Sie wollen absolut alles über Gesundheit und Fitness wissen? Kommen Sie nach Los Angeles , allseits bekannt als L.A. Hier sind alle fit, dünn, schön, sexy, politisch korrekt, engagiert in Menschenrechtsdingen, für eine saubere Umwelt und naturbelassenes Bio-Essen. Hier, meine Freunde, ist das Wort Diät heiliger als Gott. Wenn man in L.A. ins Restaurant geht, hört man am Nebentisch solche Sachen:

"Er sieht wirklich gut aus. Wow! Für sein Diätrezept würde ich töten!"
"Hast du den 'Noch 'ne Mama für Obama'-Aufkleber auf meinem Auto gesehen? Obama ist irre attraktiv."

In L.A. sitzt man vor riesigen Tellern und verschlingt jeden kleinsten Bissen, als hätte man seit Generationen nichts mehr gegessen. Die Teller sind randvoll mit Blättern. Großen Blättern. Riesigen Blättern. Eine wunderschöne Dame neben mir, die ungefähr vierzig ist, aber wie zwanzig aussieht, bestellt aus Versehen zwei Scheiben Brot. "Wollen Sie sie haben?" Sie will mich verführen. Sie selbst kann das Brot nicht essen, weil sie in Eile ist. Termine, Termine.

"Termine", so finde ich schnell heraus, sagt man hier zu Yoga, Pilates, Kampfsport-Kursen, Boxen, Jogging, Thai Massagen, Hundewäsche, chinesischer Meditation oder – für die Ärmeren unter uns – zum Fitnessclub. Der Freund, bei dem ich wohne, ist TV-Schauspieler und veranstaltet in seinem Haus einen "Gesundheitsgospel". Die Leute kommen rein, stehen im Kreis herum und konzentrieren sich auf die Kommandos einer Asiatin, die fast kein Englisch spricht. Sie sagt Sätze, die ich beim allerbesten Willen nicht wiedergeben kann. Sie gehen in die Knie, als würden sie sich setzen wollen, stehen dann aber wieder auf. Klingt einfach, oder? Weit gefehlt. Sie machen das eine Dreiviertelstunde non-stop. Die Asiatin murmelt ihre New-Age-Kommandos, die Leute murmeln zurück.

Ich sehe ihnen verschreckt zu und verlasse das Haus.
Ich entdecke ein Restaurant namens Buddha’s Belly.
Würden Sie in so einem Laden essen?
Ich nicht. Nichts gegen Buddha, aber ich würde auch nicht von Moses' Bauch speisen.

Ich laufe eine Straße mit vielen teuren Läden entlang – Obdachlose, christliche Missionare und 1.000 Einkäufer. Ich zünde mir eine Kippe an. Nach einem Gospel geht nichts über eine gute Zigarette. Allerdings währt mein Vergnügen nicht lang. Eine Gesetzeshüterin kommt auf mich zu, wahrscheinlich gehört sie zur Sittenpolizei. "Sie dürfen hier nicht rauchen", sagt sie. Glücklicherweise scheint sie mich zu mögen und ich kann eine Gefängnisstrafe, eine öffentliche Hinrichtung, eine Millionen-Dollar-Strafe oder sonst eine gnädige Bestrafung vermeiden.

Die Leute hier sind keine schlechten Menschen, nein; tatsächlich sind sie gut. L.A. ist ein Filmland, und jeder hier ist Aschenputtel. Jeder Mensch ist außergewöhnlich talentiert, sagt man in L.A., und jede Kreatur kann höchste Formen der Spiritualität erreichen. Mit Kreatur sind natürlich nicht nur Menschen gemeint: Tiere sind ebenfalls Kreaturen und haben daher auch die gleichen Rechte. Tatsächlich sind die kreatürlichen Rechte der Tiere fast so wichtig wie die Blätter auf den Tellern. Der Immobilienmakler Aaron Leider kämpft seit Jahren vor Gericht gegen das Elefantengehege im Zoo von L.A. – dessen Bau schon 42 Millionen Dollar gekostet hat. "Billy (so heißt der Elefant) hat Gewichtsprobleme", erklärt Aarons Anwalt.