Tour de FranceDoping rollt immer mit

Armstrong, Erfurt, Europcar: Während der Tour de France soll nicht über Doping geredet werden. Doch dafür sind zu viele Fragen offen.

Das Feld der Tour de France

Das Feld der Tour de France

Marcel Kittel hat es in diesen Tagen nicht leicht. Der Sprinter muss sich nicht nur mit einer Mageninfektion herumschlagen, die ihn auf den vergangenen beiden Etappen jeweils erst viele Minuten nach dem Sieger ins Ziel kommen ließ, am Dienstag wurde er sogar nur Vorletzter. Auf den völlig erschöpften Kittel warteten beide Mal auch die sogenannten Chaperons, jene Männer und Frauen, die die Fahrer zur Dopingkontrolle geleiten und aufpassen, dass alles gut läuft. Ärgerlich für Kittel, normalerweise werden nur die Besten regelmäßig kontrolliert, bei den weiter hinten Platzierten wird gelost, und der Lostrommel ist der Etappenverlauf und die aktuelle Befindlichkeit egal.

Es ist also Zufall, dass Kittel gleich zweimal kontrolliert wurde. Es ist aber kein Zufall, dass bei ihm besonders genau hingeschaut wird. Seit Saisonbeginn wird er mit Dopingvorwürfen konfrontiert. Kittel und sein Teamkollege Patrick Gretsch, Siebter im Prolog, waren in die Erfurter Blutdoping-Affäre verwickelt. Beide standen auf einer Liste von 30 Athleten, denen der ehemalige Arzt des Erfurter Olympiastützpunkts, Andreas Franke, Blut abgenommen, mit UV-Licht bestrahlt und wieder zurückgeführt haben soll. Eine heftige Diskussion über die Gültigkeit des Anti-Doping-Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) entbrannte. Anfang Juni meldete sich David Howman in einem ZEIT-ONLINE-Interview zu Wort, forderte Aufklärung. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) leitete gegen einen weiteren Athleten von der Erfurter Liste ein Sportschiedsgerichtsverfahren ein. Weitere Verfahren, auch gegen die Erfurter Kittel und Gretsch, könnten folgen.

Anzeige

Das Thema Doping fährt also auch bei dieser Tour de France mit. Nur soll nicht darüber geredet werden. Eine Liste mit neun einfachen Fragen zum diesjährigen Kontrollsystem lässt der Radsportweltverband (UCI) unbeantwortet. "Die UCI wünscht sich während der Tour keine Fokussierung auf Dopingthemen", begründet der UCI-Pressesprecher Enrico Carpani die zurückhaltende Kommunikation. Doch das funktioniert nicht. Dafür liegen noch immer zu viele Dopingthemen auf dem Tisch.

Johan Bruyneel nicht dabei

Dabei geht es auch wieder einmal um Lance Armstrong. Bereits Wochen vor dem Start klagte die amerikanische Anti-Doping Agentur (Usada) in einem 15-seitigen Schreiben den siebenfachen Tour-de-France-Sieger und fünf seiner Begleiter öffentlich wegen umfangreicher Doping-Verstöße an. Ein Kontrollgremium bestätigte die Anklage. Lance Armstrong müsste bis zum 9. Juli Einspruch erheben, um den Fall vor ein Schiedsgericht zu bringen. Der Prozess würde wohl im November beginnen. Armstrongs Vertrauter und ehemaliger Teamchef Johan Bruyneel verzichtete wegen der Vorwürfe auf das wichtigste Radrennen der Welt. Und das obwohl Bruyneel sich als Chef des RadioShack-Nissan-Teams eigentlich um seine Fahrer kümmern müsste, darunter die Deutschen Jens Voigt und Andreas Klöden.

Ein weiterer Dopingvorwurf betrifft das aktuelle Peloton. Im letzten Jahr wurde die Europcar-Mannschaft von Teamchef Jean-René Bernaudeau gefeiert. Die Tour eröffnete in der Heimat des Geldgebers, die Fahrer in den grünen Trikots präsentierten sich angriffslustig, erhielten wertvolle TV-Präsenz. Der Sponsor dürfte sich gefreut haben. Und es wurde noch besser: Gleich zwei französische Fahrer fuhren überraschend um die Gesamtwertung mit. Pierre Rolland und Thomas Voeckler waren lange vorne dabei – auf einem Niveau mit den großen Favoriten Alberto Contador, Andy Schleck und dem späteren Toursieger Cadel Evans.

Leserkommentare
    • TDU
    • 04.07.2012 um 15:21 Uhr

    "Schön" ist es nicht, was abgeht bei der Zensur. Armstrong gehört aber nun wirklich nicht zur Tour.

    Aber solange "soll" nicht zu "hat" bewiesen ist, halte ich es mit Tony Martin. Denn Doping rollt, wirft, hebt und läuft immer mit. Und bei Olympia ist auch erst mal Schluss mit der Diskussion. Sonst wäre es auch nur sinnvoll so: Dopingbericht mit zwischenzeitlicher Sportübertragung.

    Und man sollte einen Unterschied machen zwischen Zensur bei Sport und Politik und Kunst. Die beiden letzteren Bereiche betreffen uns nämlich alle in unseren Rechten.

  1. Ach ja, wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen. Kaum kommt die Tour ins Rollen, haben die Medien wieder ein Thema. Doping! Yeah, Sommerloch gefüllt. Nun ist es ja nicht so, dass ich daran zweifel, dass Radsport eine dopinggefährdete Sportart ist. Das bedaure ich sehr, fahre ich doch selbst gerne mit dem Rennrad und schaue ich gerne die Tour und möchte auch gerne glauben, dass zumindest der eine Fahrer sauber ist, obwohl er gerade den Mont Vontux bezwungen hat.

    Aber glaubt denn jemand ehrlich, in anderen Sportarten geht es sauber zu? Klar, der Lahm sieht so nett aus, der kann keiner Fliege was zu leide tun und der ist auf jeden Fall sauber. Und Schweini erst, der ist doch auch so ein netter, natürlicher Kerl.

    Dopen tun halt immer die anderen, nur die eigenen Favoriten nicht und die favorisierte Sportart sowieso nicht. Welch verlogene Diskussion.

    Ich bin gegen Doping und gegen eine Freigabe. Aber wer glaubt, der Sportschütze nimmt keine leistungssteigernden Mittelchen und das Wunderpferd Totilas ist sauber, weil es doch so hübsch daherreitet, der lügt sich in die eigene Tasche.

    Es bleibt immer ein lohnenswerter Kampf für einen sauberen Sport. Nur gewinnen werden wir ihn nicht. Allenfalls in Schach halten. Aber es soll mir keiner kommen und glauben, in anderen Sportarten geht es sauber zu, nur im Radsport nicht. Das ist gelogen. In jeder Sportart lohnt sich Doping, auch im Fußball. Und gerade da besonders, weil sehr viel Geld im Spiel ist.

    3 Leserempfehlungen
  2. auf Weltklasseniveau ohne Doping, auch wenn es nur temporär ist. Radfahrer werden aufgrund der Belastungsart und -dauer bei Touren wie die Tour der France nur einfacher erwischt.

    Irgendjemanden auf den man mit dem Finger zeigen kann braucht man immer.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Natürlich gibt es auch Leistungssport ohne Doping. Eine Tour ist machbar, es ist nur die Frage, auf welchem Niveau. Sie und ich könnten bei entsprechendem Training auch die Tour fahren. Nur halt langsamer. Ich bin mir sicher, wären alle Fahrer sauber, wäre die Tour erstens nicht langweiliger und zweitens würden Sie und ich am Fernseher nicht sehen, ob jemand einen 42er oder einen 37er Schnitt fährt. Vielleicht wäre sie sogar spannender, weil jeder Fahrer einen sehr guten Tag haben kann und am nächsten Tag zusehen muss, dass er noch mit dem Feld das Ziel erreicht. Es gibt Fahrer (Jens Voigt), die haben mehr dieser Schwankungen während einer Tour. Klar ist, drei Wochen am Stück kann niemand Top-Leistungen bringen.

    Ich behaupte sogar, die Tour ist inzwischen sauberer als viele andere Sportarten. Denn kaum ein Sportler wird inzwischen so allumfassend kontrolliert wie ein Tour-Fahrer. Vergleichen Sie die Häufigkeit der Kontrollen und die Art mit der eines Fußballspielers. Da wird wahrscheinlich noch ins Glas gepinkelt, während der Tour-Fahrer regelmäßig zum Aderlass gebeten wird.

    Natürlich gibt es auch Leistungssport ohne Doping. Eine Tour ist machbar, es ist nur die Frage, auf welchem Niveau. Sie und ich könnten bei entsprechendem Training auch die Tour fahren. Nur halt langsamer. Ich bin mir sicher, wären alle Fahrer sauber, wäre die Tour erstens nicht langweiliger und zweitens würden Sie und ich am Fernseher nicht sehen, ob jemand einen 42er oder einen 37er Schnitt fährt. Vielleicht wäre sie sogar spannender, weil jeder Fahrer einen sehr guten Tag haben kann und am nächsten Tag zusehen muss, dass er noch mit dem Feld das Ziel erreicht. Es gibt Fahrer (Jens Voigt), die haben mehr dieser Schwankungen während einer Tour. Klar ist, drei Wochen am Stück kann niemand Top-Leistungen bringen.

    Ich behaupte sogar, die Tour ist inzwischen sauberer als viele andere Sportarten. Denn kaum ein Sportler wird inzwischen so allumfassend kontrolliert wie ein Tour-Fahrer. Vergleichen Sie die Häufigkeit der Kontrollen und die Art mit der eines Fußballspielers. Da wird wahrscheinlich noch ins Glas gepinkelt, während der Tour-Fahrer regelmäßig zum Aderlass gebeten wird.

  3. 4. Doch!

    Natürlich gibt es auch Leistungssport ohne Doping. Eine Tour ist machbar, es ist nur die Frage, auf welchem Niveau. Sie und ich könnten bei entsprechendem Training auch die Tour fahren. Nur halt langsamer. Ich bin mir sicher, wären alle Fahrer sauber, wäre die Tour erstens nicht langweiliger und zweitens würden Sie und ich am Fernseher nicht sehen, ob jemand einen 42er oder einen 37er Schnitt fährt. Vielleicht wäre sie sogar spannender, weil jeder Fahrer einen sehr guten Tag haben kann und am nächsten Tag zusehen muss, dass er noch mit dem Feld das Ziel erreicht. Es gibt Fahrer (Jens Voigt), die haben mehr dieser Schwankungen während einer Tour. Klar ist, drei Wochen am Stück kann niemand Top-Leistungen bringen.

    Ich behaupte sogar, die Tour ist inzwischen sauberer als viele andere Sportarten. Denn kaum ein Sportler wird inzwischen so allumfassend kontrolliert wie ein Tour-Fahrer. Vergleichen Sie die Häufigkeit der Kontrollen und die Art mit der eines Fußballspielers. Da wird wahrscheinlich noch ins Glas gepinkelt, während der Tour-Fahrer regelmäßig zum Aderlass gebeten wird.

    Antwort auf "Kein Leistungssport"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber das: "Natürlich gibt es auch Leistungssport ohne Doping. Eine Tour ist machbar, es ist nur die Frage, auf welchem Niveau." ist eine ziemlich unrealistische Argumentationsgrundlage.

    Leistungssportler sind alle bis zu einem gewissen Level Egomanen. Jeder will siegen und jeder will Geld haben, je mehr desto besser. Von den Erwartungen von Zuschauern mal ganz zu schweigen, die wollen Entertainment und Sportler die dominieren. Nicht jeder Sportler doped, aber die meisten auf Weltklasseniveau, will halt nur keiner wahr haben.

    Doping hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ich bin auch nicht im geringstem dem Radsport zugetan, aber gedoped wird überall, deswegen ist es absurd immer die Radler am Ochsenziemer vor zu führen.

    aber das: "Natürlich gibt es auch Leistungssport ohne Doping. Eine Tour ist machbar, es ist nur die Frage, auf welchem Niveau." ist eine ziemlich unrealistische Argumentationsgrundlage.

    Leistungssportler sind alle bis zu einem gewissen Level Egomanen. Jeder will siegen und jeder will Geld haben, je mehr desto besser. Von den Erwartungen von Zuschauern mal ganz zu schweigen, die wollen Entertainment und Sportler die dominieren. Nicht jeder Sportler doped, aber die meisten auf Weltklasseniveau, will halt nur keiner wahr haben.

    Doping hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ich bin auch nicht im geringstem dem Radsport zugetan, aber gedoped wird überall, deswegen ist es absurd immer die Radler am Ochsenziemer vor zu führen.

    • zappp
    • 04.07.2012 um 16:00 Uhr

    als das eigentliche Rennen. So lange dauert es doch immer, bis die zwei oder drei bestplatzierten des Dopings überführt worden sind und der Sieger endlich feststeht. Ist doch schön, dass auf diese Weise für Radfans die Spannung länger aufrechterhalten wird, ohne das es mehr kostet.

  4. Erscheint im Zuge der Berichterstattung über die olympischen Spiele auch als erstes ein Artikel mit "Doping" in der Überschrift.

    Mich stört es als Zuschauer überhaupt nicht, wenn die Sportler gedopt sind, solange das Doping unter ärztlicher Aufsicht mit größter Rücksicht auf die mögliche Spätfolgen erfolgt. Dabei verstehe ich unter Doping auch die gängige Praxis sich an Grenzwerte "heranzudopen", obwohl das keine positive Probe nach sich zieht.

    Schauen Sie sich mal das Profil der letzten Rundfahrten an, die Tourleitung setzt inzwischen andere Akzente, als auf länger, schwerer, unmenschlicher. Man legt offensichtlich einen viel höheren Wert auf interessante Rennverläufe bei Etappen mit Klassikerprofilen, als auf die immergleichen sich zuspitzenden Duelle in den Bergen.

    Eine Leserempfehlung
  5. überhaupt keine Ahnung, weil ich nie in die Verlegenheit gekommen bin, bzw. nie jemand mir solche Avancen gemacht hat. Nur die Bilder einer Bergetappe mit den damaligen Helden Amstrong und Ulrich auf den letzten Kilometern vorm Ziel. Beide fuhren noch im Pulk vorne weg. Ich gehe einfach mal davon aus, daß die Pulkfahrer auch gut drauf waren. Was man im Fernsehen sehr gut sehen konnte war, sie fuhren "alle" an ihrer Leistungsgrenze, so verzerrt waren ihre Gesichter von der Anstrengung. Da steigt auf einmal aus heiterem Himmel ein Amstrong aus dem Sattel und lässt die anderen stehen wie Laternenpfähle. Da kann mir einer sagen was er will, das kann niemals mit rechten Dingen zugegangen sein! Wenn man die Gesichter in Nahaufnahme gesehen hat, die waren fertig, nur einer nicht, Amstrong. Ne und nochmal ne, geht nicht!

  6. 8. Sorry

    aber das: "Natürlich gibt es auch Leistungssport ohne Doping. Eine Tour ist machbar, es ist nur die Frage, auf welchem Niveau." ist eine ziemlich unrealistische Argumentationsgrundlage.

    Leistungssportler sind alle bis zu einem gewissen Level Egomanen. Jeder will siegen und jeder will Geld haben, je mehr desto besser. Von den Erwartungen von Zuschauern mal ganz zu schweigen, die wollen Entertainment und Sportler die dominieren. Nicht jeder Sportler doped, aber die meisten auf Weltklasseniveau, will halt nur keiner wahr haben.

    Doping hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ich bin auch nicht im geringstem dem Radsport zugetan, aber gedoped wird überall, deswegen ist es absurd immer die Radler am Ochsenziemer vor zu führen.

    Antwort auf "Doch!"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service