Hannover 96"Wir haben aus Robert Enkes Tragödie gelernt"
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 "Ich hatte keine Ahnung von Fußball."

Frage: Was bleibt Ihnen nach einem 15-Stunden-Tag an Freizeit?

Kind: Für mich ist es unheimlich wichtig, meine Zeit effizient zu planen und auch zu nutzen. Die wenige freie Zeit, die ich habe, versuche ich zusammen mit meiner Frau dafür zu nutzen, um persönliche Freundschaften zu pflegen. Denn wenn man älter wird, ist es gut, wenn man noch ein paar gute, tragfähige Freundschaften hat.

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Frage: Herr Kind, während Ihrer 14-jährigen Amtszeit in Hannover gab es sieben verschiedene Sportdirektoren. Warum ist es so schwierig gewesen, einen wie Jörg Schmadtke zu finden, den Sie nun fast nicht mehr gehen lassen wollen?

Kind: Ich hatte keine Ahnung von Fußball, als ich angefangen habe bei 96. Ich musste also erst einmal sehr viel lernen über das Fußballgeschäft, das viele Besonderheiten aufweist gegenüber der Realwirtschaft. Doch den Mut zu Entscheidungen, den hatte ich schon immer. Und wenn ich von einer Sache überzeugt war, beispielsweise einen Sportdirektor zu entlassen, dann habe ich das gemacht. Ich kann gar nicht gegen meine Überzeugung handeln. Aber ich habe immer die volle Verantwortung für meine Entscheidungen übernommen. Und die waren ja nie ganz falsch, wir haben unsere Ziele immer erreicht.

Frage: Dann lernten Sie Jörg Schmadtke kennen.

Kind: Er ist für mich die beste Erfahrung, die ich bisher im Fußball gemacht habe. Herr Schmadtke ist ein sehr konstruktiver Mensch, ein sehr selbstbewusster Gesprächspartner – und das hilft mir sehr und bringt uns voran.

Frage: Sprechen Sie denn eine gemeinsame Sprache, wenn es um die Entwicklung einer Marke geht – also um Ihr Kerngebiet?

Kind: Natürlich. Wir professionalisieren gemeinsam die Strukturen, und wir versuchen, unseren Mitarbeitern und Spielern deutlich zu machen, dass wir diese Verantwortung vollumfänglich annehmen – nicht nur verbal, sondern auch inhaltlich.

Frage: Und verstehen Sie Ihren Sportdirektor, wenn er von einem Spieler wie Hiroki Sakai schwärmt? Oder sind Sie immer noch ein Fußballlaie?

Kind: Ich mache den Job jetzt schon für so lange Zeit und habe mich mit vielen unterschiedlichen Trainern und Sportdirektoren auseinander setzen müssen. Und ich habe heute den Mut zu sagen, dass ich 75 bis 80 Prozent von dem verstehe, was mir Herr Schmadtke sagen will, und ich ihm auch relativ vernünftige Fragen stellen kann.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
    • Sagsco
    • 22.07.2012 um 11:27 Uhr

    solche "Typen" - geradlinig, verlässlich, Verantwortung übernehmend auch für Fehlentscheidungen und Pannen, klare Worte ohne Rumeierei und Anbiederei - nicht auch in der Politik? Alles Gute weiterhin, Herr Kind. Bleiben Sie 96 treu und produzieren Sie weiterhin so Klasse Hörgeräte.

    5 Leserempfehlungen
    • kyon
    • 22.07.2012 um 14:05 Uhr

    Hannover 96 "Wir haben aus Robert Enkes Tragöde gelernt"
    "Ich arbeite jeden Tag 12 bis 15 Stunden", sagt 96-Präsident Martin Kind.

    Es sieht wohl eher so aus, dass Herr Kind selbst noch Nachhilfeunterricht nehmen muß, wenn er von seiner 7-Tage-Woche und seinem 12-bis-15 Stunden-Tag schwärmt.

    Man muß sich um Herrn Kind ernste Sorgen machen.

  1. als so zu handeln, nach dem Robert Enke Fall?

    Ueberraschend finde ich, dass er Schmadtke immer noch anrufen darf. Das traegt meiner Meinung nach nicht gerade zur Erholung bei, kann es sich bei solchen Anrufen doch um knifflige Entscheidungen handeln, die einen mehrere Tage beschaeftigen.

    Generell aber ein grundsolider Mann, und zeichet sich verantwortlich fuer den 96er Aufstieg der letzten Jahre.

  2. Obwohl ich die sportpolitische Haltung von Herrn Kind von Grund auf ablehne, hat er für seinen Sportdirektor eine sehr vernünftige Lösung gefunden. Kompliment.

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