Deutsches OlympiateamDas lange Warten auf die erste Medaille

Nach dem Startwochenende steht das deutsche Team in London noch ohne Medaille da. Weil die anderen aufgeholt haben oder cleverer sind.

Nicolas Limbach beim olympischen Säbelturnier

Nicolas Limbach beim olympischen Säbelturnier

Nicolas Limbach ist ein hochgewachsener Mann, er misst 195 Zentimeter und ist in diesem Moment doch so geknickt, dass er kaum zwischen den asiatischen Tischtennisfans zu erkennen ist, die sich gerade im breiten Hauptgang des Londoner Excel-Centers an ihm vorbeischieben. Limbach ist so klein, weil er vorher im Viertelfinale des olympischen Säbelwettbewerbs ausgeschieden ist, obwohl er eine Goldmedaille angekündigt hatte. "Wahrscheinlich bin ich jetzt der Depp", sagte er.

Wie dem Fechter aus Eupen ging es einigen deutschen Sportlern an diesem ersten Olympia-Wochenende. Nicht alle waren so hoch gehandelt wie Limbach, der Säbelweltranglistenerste. Doch etwas überraschend ist es schon, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nach zwei Tagen noch immer ganz ohne Bronze, Silber und Gold dasteht. Die morgendlichen Pressekonferenzen mit den Medaillengewinnern des Vortags im Deutschen Haus, die der Verband angekündigt hatte, mussten bis jetzt entfallen oder kurzerhand einem anderen Thema gewidmet werden.

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Die Noch-Medaillenlosigkeit ist kein Drama, weil Medaillenzählen von gestern ist und jeder Sportler olympischen Erfolg für sich ganz anders definiert. Das kann Gold sein, ein neuer deutscher Rekord oder auch nur eine persönliche Bestleistung, wobei das Wort "nur" an dieser Stelle eigentlich gestrichen werden sollte.

Trotzdem war das Limbach-Gold einkalkuliert, ebenso eine Schwimm-Medaille, vielleicht auch eine bei den Radfahrern. Und dann waren ja noch die Schützen, die, weil sie alle so früh dran sind, meist die Ehre haben, das erste Edelmetall in die Kameras der aufgeregten Journalisten zu halten. Für gewöhnlich verabreichen sie so ihrem kleinen Verband stets einen guten Schuss Lobbyarbeit. In diesem Jahr nicht.

So sollte die Frage erlaubt sein, warum, wieso, weshalb und vor allem, was diese Erfolgsdiät mit dem Rest der deutschen Mannschaft macht, die das Treiben auf ihren Balkonen im Olympischen Dorf verfolgt. Vor den Spielen hatte der Leistungssportdirektor des DOSB, Bernhard Schwank, noch gesagt, frühe Erfolge könnten der ganzen Mannschaft einen Schub geben. Warum zieht sich das Warten auf die erste deutsche Medaille so lange?

Wahrscheinlich kann niemand besser Auskunft geben als Nicolas Limbach, der noch immer seinen Kopf hängen lässt, inmitten eines ebenso traurigen deutschen Häufleins. Rechts und links hasten die Sportfreunde aus aller Welt zu den Sportarten, die in ihrer Welt gerade angesagt sind. Das Excel-Center ist das Multitalent unter den Sportstätten, weil in dem riesigen Veranstaltungszentrum fast ganz Olympia unter ein Dach passt: Gewichtheben, Boxen, Judo, später auch Taekwondo und Ringen – und eben auch Fechten.

Neben Limbach stehen ein paar Fans und Freunde, einigen rutscht die Deutschlandflagge fast vom Rücken. Eine junge Frau trägt ein Shirt, auf das sie "I love Limbach" drucken ließ. Doch was nützt all die Liebe? "So ist das im Sport eben. Hier wird einem nichts geschenkt. Das ist alles kein Selbstläufer", sagt er. Was etwas banal klingt, erscheint nach diesen ersten Wettkampftagen gar nicht so verkehrt.

Die Leistungsdichte bei den diesen Spielen ist noch einmal ein Stück größer geworden. Die Sportwelt rückt enger zusammen. Wer sich in diesen Tagen die Schwimmwettbewerbe anschaut, muss überrascht sein, wie gering die Abstände zwischen den einzelnen Nationen geworden sind. Vor allem die deutschen Schwimmer bekamen das zu spüren. Sowohl Paul Biedermann als auch die 4x100-Meter-Freistil-Staffel der Frauen scheiterte in ihren Vorläufen, weil sie Kräfte für spätere Finalrennen sparen wollten. Leider gab es kein Später, weil die anderen Länder keine Kräfte sparten und einfach an den Deutschen vorbeischwommen.

Leserkommentare
  1. … lächelt man halt nicht, ist doch ganz logisch.

    Spitzensport ist nicht immer witzig. Da kann es schon mal vorkommen, dass man nicht mehr in der Lage ist zu lächeln.
    Außerdem ist ihre Verallgemeinerung Blödsinn. Ich habe einige Chinesen durchaus lächeln sehen, nachdem sie eine Medaille gewonnen haben.

    Antwort auf "Was..."
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    ...wüsste nicht, dass ich irgendwo verallgemeinert hätte.
    Es gab auch Chinesen, die ich "lächeln" sah wie z.B. Sun Yang.
    Aber die Meisten tun es eben nicht, bzw zeigen irgendeine Form von Emotion.

    ...wüsste nicht, dass ich irgendwo verallgemeinert hätte.
    Es gab auch Chinesen, die ich "lächeln" sah wie z.B. Sun Yang.
    Aber die Meisten tun es eben nicht, bzw zeigen irgendeine Form von Emotion.

    • ta_lo
    • 30.07.2012 um 12:11 Uhr

    ich finde es auch sehr bedauerlich wenn nicht so gar gefährlich, in welche Richtung sich der deutsche Spitzensport in Gänze in den letzten 15-20 Jahren entwickelt hat. Es ist schon bedenklich mit welchen Mittelmaß man sich allgemein zu Frieden gibt; mal von einigen wenigen herausstechenden Sportlern abgesehen.

    Und es ist schon erstaunlich, wie man schon fast gleichgültig hinnimmt, daß Deutschland eigentlich in den meisten Disziplinen von der Weltspitze meilenweit entfernt ist. Niemand fragt doch noch, was machen die anderen eigentlich anders, wieso ist Deutschland nicht mehr in der Lage in bestimmten Disziplinen, die besten der Welt zu stellen (Und ja Fußball gilt ausdrücklich dazu). Und die Ausrede Doping kann man nicht gelten lassen. Man kann doch nicht wirklich der Meinung sein, daß man in Deutschland nicht zu unerlaubten Mittel greifen würde. Man solle sich mal ein Beispiel am Rudersport nehmen, die das Abschneiden des Ruder-Achters bei den letzten olympischen Spielen nicht hinnehmen wollten und alles dafür getan haben, daß jetzt ein wirklich konkurenzfähiges Boot an den Start geht.

    Wenn man mal annimmt, daß der Sport der Ausdruck einer Gesellschaft ist, so wird mir schon Angst und Bange, wie man in diesem Land mit der immer zunehmenden Konkurenz aus China umgehen wird. Wird man dann auch sagen, naja die sind halt größer und besser?

    6 Leserempfehlungen
    • Shura
    • 30.07.2012 um 12:14 Uhr

    Hallo? Geht es nur noch um Medaillen, Doping, Bestleistung, Werbeeinnahmen...? Wenn ich der Berichterstattung und einigen Kommentaren folge - ja, nur noch!

    Natürlich geht es den Sportlern zunächst um das Kräftemessen - dafür trainieren sie (und ruinieren sich ggf. sogar die Gesundheit damit)!
    Eigentlich sollte es doch ein Wettstreit sein - aber heute darf nicht mehr der/die Beste gewinnen, dürfen sich nicht Jugendliche Athleten treffen & austauschen...
    Nein ! Es geht nur noch um Geld & Prestige und damit sind die Olympischen Spiele überflüssig, weil viel zu teuer für die teilnehmenden Staaten & den Ausrichter! [Und wenn wir nicht 100 Goldmedaillen - Silber & Bronze lassen wir nicht gelten - holen muß der Sport- & Innenminister zurücktreten!]

    Eine Leserempfehlung
    • Adur
    • 30.07.2012 um 12:16 Uhr

    Da die gesamten Schulden Europas bald unsere sind, schlage ich vor, einfach die Medaillen Europas auch als unsere zu betrachten ...

    Eine Leserempfehlung
  2. 29. Ich...

    ...wüsste nicht, dass ich irgendwo verallgemeinert hätte.
    Es gab auch Chinesen, die ich "lächeln" sah wie z.B. Sun Yang.
    Aber die Meisten tun es eben nicht, bzw zeigen irgendeine Form von Emotion.

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    • 2eco
    • 30.07.2012 um 12:24 Uhr

    "29. Ich...

    ...wüsste nicht, dass ich irgendwo verallgemeinert hätte.
    Es gab auch Chinesen, die ich "lächeln" sah wie z.B. Sun Yang.
    Aber die Meisten tun es eben nicht, bzw zeigen irgendeine Form von Emotion."

    Da bin ich ja beruhigt, dass ich nicht der Einzige bin dem das aufgefallen ist. Ich weiß den Namen gerade nicht aber ich kann mich noch genau erinnern, wie ein chin. Schwimmer mit Goldmedaille total grimmig geschaut hat und er NULL Freude dabei hatte. Er ist dann einfach vollkommen emotionslos aus der Halle geschlurft, als hätte er einen Trostpreis für den letzten Platz erhalten.

    Dagegen hat man den Silber und Bronze Gewinnern ihre Freude stark angesehen. Am glücklichsten sah sogar der 3. platzierte aus :)

    …aber wenn man davon spricht, dass die Meisten nicht lächeln, dann ist dies eben doch eine Verallgemeinerung.
    Rechts, neben der Kommentarfunktion sehe ich zwei Chinesen die sich wirklich über ihre Medaillen freuen.
    Es gibt also doch einige Chinesen die lächeln können.

    Zeigen sie mal ein bisschen Respekt vor anderen Kulturen! Nicht alle müssen jubeln wie die Amerikaner.

    Es geht hier um Sport und nicht um ein schöne Siegerlächeln.

    • 2eco
    • 30.07.2012 um 12:24 Uhr

    "29. Ich...

    ...wüsste nicht, dass ich irgendwo verallgemeinert hätte.
    Es gab auch Chinesen, die ich "lächeln" sah wie z.B. Sun Yang.
    Aber die Meisten tun es eben nicht, bzw zeigen irgendeine Form von Emotion."

    Da bin ich ja beruhigt, dass ich nicht der Einzige bin dem das aufgefallen ist. Ich weiß den Namen gerade nicht aber ich kann mich noch genau erinnern, wie ein chin. Schwimmer mit Goldmedaille total grimmig geschaut hat und er NULL Freude dabei hatte. Er ist dann einfach vollkommen emotionslos aus der Halle geschlurft, als hätte er einen Trostpreis für den letzten Platz erhalten.

    Dagegen hat man den Silber und Bronze Gewinnern ihre Freude stark angesehen. Am glücklichsten sah sogar der 3. platzierte aus :)

    …aber wenn man davon spricht, dass die Meisten nicht lächeln, dann ist dies eben doch eine Verallgemeinerung.
    Rechts, neben der Kommentarfunktion sehe ich zwei Chinesen die sich wirklich über ihre Medaillen freuen.
    Es gibt also doch einige Chinesen die lächeln können.

    Zeigen sie mal ein bisschen Respekt vor anderen Kulturen! Nicht alle müssen jubeln wie die Amerikaner.

    Es geht hier um Sport und nicht um ein schöne Siegerlächeln.

  3. Da steigen reihenweise Schwimmer aus dem Becken, die zwar schon im Vorlauf ausscheiden, sich jedoch mit bemerkenswerten Steigerungen ihrer poersönlichen Bestleistungen stolz und erhobenen Hauptes verabschieden.
    Und dann sind da die "Hochtöner", weit abgeschlagen vom Feld und noch weiter entfernt von den Leistungen, welche sie (wirklich?) in der Olympiaqualifikation zeigten. Seltsam?
    Die Stellungnahmen der deutschen Schwimmathleten nach ihrem Versagen sind ein Hohn, Ausdruck fehlender Motivation und mangelnden Kampfgeistes. Die Hilflosigkeit der Trainerriege spricht Bände und läßt erschüptternde Rückschlüsse auf das offensichtlich fehlende wissenschaftlich fundierte System der gezielten Vorbereitung auf ein solches Sportereignis zu. Ein Trauerspiel erster Kategorie. Danke Frau Duplitzer für ihre so offensichtlich wahren Worte.

    2 Leserempfehlungen
    • 2eco
    • 30.07.2012 um 12:24 Uhr
    31. Freude

    "29. Ich...

    ...wüsste nicht, dass ich irgendwo verallgemeinert hätte.
    Es gab auch Chinesen, die ich "lächeln" sah wie z.B. Sun Yang.
    Aber die Meisten tun es eben nicht, bzw zeigen irgendeine Form von Emotion."

    Da bin ich ja beruhigt, dass ich nicht der Einzige bin dem das aufgefallen ist. Ich weiß den Namen gerade nicht aber ich kann mich noch genau erinnern, wie ein chin. Schwimmer mit Goldmedaille total grimmig geschaut hat und er NULL Freude dabei hatte. Er ist dann einfach vollkommen emotionslos aus der Halle geschlurft, als hätte er einen Trostpreis für den letzten Platz erhalten.

    Dagegen hat man den Silber und Bronze Gewinnern ihre Freude stark angesehen. Am glücklichsten sah sogar der 3. platzierte aus :)

    Antwort auf "Ich..."
  4. Spitzensportler sind sowieso die unnötigste Berufsgruppe, denn mehr als Unterhaltungswert ist da nicht drin. Das Geld sollte woanders investiert werden.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wieso denn?"

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