Rekordtransfer : Javi Martínez, der Apple unter den Fußballern

Der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte ist perfekt: 40 Millionen Euro zahlte der FC Bayern für Javi Martínez. Doch ist der wirklich so viel wert?
Javi Martínez, Neuzugang des FC Bayern München und teuerster Bundesliga-Einkauf aller Zeiten © PIERRE-PHILIPPE MARCOU/AFP/GettyImages

Noch nie war die Nachfrage nach den Flugnummern LH 1825 und LH 1829 so groß wie in den vergangenen Tagen. Journalisten und Fans riefen die Lufthansa-Hotline an und baten um Details über die Flüge von Bilbao nach München . Zum Verdruss des Unternehmens wollten allerdings die wenigsten verreisen – sondern meist nur erfahren, ob ein 23-Jähriger Baske an Bord sei.

Wochenlang gab es Spekulationen um Javi Martínez, den spanischen Nationalspieler, und den FC Bayern München, den deutschen Rekordmeister. Kommt er? Kommt er nicht? Erst waren den Bayern die geforderten 40 Millionen Euro zu teuer . Als sie bereit waren, die Summe zu bezahlen, wollte der Präsident von Athletic Bilbao, Josu Urrutia, nicht mehr . Am Ende drohte der Transfer gar an Fragen des spanischen Steuerrechts zu scheitern. Nach Tagen des vergeblichen Wartens verkündete der FC Bayern am Mittwoch den Wechsel.

Der Spanier ist damit der teuerste Transfer der nunmehr 50-jährigen Bundesliga-Geschichte und wirft einige Fragen auf: Wer ist dieser Martínez? Kann ein Spieler, von dem die meisten Fans noch nie etwas gehört haben, tatsächlich 40 Millionen Euro wert sein? Kann ein Mensch überhaupt 40 Millionen Euro wert sein?

Die philosophische Antwort: Nein, der Wert eines Menschen lässt sich nicht in Zahlen messen. Die ökonomische Antwort: Ja, weil Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Und der Spielertyp "moderner Sechser", den Martínez verkörpert, ist derzeit so etwas wie das Apple-Produkt auf dem Spielermarkt: Hip, leistungsstark, begehrt – und womöglich auch reichlich überteuert.

Wie bei den Produkten das amerikanischen Technologiekonzerns wird auch bei Martínez trefflich darüber gestritten, ob er sein Geld wert ist. Nein, sagen die einen. Martínez mangele es an internationaler Erfahrung. Er wurde zwar Welt- und Europameister mit der spanischen Nationalelf, saß aber bei den großen Turnieren fast immer auf der Bank. Zudem spielte er noch nie in der Champions League, die der FC Bayern endlich gewinnen will. Und überhaupt: 40 Millionen für einen Defensivmann? Als Bedenkenträger taten sich die Fußballexperten Udo Lattek ("Er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Das ist ein großes Risiko.") und Bernd Schuster ("Martínez ist das Geld nicht wert"!) hervor.

Natürlich ist der Spanier sein Geld Wert, sagen die anderen. Vor allem für den FC Bayern. Nach der vergangenen Saison, die mit drei zweiten Plätzen den hohen Ansprüchen der Münchner nicht genügte, setzte sich die sportliche Leitung zusammen. Sie sind "zur Erkenntnis gekommen, dass wir auf der sehr wichtigen Position Sechs vor der Abwehr einen sehr, sehr starken Mann brauchen", sagte Uli Hoeneß . Dreimal "sehr" in einem Satz – das beweist, wie wichtig den Bayern diese Position ist.

In der vergangenen Saison hatten die Bayern dort ihre Schwächen: Anatoliy Tymoschtschuk interpretierte die Rolle defensiv solide, ihm fehlen allerdings die Spielübersicht und die Passstärke. Luiz Gustavo wiederum ist passsicherer, aber wenig robust im Zweikampf. Javi Martínez verbindet die Stärken beider Spieler: Er ist stark in der Defensive und sicher in der Spieleröffnung. Laut Statistik gehörte er in der vergangenen spanischen Spielzeit sowohl zu den zweikampfstärksten als auch zu den passstärksten Spielern. Eine Kombination, die selten ist.

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Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

So wirds nichts

Wenn sich das von Ihnen auf die Spieler projeziert wacht man wieder auf wenn es zu spaet ist. Sie denken naemlich das es jetzt ohne problem einfach so laeuft. Es muss ja ist es doch martinez...?

Und ich finde es besser wenn es ueber schweiss herzblut willen kampf und spielkultur geht und nicht um die besten Spieler auf allen positionen und die Hoffnung es moege funktionieren.