DFB-Pokal-Vorschau : Der Kalte Krieg zwischen Kahn und Scholl

Oliver Kahn gegen Mehmet Scholl, Werder Bremen gegen seine Anhänger: Die interessantesten Duelle finden am Wochenende nicht auf dem Rasen statt. Die DFB-Pokal-Vorschau
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Oliver Kahn und Mehmet Scholl wärmen sich 2006 gemeinsam auf. © Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Die ARD überträgt am Montagabend die Partie Jahn Regensburg gegen den FC Bayern . So gerne wir in den "Warum zeigen die Öffentlich-Rechtlichen im Pokal stets die Bayern?"-Mecker-Modus verfallen würden, muss erwähnt werden, dass die Alternativen fehlen. Im Vergleich zu Spielen wie FC Oberneuland gegen den BVB oder Falkensee-Finkenkrug gegen den VfB Stuttgart erscheint das bayerische Duell wirklich attraktiv. Einzige Alternative wäre das West-Derby Alemannia Aachen gegen Borussia Mönchengladbach gewesen, allerdings sollte man bei Partien mit Aachener Beteiligung im Moment vorsichtig sein – zu groß ist die Gefahr, dass die aufstrebenden faschistischen Fangruppierungen die Plattform nutzen, um in die Schlagzeilen zu geraten.

Welches Spiel dürfen Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Alle anderen. "Der DFB-Pokal hat seine ganz eigenen Gesetze" – dem Erfinder dieses Slogans gebührt ein Marketing-Preis. Seit Jahren wird der eher zweifelhafte Wert des Pokals dadurch aufgewertet, dass ab und an ein Drittligist einen Top-Klub schlägt. Statistisch gesehen gewinnen jedoch 16 der 18 Bundesligisten ihre Erstrundenspiele mühelos und erzielen dabei zwischen 3 und 30 Toren. Bevor sie jetzt rätseln, welche zwei Vereine es an diesem Wochenende erwischen könnte: Nutzen Sie Ihre Zeit sinnvoller. Sie könnten etwa Ihre Geographie-Kenntnisse aufzufrischen. Wo liegen gleich noch einmal Großaspach, Hennef oder Schönberg? Apropos Schönberg: Deren Spieler haben vor der Partie gegen den  VfL Wolfsburg das Tor vernagelt:


 

Für Fans anderer Klubs war der Wiesenhof-Deal ein gefundenes Fressen.

Wer steht im Blickpunkt?

Seit klar ist, dass Wiesenhof in Zukunft die Bremer Brust zieren wird, protestieren die Fans in Scharen. Sie möchten nicht, dass ihr Klub von einem Unternehmen gesponsert wird, das bei Tierschützern in der Kritik steht . Auf der Werderaner Geschäftsstelle hat man mit solch einem Protest offensichtlich nicht gerechnet, schließlich sorgten in der Vergangenheit politisch brisante Sponsorendeals für wenig Aufsehen. Bestes Beispiel hierfür ist der Deal zwischen dem FC Schalke und dem russischen Energie-Monopolisten Gazprom. Scheint so, als ob Fußballfans Geflügel wichtiger ist als Außenpolitik.

Worüber werden nach dem DFB-Pokal alle reden?

Zumindest in Baden über den Marsch der Nöttinger. Der Fünftligist FC Nöttingen hat mit dem Bundesligisten Hannover 96 ein attraktives Los erwischt. Um möglichst viel Geld mit dem Ticketverkauf zu verdienen, beschloss der Verein, das Spiel in einem größeren Stadion auszutragen. Des Kassenwarts Freud, des anderen Leid: Eine Gruppe von Nöttinger Fans möchte unbedingt am Ritual festhalten, zu Fuß zum Stadion zu gehen. Nun müssen sie ins 80 Kilometer entfernte Reutlingen wandern . Traditionen sind im Fußball halt wichtig.

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Bayernnomie

so langsam kommt es einem vor als wenn die Bayern nur noch "geputscht" werden
....Aufstellung gegen Argentinien
....Schonung der Bayernspieler gegen Argentinien
....Vor der EM noch schnell ein Sonderspiel gegen Holland
....Kommentatoren Kahn (selbstherrlich) und Scholl (zu offen)
....Veranstaltung eines Supercup, wo doch der eigentliche Sieger durch Double vorher schon feststand.

Nein es nimmt Überhand mit der Protektion von Bayern München und das für einen Fußballverein der in den letzten 2 Jahren weder Meister noch Pokalsieger wurde...

Uli ist „eine ganz arme Sau“ …

Er gilt als der Erfolgsmensch im deutschen Fußball, aber für mich verkörpert er wie kein anderer das kranke und völlig überdrehte System, Uli Hoeneß. Sein Weltbild ist derart simpel, dass einem angst und bange werden kann, dass Viele sich ausgerechnet an ihm orientieren wollen.

„Wirtschaftlich können wir uns das leisten. Dafür haben wir jahrzehntelang gearbeitet, dass man für so einen Transfer nicht in die Kreditabteilung gehen muss.“ Er trägt die eigene Arroganz gerne zur Schau, dementsprechend zeichnet sich sein absolutes Unverständnis in seinem Gesicht ab, wenn er wieder einmal im eigenen Stadion (Koan Neuer) ausgepfiffen wird. Der Einkauf von Sammer verkörpert für mich förmlich sein Unvermögen und seine innere Verzweiflung.

Die Medien leben von solchen Figuren mehr als gut und dementsprechend bieten sie nur zu gern immer wieder ihre Plattform an. Die Liste an Dummschwätzern ist mittlerweile derart lang, dass man keinen Einzelnen mehr hervorheben muss. Was man vom fachkundigen deutschen Fernsehpublikum halten soll, beurteile ich mit wachsender Faszination immer daran, dass Siege der Nationalmannschaft – egal wie sie zustande kamen – relativ schnell in eine positive Hysterie ausufern und andersrum, Niederlagen zu abgrundtiefen Rechtfertigungsanalysen Anlass bieten.

„Sport ist die schönste Nebensache der Welt“, bei aller Professionalität sollte es möglich sein, den Kern der Aussage weiterhin zu leben und zu vermitteln.

Politisch brisant? Zweifelhafter Wert?

Verstehe ich nicht? Ist Schalke 04 dem Außenministerium unterstellt? Vielleicht könnte man moralische Bedenken anbringen, dann aber auch bitte bei anderen Vereinen, wie z.B. Dortmund mit der Werbung für den "Abzockmonopolisten" und dem angeschlagenen Autobauer, der seinen Mitarbeitern Zugeständnisse abtrotzt und Stellen abbaut, um dann Millionen an einen Fußballklub zu geben.
Offensichtlich darf man das russische Gas verbrauchen, oder aber auch als ehemaliger Bundeskanzler für russische Unternehmen arbeiten, aber werben? Nee, das geht natürlich gar nicht. Und überhaupt, was sind schon ein paar Hühner? Sind doch bloß Lebewesen, oder?

Warum hat der Pokal einen zweifelhaften Wert? Pokalspiele, ausgenommen die erste Runde, haben einen hohen Unterhaltungswert. Denken Sie nur an das diesjährige Finale. Durch die K.O.-Spiele ist der Pokal das spannende Pendant zur Liga, deren sportlicher Wert selbstverständlich höher einzuordnen ist. Durch den Pokal können Vereine verkorkste Spielzeiten doch noch retten, wie z.B. Schalke 04 2011. Für andere Vereine, die unter ferner liefen einzuordnen sind, ist es die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, zusätzliches Geld einzunehmen, und möglicherweise im folgenden Jahr international dabei zu sein. Fragen Sie doch einmal den Greuther Fürth, ob die Ihrer Ansicht zustimmen. Oder den letztjährigen Pokalfinalisten MSV Duisburg.
Also, ich find' den Pokal klasse. Wenn es den nicht schon, gäbe, man müsste ihn erfinden.