FC Bayern im Finale, als auch gegen die Jahrhundert-Truppe des FC Barcelona durchsetzte, Schule machen sollte, wäre das das Ende des attraktiven, fernseh-, frauen- und familienkompatiblen Fußballs.

Nun ist es aber so, dass Mannschaften auf den Platz gehen, um ein Spiel zu gewinnen. Und genau deshalb greifen viele Trainer auf die alten Abwehrstrategien des Catenaccio und der "Kontrollierten Defensive" zurück: man arbeitet wieder mit Libero, Vorstopper und Manndecker. Mesut Özil wurde durch konsequente Manndeckung komplett aus dem Spiel genommen.

Niveau

Champions-League-Niveau mache ich fest an: Taktik, Technik, Tempo, auch an Ausgeglichenheit. Es gibt natürlich auch schlechte Champions-League-Spiele, die meinte ich aber nicht.

Den Einwand (meiner Meinung nach) verstehe ich nicht ganz. Mein Fazit ist subjektiv geschrieben, ein Autorenstück. Alles, was drin steht, ist mehr oder weniger meine Meinung.

Liebe Grüße, inwzischen wieder aus Berlin

So war es doch

schon immer. Gleiches wurde über den totalen Fußball des Hollands der 70er Jahre gesagt. Der Catenaccio war ein halbes Dutzend mal das Ende der Geschichte (dann wieder älter als die Zeitung von gestern) und nun sehen wir das seit mehr als einer Deka unumstößliche Diktum der Viererkette weichen. Nicht jede Mannschaft kann spielen wie die gerade erfolgreichste. Nicht jeder kann und wird Chelsea kopieren. Und nächste Saison wird niemand mehr von Chelsea reden. Wetten?

@14 Redaktion: Beckmesserei?

Sie schreiben: "Den Einwand (meiner Meinung nach) verstehe ich nicht ganz. Mein Fazit ist subjektiv geschrieben, ein Autorenstück. Alles, was drin steht, ist mehr oder weniger meine Meinung."

Auch auf die Gefahr von Beckmesserei und Korinthenkackerei.

Der Artikel ist als Autorenartikel gekennzeichnet, also keine Agenturmeldung. Sie sagen, damit sei Subjektivität ausreichend dokumentiert.

Doch ein Satz wie der folgende verlässt die subjektive Ebene und beansprucht Allgemeingültigkeit:

"Man sah vielleicht drei Spiele auf Champions-League-Niveau, an allen war Spanien beteiligt: gegen Portugal, gegen Italien im Endspiel sowie in der Vorrunde, dem besten Spiel des Turniers."

Mir scheint dies ein allgemeines Problem im Journalismus. Ob es dies schon immer war oder sich erst in den letzten Jahrzehnten heraus gebildet hat (Meine Vermutung wäre, durch die "SPIEGEL-Schreibe") kann ich nicht beurteilen. Ich halte sie allerdings für die öffentliche Debatte und für die öffentliche Meinungsbildung kontraproduktiv:

Warum tut sich Journalist so schwer, "Ich" zu schreiben, anstatt sich hinter einem !Man" zu verstecken.

Wer ist "Man"? Die gerade gängige Meinung? Die Mehrheit der bekannten und von Ihnen gelesenen Journalisten? Ein Umfrageergebnis? Die Mehrheitsmeinung in der Redaktion ...?

Die Folge - vielleicht auch die Absicht - scheint mir klar: Eine Formulierung "Man sah vielleicht drei Spiele auf Champions-League-Niveau" 'schüchtert' ein, eine solche nicht: "Ich sah ...,"

Taktik

kann manchmal so langweilig sein.

Siehe Spanien. Das 4:0 im Finale hat die unangenehme Eigenschaft alles vorherige zu übertünchen. Spaniens Taktik sieht doch Idealfall so aus, dass sie den Gegner mit ihren Ballstafetten müde spielen, um dann mit einem Tor Unterschied zu gewinnen. Diese Art von Fußball ist höchst effizient. Aber Effizienz muss nicht hinreißend sein. Für den Zuschauer ist es so interessant wie Farbe beim Trocknen zu zuschauen. Erinnert mich an die Filibuster in einer politischen Auseinandersetzung. Viel Bla-Bla und der Gegner kommt nicht zu Wort.

na ja

sie hat vielleicht optisch enttäuscht, sportlich wohl kaum. woran soll das gemessen werden?

im sport zählt das ergebnis, nicht die schönheit des weges dorthin. ein diskusswerfer ist nicht sportlich eine enttäuschung, weil er sich kantig und nicht geschmeidig dreht, sondern weil er nur achter wird. und wenn der andere technik durch karft ersetzt und erster wird, ist er zwar eine technische niete, aber keiner wird eine enttäuschung formulieren.

und so ist das auch bei einem fussballturnier.
hier führt die richtige taktik ganz wesentlich zum ziel. das mag optisch nicht gefallen, aber deswegen ist es sportlich keine enttäuschung, denn das wäre die falsche erwartungshaltung, dass mannschaften zu einem turnier fahren um in schönheit zu sterben.

die auffassung hat der dfb unter löw und der begleitung der medien exklusiv ... in brasilien sehen wir dann den fünten schwanengesang.
viel spass.

Im Sport...

>>im sport zählt das ergebnis, nicht die schönheit des weges dorthin.

Da haben Sie recht. Nur wird sich keiner bspw. an das _Spiel_ im CL-Finale erinnern, sondern nur noch daran, dass "damals" Chelsea mal ("wann war das noch gleich?") die CL gewonnen hat.

Ich dagegen erinnere mich bspw. noch lebhaft und mit Freude an die Spiele Deutschland-Argentinien oder Deutschland-England 2010. Ich möchte mich gerne an _Spiele_ erinnern, nicht an Ergebnisse. Wenn ich Zahlen erinnern will, dann merke ich mir Telefonnummern und schaue keinen Fußball.

Allerdings erinnere ich mich auch (leider) noch gut an das Spiel Deutschland-Österreich 1982. Das war Ergebnisfußball pur und allererster Güte. Will das wirklich jemand sehen? Ich für meinen Teil schaue dann doch lieber Hallenhalma. Da ist es dann auch nicht so laut wegen der Pfiffe.

unlogisch

natürlich kann ein turnier sportlich enttäuschen. der autor meinte wohl die kompletten 31 spiele. und wenn 28 davon für die katz waren, war es nunmal ein enttäuschendes turnier.
der vergleich mit dem diskuswerfer ist unsinnig. sie meinen, wenn er seine 70m wirft hat er sportlich nicht enttäuscht. das ist klar & richtig. aber ein großes turnier ist zwangsweise so angelegt, dass es IRGENDEINEN sieger gibt. hätten alle 16 teams auf mädchen f-jugend-niveau gespielt, hätte das turnier ihrer meinung ja auch nicht enttäuscht, weil es ja einen sieger gab.

Das ist Ihre Auffassung - meine ist es nicht.

Das Ergebnis zaehlt fuer den Sportler, bis dahin gebe ich Ihnen recht.

Als Zuschauer moechte ich unterhalten werden und Genuss erleben und insofern interessieren mich weder Gelbe-Karten-Orgien noch Gijon-Schiebereien.

Wer mir diesen Genuss bietet ist zweitrangig (auch wenn das die Drittplatzjammerer unter uns anders sehen). SPA-ITA am Sonntag war schon in Ordnung, D-NL im letzten Jahr war es ebenso.

Sie sprechen mir aus der Seele,...

nur tut dann eine Niederlage doppelt so weh, wenn wunderbar gespielt, aber trotzdem verloren wird! Man erinnere das Spiel D-ITL 1970 in Mexico. Wir haben super gespielt, wer hat gewonnen! ITL! Was bei unserer Mannschaft in den letzten Jahren leider sehr häufig zu sehen war, der "unnötig" große Respekt vorm Gegner : 2006: D - ITL; 2010: D - ESP; 2012: D - ITL. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Hier hätten wir uns wirklich nicht verstecken zu brauchen, weil wir jeweils bis dahin Superleistungen abgeliefert haben, daß es eigendlich so sein sollte das die Gegner uns diesen Respekt entgegenbringen. Nur Profis merken sehr schnell wie der Hase läuft! Da gilt es dran zu arbeiten!

Gute Defensivarbeit und schoenes Spiel muessen sich ...

...ja nicht ausschliessen (hat nach meiner Erinnerung 2010 im Spiel D-ARG ganz gut geklappt). Und wenn die gegnerische Mannschaft dennoch besser ist, soll sie halt gewinnen -
De Jong- oder Schumacher-Attentate moechte ich jedenfalls nicht sehen.

Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, natuerlich kann ich mich an der Leistung eines ueberlegen und schoen spielenden Gegners erfreuen (z.B. ManU-Schalke im Halbfinale der Championsleague 2011)

Zu Rumpelzeiten (ca.2000 +/- 5 Jahre) habe ich uebrigens fast voellig das Interesse am deutschen Fussball verloren.

na ja

das ist nicht unlogisch, das ist so.
sport ist ein wettkampf, es geht ums gewinnen. auch beim diskuss gibt es irgendeinen gewinner.
den gibt es bei wettkämpfen immer und das ist immer das sportliche ziel.

und der weg dorthin ist dann richtig, wenn er dort hin führt und nicht wenn er optisch gefällt.
das ist die sportseite, das andere ist unterhaltung.
keine frage, unterhaltung war mau, war eine enttäuschung, das ist aber keine sportliche enttäuschung, denn taktiken gehören dazu, auch die, defensiv zu spielen oder das spiel des gegners nur zu zerstören.

schon mal zwei ringer gesehen, die beide defensivspezialisten sind?

na ja

da sind wir einer meinung.
auch ich habe mein patriotenfähnchen geschwenkt, bei england sowieso.
das ist die unterhaltung.

im artikel ging es aber um die sportliche enttäuschung. und die ist für ein turnier nicht an der optik zu messen. ich bezweifle, das es dafür überhaupt kriterien gibt, ob ein tunier sportlich toll oder sportlich ein flop ist.
ersaztweise wird dann der unterhaltungswert zum sport erklärt und den ansatz teile ich nicht.

nur das wollte ich mal festgehalten wissen.

Auch Gewinnen...

"... na ja
das ist nicht unlogisch, das ist so.
sport ist ein wettkampf, es geht ums gewinnen...."

... ist kein Selbstzweck. Mittelbar sind solche sportlichen Spektakel - insbesondere die traditionsreichen und an die Massen adressierten - Teil des (grenzüberschreitend) verbindenden kollektiven Kulturguts. Sie bilden einen Teil der Grundlagen, anhand derer wir unsere Geschichten erzählen, Mythen und Legenden konstruieren.

Der Sieg um jeden Preis allein - in Ignoranz des ästhetischen Moments oder sonstiger die Seelen und Gefühle der Menschen berührender Aspekte - wäre nach kürzester Zeit relativ wertlos, resp. nur vom begrenzten und kurzzeitigen Wert lediglich für diejenigen, die ihn errungen haben. Das allerdings reicht bei weitem nicht aus, um gerade die Bedeutung des Fußballs zu erfassen. Rein zweckrational agierende Titelträger werden bspw. nie die zeitlose Bedeutung und Wertschätzung erfahren, die Generationen von Fußballliebhabern Namen wie Cruyff, Zico oder Puskas und ihren Mannschaften entgegenbringen, auch wenn diese nie einen Titel geholt haben.

"Rumpelzeiten"

"...Zu Rumpelzeiten (ca.2000 +/- 5 Jahre) habe ich uebrigens fast voellig das Interesse am deutschen Fussball verloren...."

Den Beginn der "Rumpelära" im deutschen Fußball setzt man deutlich früher an, als 2000 +/ - fünf Jahren. Der liegt in der Zeit der Mannschaften der 80-er Jahre, als sich die Briegel, Förster und co . "mit der Eleganz eines Traktors" (Paul Breitner) regelmäßig in irgendwelche WM-Finals schleichen konnten, ohne, dass irgend jemand auf der Welt verstanden hätte, wie die da hingekommen waren. Auf diese Zeiten bezogen ist auch das berühmte und eigentlich despektierlich gemeinte Lineker-Zitat (Fußball ist ein Spiel, in dem 22 Mann hinter einem Ball her rennen und am Ende gewinnt Deutschland).

Die Zeit um die Jahrtausendwende war schon jene, in der allein mit den tradierten "deutschen Tugenden" kein Blumentopf mehr zu gewinnen war, Deutschland zusehends auch ergebnistechnisch in jenes Mittelmaß abrutschte, das von jeher vom großen Rest der Fußballwelt als dieser Spielphilosophie angemessen zugeschrieben wurde.

Das lag m.E. vor allem daran, dass die weltweite Kommerzialisierung und Professionalisierung des Fußballs dazu geführt hat, dass Infrastruktur, Organisation, Athletik und Disziplin nun auch in der Breite der internationalen Fußballwelt erarbeitet werden konnten und Deutschlands Quasi-Monopol auf diese Tugenden durchbrochen wurde.

Briegel ein Rumpelstilzchen?

Bei aller Zustimmung: Auf meiner Festplatte ist Briegel nicht als Rumpler abgelegt. Er war sicher kein feiner Techniker, aber trotz seiner "kantigen" Erscheinung ein wendiger und schneller Abwehrspieler mit viel Offensivdrang. Ein Spieler mit seinen Qualitäten wäre auch heute noch in jeder Mannschaft sehr wertvoll. Z.B. beim "Umschalten" von Balleroberung auf Konter.

Nee, auf Briegel lass ich nix kommen!

Briegel in allen Ehren...

"...Ein Spieler mit seinen Qualitäten wäre auch heute noch in jeder Mannschaft sehr wertvoll. Z.B. beim "Umschalten" von Balleroberung auf Konter...."

... aber gerade mit Blick auf die moderne Außenverteidigerdefinition (wobei man ja mittlerweile kaum mehr von einer klassischen Verteidigerrolle sprechen kann) wären seine technischen Limitationen wohl ein ziemliches Ausschlußkriterium.

Ok, einverstanden.

... insbesondere seine Schnelligkeit als ehemaliger Leichtathlet ist sicherlich auch heute konkurrenzfähig. Technisch ist er allerdings nach heutigen Maßstäben zu schwach.

Das "Bebildern" des Rumpelfußballers ist allerdings gar nicht sooo einfach, da damit ja auch eher das destruktive und hässliche System gemeint war. Bei Lichte betrachtet hatte ja auch diese damalige Generation durchaus technisch hochwertige Individualisten in ihren Reihen.

Helden und Antihelden

"Das "Bebildern" des Rumpelfußballers ist allerdings gar nicht sooo einfach, da damit ja auch eher das destruktive und hässliche System gemeint war. Bei Lichte betrachtet hatte ja auch diese damalige Generation durchaus technisch hochwertige Individualisten in ihren Reihen."

Das war auch mein Gedanke. Unser Blick neigt ja dazu, Schwächen und Stärken an Personen festzumachen und so "Helden" und "Antihelden" herauszustellen. Dazu dient vor allem auch die beliebte Rubrik "Einzelkritik". Da müssen dann oft Individuen Schwächen des Kollektivs oder der Taktik ausbaden (so wie z.B. Hummels beim 0 : 1 gegen Italien).

Es wäre sehr interessant, wenn man Spieler von damals noch einmal im Zusammenhang einer taktisch "modernen" Mannschaft sehen könnte. Leider unmöglich.

Klar:

Rummenigge, Magath, (später) Völler, Littbarski, auch ein Uwe Bein (m.E. einer der genialsten deutschen Mittelfeldspieler überhaupt, und es spricht Bände über das damalige Spielverständnis, dass er eigentlich nie eine echte Chance in der N11 bekommen hat) und etliche andere: das waren samt und sonders Namen, denen man nicht unbedingt eine Allergie gegen das runde Leder unterstellen konnte.

Den Begriff 'Runpelfussball'...

...hat meines Wissens Franz Beckenbauer erfunden, und zwar ca. zu Beginn der 2000er Jahre.

Zum deutschen Fussball der 80er habe ich eine etwas zwiespaeltige Meinung. Einerseits hat mir das franzoesische Mittelfeld um Platini und Tigana sehr viel besser als die deutsche N11 gefallen, aber andereseits gab es ja tatsaechlich auch die Rummenigges, Schumachers und Schusters.

Meine vollste Zustimmung uebrigens zu Ihrem Kommentar #43. Kaum jemand (vielleicht sogar niemand) hat dem Fussball soviel gegeben, wie der (relativ) erfolglose Johan Cruyff.