BasketballDwight Howard, der letzte Center

120 Kilo Muskeln auf 2,11 Meter: Dwight Howard ist der Gigant der NBA und der letzte seiner Art. Der Spielertyp "Big Man" wird im Basketball überflüssig. von 

Dwight Howard während eines PR-Termins

Dwight Howard während eines PR-Termins  |  © Frazer Harrison/Getty Images

3,81 Meter. Basketbälle, die in dieser Höhe auf den Korb seines Teams zufliegen , könnte Dwight Howard aus der Luft pflücken, um kontrolliert einen Gegenangriff einzuleiten. Meistens aber siegt die Lust an der Demonstration der eigenen Kraft. Dann schmettert der Center den Ball über Freund und Feind in die Zuschauerränge , begleitet von einem Jubelschrei und seinem Eddie-Murphy-Grinsen. Rund zwei dieser Blocks gelingen Howard pro Partie. Es könnten viel mehr sein, doch inzwischen wagt kaum noch ein Gegenspieler überhaupt zum Wurf anzusetzen, wenn er Howard sieht.

Dwight Howard dominiert seine Position so wie der legendäre Shaquille "Shaq" O‘Neal zur Jahrtausendwende. Der hatte sich damals zum "Last Center Left" erklärt, dieses Eigenlob aber bald zähneknirschend relativieren müssen. Der wirklich letzte Center-Spieler, murmelte O‘Neal zu seinem Karriereende in die Mikrofone, sei Dwight Howard. 20 Punkte und 10 Rebounds, das statistische Gütesiegel für diese Position, hat der in vier der vergangenen fünf Spielzeiten mühelos übertroffen.

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Dazu kommt das einnehmende Wesen des 26-Jährigen. Howard bietet mit Gesangs- und Tanzeinlagen, Schülerstreichen und Imitationen seines Trainers beste Unterhaltung. Kein Aufwärmtraining, kein noch so kurzes Interview vergeht ohne einen Lachanfall oder zumindest einen Bibelspruch für die Zuschauer daheim. Den "Justin Bieber der NBA" nannte ihn das Basketballmagazin Five – "fest entschlossen, nie zu fluchen und selbst nach einem Titelgewinn keinen Alkohol zu trinken". Dwight Howard ist ein sehr amerikanischer Star. Doch noch mehr als O‘Neal kurz vor seinem Karriereende ist Howard schon jetzt ein aussterbender Typ des NBA-Stars. Er ist ein Anachronismus, ein lebendes Fossil.

Als das Team USA vor wenigen Tagen in London überlegen Olympia-Gold gewann , fiel sein Fehlen überhaupt nicht auf. Howard, der bis dahin nie verletzt war, fiel wegen eines Bandscheibenvorfalls aus, und auch seine Ersatzmänner auf der Center-Position wurden kaum gebraucht. Lange lautete die Maxime der Talentscouts : "Ich sehe mir jeden an, der größer ist als 2,13 Meter und atmet." Doch Größe und Kraft allein sind nicht mehr genug. Der Trend geht zum schnellen Spiel mit fünf agilen, technisch beschlagenen Spielern. Die Laufwege und Passstafetten werden immer komplexer, Treffsicherheit auch aus der Distanz immer wertvoller.

Bald wird kein Team mehr einen Profi bezahlen, der sich nie einen Wurf antrainiert hat, weil er sich immer zum Korb durchtanken und dunken konnte. Howard begeht viele Fouls, muss noch mehr einstecken – und kann den Gegner nicht dafür bestrafen, weil er nicht einmal jeden zweiten seiner Freiwürfe trifft .

Jahrzehntelang war der Spielertyp des massigen "Big Man", Titelgarant Nummer Eins, nun scheint er mittelfristig passé zu sein. "Er verschwindet im Sonnenuntergang, überall auf der Welt", sagt Jerry Colangelo, der Geschäftsführer der US-Nationalmannschaft.

Leserkommentare
    • Dirac
    • 20. August 2012 17:37 Uhr

    Andrew Bynum hätte sicherlich eine andere Meinung.

    • mussec
    • 20. August 2012 18:31 Uhr

    Das stimmt teilweise.
    Wenn es mehrere Spieler wie Howard geben würde, würde man darüber nicht diskutieren.
    Dann könnte man auf das Überaschungsmoment, dass der Center auch von draußen trifft, oder seine Freiwürfe versenkt auch verzichten.
    Es gibt eben nur einen wie Howard. Der Mann ist breiter als andere Menschen groß =)
    Wenn er noch von draußen stark wäre, und gut passen könnte, wäre das Wettbewerbsverzerrung.

  1. 3. Center

    Center werden mit Sicherheit nicht überflüssig. Es gibt allerdings zurzeit wenig gute Spieler auf dieser Position. Dass die Teams händeringend Center suchen sieht man daran, dass selbst sehr mäßige (Kwame Brown) bis ganz gute, aber nicht überragende (Chris Kaman) Spieler auf dieser Position sich in der Regel einen Verein aussuchen können und auch ordentliche Gehaltsforderungen stellen können.

    • mje
    • 20. August 2012 23:31 Uhr

    Ich denke nicht, dass die Position ausstirbt, weil es nicht mehr viele gute Spieler auf ihr gibt..Howard ist der mit großem Abstand beste Center der NBA, aber Center die einen sehr, sehr wichtigen Teil ihres Teams darstellen gibt es genug: Tyson Chandler, Joakim Noah, Al Jefferson, Al Horford, Andrew Bynum, Chris Kaman, Roy Hibbert, Marc Gasol, Kendrik Perkins oder Javale McGee und DeAndre Jordan... Eine Veränderung, die aber klar sichtbar wird, ist dass die Position athletischer wird und sich vom bloßen "Zonenmonster" wegbewegt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Statist
    • 21. August 2012 12:44 Uhr

    es ist richtig, die Position wird athletischer, aber warum?

    Ernsthaft: glauben Sie, dass, wenn es 5 Howards gäbe, auch nur einer auf der Bank sitzen müsste? Größe hat Vorteile, aber auch den Nachteil, dass man sich nie anstrengen musste, um "oben" ranzukommen. Entsprechend ist die Sprungkraft allein bei vielen Großen per se nicht so gut wie sie sein könnte. An dieser Stelle müsste das Training ansetzen, und zwar verdammt früh. DANN würde man vermutlich auch wieder mehr gute Center finden, denn mind. 1-2 % werden wohl auch das nötige Ballgefühl mitbringen und auch sonst über den Platz rauschen können. Training in frühen Jahren, Jugendarbeit, dass ist imho der Schlüssel.

    • Statist
    • 21. August 2012 12:44 Uhr

    es ist richtig, die Position wird athletischer, aber warum?

    Ernsthaft: glauben Sie, dass, wenn es 5 Howards gäbe, auch nur einer auf der Bank sitzen müsste? Größe hat Vorteile, aber auch den Nachteil, dass man sich nie anstrengen musste, um "oben" ranzukommen. Entsprechend ist die Sprungkraft allein bei vielen Großen per se nicht so gut wie sie sein könnte. An dieser Stelle müsste das Training ansetzen, und zwar verdammt früh. DANN würde man vermutlich auch wieder mehr gute Center finden, denn mind. 1-2 % werden wohl auch das nötige Ballgefühl mitbringen und auch sonst über den Platz rauschen können. Training in frühen Jahren, Jugendarbeit, dass ist imho der Schlüssel.

  2. Ich habe erst heute zufällige den Artikel gelesen.

    "Mit ihm werden die L.A. Lakers in der neuen Saison auf Augenhöhe mit den Titelfavoriten Miami Heat und Oklahoma City Thunder sein."

    ...not.

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  • Schlagworte Angeles Lakers | Gardemaß | Hollywood | Kobe Bryant | Michael Jordan | USA
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