"In China fällt ein Sack Reis um – die Fifa ist korrupt", so begann bei den Kollegen von sueddeutsche.de ein Text über die neuen Enthüllungen beim Fußball-Weltverband . Die Reis-Sache haben sie später wieder rausgestrichen. In den Leserkommentaren von ZEIT ONLINE war Ähnliches zu lesen. "Ich bin schockiert! Wie jetzt, da sind Schmiergelder geflossen? Unfassbar. Damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet", schreibt User Furzl und gibt sich nicht einmal Mühe, seinen Zynismus zu verbergen. Gleich vier Usern gefiel das.

Solche Meinungen sind in diesen Tagen öfter zu lesen. In das Sommerloch zwischen Fußball-EM und Olympischen Spielen drängen jene unschönen Nachrichten, die man schon viel zu oft irgendwo gelesen zu haben glaubt: die Fifa – ein Selbstbedienungsladen , ein Tour-de-France-Profi unter Dopingverdacht und Lance Armstrong, der in immer größere Bedrängnis gerät , auch wegen Dopings. Im Fall Armstrong wurde nun sogar ein Arzt lebenslang gesperrt, der auch spanische Tennis- und Fußballstars betreut haben will. Doch der große Aufschrei, die öffentliche Empörung bleibt aus. Stattdessen: Wissen wir, tausendmal gehört, lasst mich doch damit in Ruhe.

Das ist bequem, aber gefährlich. Denn diese Haltung führt dazu, dass langfristig niemand mehr genau hinschaut, wenn Betrüger den Sport kaputt machen. Ist der Ruf erst ruiniert, lässt man ihnen alles durchgehen, weil Gauner nun mal so sind, Hauptsache die Fußbälle oder Fahrräder rollen. Olé! Das wäre so, als ob man Karl-Theodor zu Guttenberg nach dem fünften entdeckten plagiierten Satz in Frieden gelassen hätte. Nach dem Motto: So ist er halt, der Karl-Theodor, reden wir weiter über seine Frisur.

Dabei geht es um die Grundpfeiler des Sports. Es bedarf gerade jetzt, zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele, einer interessierten Öffentlichkeit, die sich nicht nur schwarz-rot-goldene Hawaiiketten um den Hals hängt oder Olympia-Bettwäsche kauft, sondern Druck auf die großen Verbände ausübt. Mittlerweile klingt es fast naiv, aber es gab eine Zeit, als es im Sport nicht ums Geldverdienen ging, sondern um Fairness und Völkerverständigung. Jesse Owens freundete sich bei Olympia 1936 zum Schrecken der Nazis mit dem Deutschen Luz Long an , und gewann eine Goldmedaille nach der anderen. Solche Sachen, erinnert sich da jemand dran? Die großen Sportverbände schon lange nicht mehr. Sie kommerzialisieren und korrumpieren den Sport bis zur Unkenntlichkeit. Er wird zum Event, zum Zirkus, zur Farce.

Das kollektive Schulterzucken ist auch ein Schlag ins Gesicht jener, die sich um Aufklärung bemühen. Zum Beispiel der Journalisten, die erreicht haben , dass die die Fifa belastenden ISL-Dokumente veröffentlicht wurden. Es waren die Dopingjäger aus Frankreich und den USA , die den Radprofi Di Gregorio – und wohl auch bald Lance Armstrong – entlarvten, respektive entlarven. Für das große Sportbusiness sind sie schon die Spielverderber, da sollte wenigstens die Öffentlichkeit ihnen mehr als Resignation entgegen bringen.

Zudem ist eine solche Haltung all jenen nicht vermittelbar, die trotzdem versuchen, sauberen Sport zu betreiben; den Tausenden ungedopten Sportlern, die wegen ihrer kriminellen Kollegen unter Generalverdacht stehen – und dennoch für Olympia trainieren.

Seit Mittwoch steht fest, dass Sepp Blatter von den Millionen an Schmiergeld in seinem Laden gewusst haben muss. Eigentlich müsste er zurücktreten, die Medien seinen Kopf fordern. Doch auch hier: Resignation. Es reagiere niemand mehr überrascht, "wenn Meldungen über Korruption im Weltverband auftauchen", schreibt Spiegel Online . Und: "Es fällt schwer, sich noch darüber zu erregen."

Gerade deshalb sollte man es tun: Sportfreunde, empört Euch!