Fans der Karlsbande beim Spiel in Bielefeld am 20. Juli 2012 © Thomas Starke/Bongarts/Getty Images

Es spielten der 1. FC Saarbrücken gegen die Alemannia aus Aachen. Die Gäste gewannen mit 2:1. Die Aachener Fans hätten zufrieden sein können, doch anstatt sich zu freuen, prügelten sie in Stadionnähe aufeinander ein. Wie mehrere Augenzeugen berichten, gingen rund hundert Mitglieder der rechten Gruppierung Karlsbande und einige Verbündete auf die als links geltenden Ultras (ACU) los, mit Gürteln, Stangen und Flaschen. Es gab Verletzte, die Angaben über die Anzahl schwanken zwischen zehn und zwanzig.

Die Polizei Saarbrücken bestätigt, dass es zu den Auseinandersetzungen zwischen den Aachener Fans gekommen ist. Ausführlicher will sie sich am Donnerstag äußern. Von Beteiligten heißt es, die Polizei habe so gewirkt, als ob sie von der Gewaltbereitschaft der Karlsbande überrascht worden sei.

Die Aachener Fan-Szene ist seit Längerem Schauplatz von politisch motivierter Gewalt. Die Ultras haben sich dem Kampf gegen Faschismus, Rassismus, Gewalt und Homophobie verschrieben. Die Karlsbande, die sich vor zwei Jahren von den Ultras abspaltete, stellt sich als unpolitisch dar. Aber es bewegen sich Neonazis in ihrem Umfeld, etwa Neonazis aus der Kameradschaft Aachener Land. Auch dem langjährigen Alemannia-Fan Sascha Wagner – ein Vorstandsmitglied des NPD-Jugendorgans Junge Nationaldemokraten – wird großer Einfluss nachgesagt.

Die Karlsbande hat sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, die Ultras aus den Stadien zu vertreiben. Die achtzig Mitglieder zählende ACU war im vergangenen Herbst und Winter mehrfach von Karlsbande-Mitgliedern attackiert und eingeschüchtert worden, oft begleitet von schwulen- und judenfeindlichem Gejohle. Manche wurden zu Hause bedroht.

In der Rückrunde der Vorsaison, in Zeiten der sportlichen Krise der Alemannia, entspannte sich die Lage scheinbar. Seit dem Abstieg in die Dritte Liga hat sich der Konflikt wieder verschärft. So wurden am vorigen Freitag vor dem Spiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund vier Autos von ACU-Mitgliedern in der Aachener Innenstadt zum Teil erheblich beschädigt.

Beobachter der Szene fürchten, dass die Strategie der Karlsbande aufgehen wird, auch weil die Ultras wenig Schutz seitens des Vereins und der Polizei erführen. "Es gibt in Aachen eine schweigende Mehrheit, die die Gewalt duldet, weil sie die Ansichten der Ultras als überflüssig empfindet. Das ist das größte Problem", sagt ein aus dem Rheinland stammender Fan eines anderen Vereins, der die Situation in Aachen seit Jahren verfolgt.