FußballEx-Fifa-Chef Havelange erhielt Millionen-Schmiergeld

Der frühere Fifa-Präsident und sein Ex-Schwiegersohn haben offenbar Schmiergeld in Millionenhöhe angenommen. Der heutige Fifa-Chef Blatter könnte davon gewusst haben. von dpa

Der frühere Fifa-Präsident Joao Havelange

Der frühere Fifa-Präsident Joao Havelange  |  © John Gichigi/GettyImages

Der ehemalige Fifa-Präsident João Havelange und sein früherer Schwiegersohn Ricardo Teixeira haben offenbar in ihrer aktiven Zeit Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert. Dies geht aus Dokumenten der Staatsanwaltschaft Zug zur Fifa-Korruptionsaffäre um das mittlerweile insolvente Marketingunternehmen ISMM/ISL hervor, die am Mittwoch nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts veröffentlicht worden waren.

Demnach hat Havelange im März 1997 von dem Unternehmen 1.500.000 Schweizer Franken (heute etwa 1,25 Millionen Euro) erhalten. Der 96-Jährige war von 1974 bis 1998 Chef des Weltfußballverbandes.

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Der ehemalige brasilianische Fußballverbandschef Teixeira bekam den Dokumenten zufolge zwischen August 1992 und November 1997 mindestens 12.740.000 Schweizer Franken (heute etwa 10,6 Millionen Euro). Er war erst im März dieses Jahres aus dem Fifa-Exekutivkomitee zurückgetreten . Der 65-Jährige hatte den brasilianischen Fußball-Verband CBF 23 Jahre lang geführt.

Marketing und Übertragungsrechte

Die ISMM-Gruppe stand für International Sports Media and Marketing. Sie gehörte Ende 2000 zu den bedeutendsten Medien- und Marketingunternehmen auf dem Gebiet des Sports, 2001 musste sie allerdings Insolvenz anmelden. Die Gruppe erwarb von Sportverbänden Veranstaltungsrechte, entwickelte diese dann zu Sportmarketing-Konzepten und verkaufte sie an Sponsoren, Fernsehsender oder Lizenznehmer. Bei der Verbindung zwischen Fifa und ISMM geht es auch um die Verwertung der weltweiten TV- und Radio-Übertragungsrechte für die WM 2002 und 2006.

Havelange und Teixeira verwendeten bei Deals zur Verwertung von Übertragungsrechten mehrfach ihnen "anvertraute Vermögenswerte unrechtmäßig", um sich zu bereichern, heißt es in den Dokumenten. Zugleich könne nicht infrage gestellt werden, "dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldzahlungen an Personen ihrer Organe hatte". Dem Weltverband wird die mangelhafte Organisation ihres Unternehmens vorgeworfen. Es habe eine strikte interne Reglementierung gefehlt, um mögliche verbotene Zahlungen offenlegen zu können.

Der heutige Fifa-Chef Joseph Blatter war zur Zeit der Schmiergeldzahlungen Generalsekretär des Weltverbands. 1998 trat er die Nachfolge von Havelange an.

Die Unterlagen der Staatsanwaltschaft Zug belegen, dass die Provisionszahlungen der ISMM/ISL-Gruppe bis in die achtziger Jahre zurückgehen. Allerdings waren die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre Havelange und Teixeira nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden. Sie hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
 

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Leserkommentare
  1. ...sowas wäre heute bei der UEFA unmöglich.Bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar, ist garantiert alles mit rechten Dingen zugegangen, Schmiergelder sind dabei mit Sicherheit nicht geflossen und werden auch in Zukunft nicht fließen.

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    alles sauber. Das brauchen Sie nicht eigens zu betonen. Denn soviel Schmiergeld, wie nötig wäre, Fußballfunktionäre dazu zu bringen, das größte und bedeutendste Sportereignis der Welt in einer abgelegenen Wüstenoase zu veranstalten, gibt es gar nicht.

    Aber was in aller Welt hat die Blatter-Truppe dann zu ihrem wahnwitzigen Vorhaben bewogen .... ?

  2. dass das heute nicht so ist?
    Es ist naiv zu glauben, dass so ein Millardenfeschaeft ohne Schmiergeld funktioniert.
    Gestern nicht, heute nicht, in Zukunft nicht.

  3. alles sauber. Das brauchen Sie nicht eigens zu betonen. Denn soviel Schmiergeld, wie nötig wäre, Fußballfunktionäre dazu zu bringen, das größte und bedeutendste Sportereignis der Welt in einer abgelegenen Wüstenoase zu veranstalten, gibt es gar nicht.

    Aber was in aller Welt hat die Blatter-Truppe dann zu ihrem wahnwitzigen Vorhaben bewogen .... ?

    • joG
    • 12. Juli 2012 9:03 Uhr

    ...nach Deutschland?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ausgehen, daß es auch nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Wenn man bedenkt, daß damals eine Stimme aus Afrika oder Südamerika, ich weiß es nicht mehr so genau, entscheidend war. Wir leben zur Zeit in einer Welt, die einen körperlich zwar unversehrt lässt, aber der Umgang miteinander, katastrophal ist. Da wird manupuliert was das Zeug hält, da wird korumpiert wo es eben geht. Da wird einem schlecht, wenn man bei Großveranstaltungen sieht, wer da alles auf der "Ehrentribüne" sitzt. Da will so richtiger Spass am Fußball nicht mehr aufkommen. Geld macht alles kaputt!!!

    Hier zum Nachlesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wie_Titanic_einmal_die_Fußball-WM_2006_nach_Deutschland_holte

    War also billiger als jetzt die WM für Katar ;)

  4. ausgehen, daß es auch nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Wenn man bedenkt, daß damals eine Stimme aus Afrika oder Südamerika, ich weiß es nicht mehr so genau, entscheidend war. Wir leben zur Zeit in einer Welt, die einen körperlich zwar unversehrt lässt, aber der Umgang miteinander, katastrophal ist. Da wird manupuliert was das Zeug hält, da wird korumpiert wo es eben geht. Da wird einem schlecht, wenn man bei Großveranstaltungen sieht, wer da alles auf der "Ehrentribüne" sitzt. Da will so richtiger Spass am Fußball nicht mehr aufkommen. Geld macht alles kaputt!!!

    Antwort auf "Wie kam die WM..."
    • Furzl
    • 12. Juli 2012 9:54 Uhr

    Wie jetzt, da sind Schmiergelder geflossen?
    unfassbar. Damit hätte ich jetzt wirklich nicht mit gerechnet.

  5. Tradition ist nicht die Aufbewahrung der Asche/Kontoauszüge, sondern die Weitergabe des Feuers/des Schweizer Nummernkontos.

  6. das sowas passiert weis jeder. havelange ist in diesem punkt nicht anders als unser finanzminister schäuble, dem auch paar tausend gelscheine vom schreibtisch verschwunden sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Ricardo Teixeira | Fußball | Joseph Blatter | Fifa | Bundesgericht | Euro
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