London 2012 : Wozu eigentlich Olympia?

Um London zu erneuern, haben die Briten Milliarden gezahlt. Alles wegen Olympia. Doch die Spiele sind nicht immer ein Segen für die Ausrichterstadt. Von C. Hönicke
Die olympischen Ringe auf einer Straße in London © Dan Kitwood/Getty Images

Inzwischen belegen viele Studien, dass Olympia weder die Beschäftigung noch die Einkommen langfristig steigen lässt. Warum also Olympia? "Dafür gibt es viele Argumente", sagt Wolfgang Maennig. Der Ruder-Olympiasieger von 1988 und heutige Sportökonom beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Sportevents und hat dafür schon viele Statistiken gewälzt und erstellt. Er erzählt vom Feelgood-Effekt, vom Stolz auf die eigene Stadt. Und vom sogenannten Nation Brands Index, in dem versucht wird, das Ansehen eines Landes zu messen. Dabei schätzen weltweit Menschen Länder anhand von 17 Kriterien ein, etwa dessen Gastfreundschaft oder Kultur.

"Vor der WM 2006 lag Deutschland da immer so zwischen Rang vier und sieben", sagt Maennig, "danach konstant auf Platz zwei. In allen Kategorien haben wir uns nach der WM klar verbessert."

Inzwischen geht man davon aus, dass auch Olympia das Ansehen eines ganzen Landes nachhaltig beeinflussen kann. In Australien hat man im Jahr 2000 errechnet, dass Olympia in Sydney dem Land eine Werbewirkung im Wert von etwa vier Milliarden Euro bescherte. Seit die Spiele von Mexiko City 1968 erstmals live und in Farbe in aller Welt zu sehen waren, sind sie aber vor allem für die Metropolen dieser Welt die attraktivste Werbebühne. Knapp fünf Milliarden Menschen werden in wenigen Tagen verfolgen, wie sich das altehrwürdige London eine Verjüngungskur verpassen will.

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Die Olympischen Spiele sind aber mehr als ein zweieinhalbwöchiger Werbespot. Sie sind ein gigantisches Renovierungsprojekt: Im Wettkampf der Metropolen bietet Olympia die große Chance, in kürzester Zeit Infrastruktur und Image zu modernisieren – wenn man es gut plant. " München war da ein bisschen stilbildend", sagt Hans-Jörg Stiehler. Der Leipziger war an einem Projekt der Internationalen Gesellschaft für Medien und Kommunikationsforschung beteiligt, die die Auswirkungen von Olympischen Spielen auf die Städte von München 1972 bis Athen 2004 untersuchte. Mit unterschiedlichen Ergebnissen.

München etwa habe "von der Infrastruktur her und von der Bedeutung des Orts ungeheuer gewonnen", sagt Stiehler. "Sie haben eine ordentliche U-Bahn bekommen, Stadt- und Sportinfrastrukur erhalten und das olympische Dorf mit gescheiter Nachnutzung." Die Stadt erfand sich auch ein bisschen neu: "Durch Olympia ist München als Kultur- und Medienstandort überhaupt erst auf die internationale Landkarte gekommen."

Erfolgreiche Stadtrenovierung betrieb 1992 auch Barcelona . Der schmuddligen Hafenstadt gelang die Wandlung zur Kulturmetropole. Die halbe Innenstadt wurde saniert, mit dem olympischen Dorf entlang der Küste wurde ein komplett neues Stadtviertel gewonnen und die Verkehrsinfrastruktur verbessert. "Die Stadt ist richtig aufgeblüht und profitiert immer noch davon", sagt Stiehler.

Münchens direkter Nachfolger Montreal dagegen ist ein Beispiel dafür, dass Olympia auch ein Fluch sein kann. Kanada ließ die Stadt damals mit den ausufernden Kosten allein, "und sie bezahlen immer noch dafür", sagt Stiehler. Das Finanzdebakel von Montreal markierte einen Wendepunkt. Inzwischen werden Olympiabewerbungen als nationale Aufgabe betrachtet, deren Finanzierung meist das ganze Land übernimmt.

Die Attraktivität einer Bewerbung für die Städte ist dadurch gestiegen, "denn so kann man Töpfe für die Stadtentwicklung anbohren, an die man sonst nicht oder erst viel später herankommen würde", sagt Stiehler. Der Sportökonom Maennig rechnet vor: Olympia in London soll die Briten zwischen neun und 14 Milliarden Euro kosten. "Aber die Organisationskosten liegen traditionell nur bei etwa 2,5 Milliarden Dollar und werden voll gedeckt durch die Einnahmen der Organisationskomitees – die Masse stellt das IOC aus Fernseh- und Sponsoringerlösen bereit." Die restlichen Baukosten seien keine reinen Olympiakosten.

Viele Verkehrs- und Infrastukurmaßnahmen seien meist ohnehin nötig und würden einfach vorgezogen. So wurde in London das Eisenbahnnetz ausgebaut, um die unter ihrem Alter ächzende U-Bahn zu entlasten. Und das olympische Dorf im Ostlondoner Stadtteil Stratford soll später in dringend benötigten Wohnraum umgewandelt werden.

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Olympia != Olympische Spiele

Olympia bezeichnet "das Heiligtum des Zeus in Elis, im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes" (Wikipedia) in Griechenland. Eine weitere beliebte, aber dennoch falsche Bezeichnung, "Olympiade", meint eigentlich die Zeitspanne von 4 Jahren _zwischen_ den Olympischen (Sommer-)Spielen.
"Wozu eigentlich Olympische Spiele?" wäre demnach der korrekte Titel.
Davon abgesehen, ein durchaus interessanter Artikel!

Wenn wir uns schon im Griechischen verhaken

...dann beziehen sich auch "Olympische Spiele" im Original nur auf die, die in Olympia stattfanden. Die gleiche "Soße" in Athen hieß "Panathenische Spiele".

Ergo: Alle vier Jahre den Namen wechseln. Diesmal haben wir "Londonsche Spiele", "Londonia" sozusagen.

Bei den Griechen war Olympia übrigens auch eine gigantische Werbeveranstaltung...allerdings ein gigantischer Heiratsmarkt. Ein Brautwerbe-Gewerbe der Versammelten also. Der Sport war mehr oder minder reizvoller Anlass für die lebenstechnischen Hintergedanken.

im ganzen Artikel kein Wort über den Sport , die Sportler

und die Olympische Idee. Durch diese Weglassung stellt der Autor bewußt oder unbewußt die modernen Olympischen Spiele als genau das dar, was sie jenseits aller Funktionärslügen und Politikersonntagsreden sind: ein einziger kommerzieller Rummel zum Wohle der Industrie, der Werbemedien und der Tourismusbranche.
Nebenbei noch eine günstige Gelenheit für Politiker, sich auf Kosten der Steuerzahler, die die ganze Sause größtenteils finanzieren, zu profilieren, um somit die eigenen Wahlchancen zu verbessern.

Mir tun die Menschen leid, in deren Städten Olympiaden ausgerichtet werden.

Hart am Thema

Der Artikel dreht sich eben um die finanziellen bzw. stadtentwicklungstechnischen Aspekten einer Olympiade, harte Ergebnisse statt "olympischer Ideen" oder "Sportler".

Aber selbst diese Fragen sind akademisch. Solange sich Länder (besser gesagt Politiker) finden, die solche Events als attraktiv betrachen, wird es sie in dieser Form geben. Finanzielle Folgen (für die Steuerzahler irgendwo) oder Stadtentwicklung interessieren sowieso kaum einen Entscheider.

Wie bei allen (öffentlichen) Groß-Vorhaben steht Kostentransparenz (insb. vorher) natürlich nicht auf der Agenda.

Momentan könnte man den Eindruck bekommen, dass sich "Oligarchen" (Putin,Emirate) Sport-Großereignisse als persönliches Steckenpferd aneignen - Fußballclubs kaufen war gestern. Wer sich die Eigner der größten Events anschaut (FIFA/IOC), kann sich darüber nicht wirklich wundern.

Ach ja: "Sport, Sportler und Ideen" machen sich gut in Broschüren der Ausrichter; aber glauben Sie, dass chinesische Funktionäre, Emire oder Oligarchen in solchen Dimensionen denken, wenn sie sich Sport-Events kaufen?

Der Artikel beleuchtet m.E. schon die relevanten Elemente von Olympia.

Absurd ..

Eben gerade habe ich einen Link auf Daily Mail gesehen. Wenn die Bilder nicht manipuliert sind, dann frage ich mich, ob "Olympia in England" nicht eher eine Waffen-Parade ist - Flugzeugträger auf der Themse ..

Also mein Bedarf an "Sport glotzen" ist gedeckt. Und wenn ich mir vorstelle, dass der Qualm aus dem Flugzeug/Hubschrauber-Träger auf die Sportstätten rüber getragen wird, dann ekelt es mich ehrlich gesagt an ..

Der Link auf die Bilder-Sammlung:

http://www.dailymail.co.u...