Roger Federer: Nur Nelson Mandela kann ihn schlagen
Mit seinem siebten Wimbledon-Sieg schreibt Roger Federer Tennis-Geschichte. Dabei hatten viele den Schweizer schon abgeschrieben.
© Leon Neal/AFP/Getty Images

Roger Federer nach dem Wimbledon-Finale
In dem Moment als Roger Federer endgültig zum Größten aller Zeiten wurde, sank er zu Boden. Der Schweizer blieb kurz liegen, die Hände vorm Gesicht, um sich dann, Gentleman wie er ist, aufzuraffen und seinem Gegner Andy Murray die Hände zu schütteln. Federer und Murray, beide hatten an diesem Finalsonntagnachmittag vier Sätze (4:6, 7:5, 6:3 und 6:4), drei Stunden und 26 Minuten lang Tennisgeschichte geschrieben.
Solch einen Erfolg hatten viele Federer nicht mehr zugetraut. Sie hatten ihn schon abgeschrieben, wenn es um die großen Pokale ging, einige sahen in ihm ein Auslaufmodell. Zwei Jahre lang musste er den Platz an der Spitze der Weltrangliste abgeben, weil er begonnen hatte, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und längst nicht mehr so viele Turniere gewann wie früher. 2011 schloss er erstmals seit acht Jahren seine Saison nicht zumindest als Zweiter der Welt ab. Seit drei Jahren hatte er das Halbfinale in Wimbledon nicht mehr erreicht.
"Es ist großartig, wieder zurück zu sein. Ich war ja ein paar Jahre nicht mehr da", sagte Federer deshalb bereits am Mittwochnachmittag, als dieser Halbfinaleinzug perfekt war. Er hatte gerade den Russen Michail Michailowitsch Juschny im Viertelfinale geschlagen, brauchte dafür nur anderthalb Stunden. Nach dem Match wirkte Federer ausgeruht, gelassen und charmant wie immer. Wie einer, der nach einer langen Zeit heimkehrt und alles im erwarteten Zustand vorfindet.
Mit seinem siebten Sieg in Wimbledon hat er den historischen Rekord seines Vorbilds Pete Sampras eingestellt. Auch dessen bisher unerreichte 286 Wochen als Weltranglistenerster kann Federer nun vorweisen. Fünf Turniersiege sind es bereits in diesem Jahr für den Mann, der 2011 durch eine Umfrage des Reputation Institute nach Nelson Mandela sogar zum zweitbeliebtesten Menschen der Welt gewählt wurde.
"Wenn es überhaupt so etwas gibt, dann ist er der Beste aller Zeiten", sagte der Australier Rod Laver, dem es in den sechziger Jahren als bisher einzigem Spieler immerhin zweimal gelang, alle vier Grand Slams in einem Jahr zu gewinnen. Andere Ehemalige wie John McEnroe und Boris Becker schlossen sich der Einschätzung an. Federer hat dann auch schon mehrere Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt: Mittlerweile 17 Grand Slams konnte er gewinnen, mehr als jeder andere männliche Spieler. Auf Rasen hat kein aktiver Spieler eine derart gute Bilanz wie er. Und niemand stand so lange ohne Unterbrechung auf Platz eins der Weltrangliste, 237 Wochen. Die Liste solcher Bestleistungen ließe sich beinahe beliebig fortführen.






Ich habe mich schon des öfteren geärgert, dass auf zeit.de wenig bis gar nicht über Tennis berichtet wird. Betrachtet man aber diesen Artikel über Federer, versteht man, warum zeit.de dies so selten tut: Es gibt offensichtlich bei der lieben zeit niemanden, der etwas von Tennis versteht.
Dass Federer den Platz an der Spitze abgeben musste, hat nichts damit zu tun, dass er angeblich mehr Zeit mit seiner Familie verbracht hat. Das Gegenteil ist der Fall. In seiner Ansprache gestern hat Federer erklärt, dass er in den letzten Jahren sogar noch härter und häufiger trainiert habe, obwohl er eine Familie habe.
Federer ist gestern nach seinem Sieg zum Größten aller Zeiten geworden? Also wenn es so etwas überhaupt gibt, dann ist es Federer schon seit seinem Sieg bei den French Open 2009. Darüber herrscht in der Tenniswelt weitestgehend Einigkeit. Mit seinem gestrigen Sieg hat Federer lediglich ein weiteres Mal bewiesen, dass es weiterhin durchaus Sinn ergibt, ihn für den Größten zu halten.
Fast 70-mal ans Netz gegen Murray, mit fast 80% Erfolgsquote. Was für ein Unterschied zu den Grundlinienmühlen wie Nadal oder - etwas weniger - Djokovic.
Man sollte auch nicht vergessen - 2011 spielte Fed ein grosses Roland Garros mit echter Chance im Final gegen Nadal. Und er schlug den 2011-Ausnahmemann Djokovic in Paris und verlor gegen ihn eher unglücklich am US-Open in 5 Sätzen nach 2 Matchbällen. Wirklich weg war Fed nie.
"If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same"
Überschrift am Eingang zum Centre Court.
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