Die erste Goldmedaille der deutschen Mannschaft wird von Misstönen begleitet. Beim Mannschaftssieg der Vielseitigkeitsreiter griff der Reporter der ARD im Überschwang auf bedenkliche Metaphern zurück. "Seit 2008 wird zurückgeritten", sagte Carsten Sostmeier in einem Fernsehbeitrag und variierte damit die berühmte historische Lüge Adolf Hitlers ("Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen"), mit der er den Angriff auf Polen am 1. September 1939 verkündete und rechtfertigen wollte.

Bereits gestern hatte Sostmeier das Zitat in der Reitübertragung gesagt, allerdings hatten die Übertragung offenbar nur wenige Zuschauer verfolgt, weswegen es weitgehend unbemerkt blieb.

Inhaltlich wollte Sostmeier damit auf ein Kapitel der jüngeren Olympiageschichte anspielen: Den deutschen Reitern war bei den Spielen in Athen 2004 nach einem Protest durch Frankreich, Großbritannien und die USA die Goldmedaille aberkannt worden. "Wir holen uns Gold zurück, gnadenlos", sagte Sostmeier heute.

Kommentator entschuldigt sich

Inzwischen entschuldigte sich Sostmeier: "Es tut mir sehr leid", zitierte ihn eine Pressemitteilung des NDR, dem verantwortlichen Sender für Olympia, "wenn ich mit meinen Äußerungen für Irritationen gesorgt habe".

Auch der Teamchef der ARD, Walter Johannsen, distanzierte sich von Sostmeiers Aussagen: "Bei allem Verständnis für die Begeisterung über den ersehnten Reitererfolg – derartige Formulierungen sind Entgleisungen, die nicht passieren dürfen. Das ist jetzt auch Carsten Sostmeier klar geworden."

Sostmeier ist seit 1991 Reitjournalist bei der ARD. Seine bildhafte Sprache und sein leidenschaftlicher Tonfall haben ihm Fernsehpreise und eine kleine Fan-Gemeinde eingebracht.