Bei mir hat das Paddeln, also das Kanufahren, mit 15 Jahren angefangen. Ich bin am Rhein aufgewachsen und habe die Liebe zum Wasser entdeckt. Seitdem bin ich Kanu-Junkie.

Ich bin einige Jahre lang in der Freestyle Nationalmannschaft gefahren. Beim Freestyle steht Akrobatik im Vordergrund, man surft auf den Wellen und überschlägt sich mit dem Kanu. Irgendwann bin ich zum Wildwassersport gelangt. Das ist ähnlich, aber nicht dasselbe wie die olympische Disziplin Kanu-Slalom, die heute um 15 Uhr stattfindet.

 

In Deutschland ist der Slalom nur eine Randsportart, das machen vielleicht 400 Leute von rund 500.000 Kanuten. Technisch ist es perfekt, was die Jungs in London abliefern, die können ohne Umschweife von A nach B fahren. Das ist extrem kompliziert, weil sie sehr schnell sind – schon gigantisch.

Das, was wir Wildwassersportler machen, ist noch einmal etwas anderes. Ich sage es mal so: Im schweren Wildwasser könnten die Jungs uns zwar hinterherfahren, aber sie können das Wasser nicht lesen und deshalb schlechter einschätzen, wie man am besten fährt. Da sind wir etwas voraus.

Neben dem Pioniergeist ist es meine Motivation, Sachen zu machen, über die viele sagen, es geht nicht, um dann zu beweisen: Es geht doch. Ich bin auch ein Adrenalin-Junkie.

Die Königsdisziplin im Wildwassersport sind Erstbefahrungen, also Touren, an die sich bisher keiner herangetraut hat. Dadurch, dass Kajaksport eine ziemlich alte Sportart ist, gibt es nur noch wenige unbefahrene Flüsse. Unser Team sucht auf der ganzen Welt nach solchen Strecken.

1997 haben wir als Erste den Rheinfall bei Schaffhausen befahren, einen fast 25 Meter hohen Wasserfall. Die Vorbereitungen für solche Touren dauern zwischen drei Monaten und einem halben Jahr. Du musst dir die Strecke genau anschauen, im Kopf erst einmal alles speichern. Du siehst Wellen, du siehst Wirbelungen, du siehst Steine, und du musst dir einen Weg suchen, wie du am sichersten herunterkommst. Ein Auge für so etwas zu entwickeln, das ist die hohe Kunst beim Kajaksport.

Wenn du das alles hast, ist Kajakfahren zu 80 Prozent Kopfsache. Wenn der Kopf frei ist, du keinen Stress außen herum hast, dir auch keinen Stress machst, dann paddelst du gleich drei Nummern besser.

Wir machen im Jahr Touren in der ganzen Welt – Indien , Peru , Russland . Die Hardcore-Nummern, also die richtig harten Strecken, fahre ich aber nur einmal in meinem Leben, danach ist das Adrenalin raus. Dann wirst du unvorsichtig. Das Wichtigste ist für mich, mit meinem Sport zusammen alt zu werden.