Hans-Peter Friedrich"Ich habe heute zweimal auf den Medaillenspiegel geschaut"

Innen- und Sportminister Friedrich findet die deutschen Medaillenergebnisse "durchaus ausbaufähig". Im Tagesspiegel-Interview regt er neue Wege in der Sportförderung an.

Frage: Herr Friedrich, haben Sie beim Besuch in London Ihren olympischen Moment erlebt?

Hans-Peter Friedrich: Ich bin ja das erste Mal bei Olympischen Spielen und habe gleich bei meinem ersten Wettkampfbesuch einen sportlichen Glücksmoment erlebt. Beim Turnen im Mehrkampf. Da war Marcel Nguyen nach dem ersten Gerät auf Platz 24. Und irgendwann, als er auf Platz zehn oder elf war, habe ich gefragt: Wann hat eigentlich schon einmal ein Deutscher eine Medaille im Mehrkampf geholt? Keiner meiner Sitznachbarn wusste das so genau. Dann plötzlich kam es immer näher. Für mich war das die fantastischste Medaille überhaupt. Ja, das war mein olympischer Moment.

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Frage: Ein anderer Moment beschäftigt derzeit Deutschland. Die Ruderin Nadja Drygalla ist aus London abgereist, nachdem bekannt geworden war, dass ihr Lebensgefährte für die NPD kandidiert hatte. Können Sie glauben, dass davon niemand im deutschen Team etwas gewusst hat?

Friedrich: Dieser Fall schlägt in der Tat sehr hohe Wellen. Jetzt müssen erst einmal der Sachverhalt und die Hintergründe aufgeklärt werden, bevor man sich voreilig äußert.

Frage: Gibt es etwas bei Olympia, das Ihre Perspektive als Sportminister prägen könnte?

Friedrich: Bei den Gesprächen hier mit sehr vielen Experten und Präsidenten der Fachverbände gibt mir jeder mal eine Idee mit auf den Weg. Und ich habe das Gefühl: Es gibt noch Dinge zu tun. Wir müssen mal neue Wege gehen und etwas ausprobieren.

Frage: Was meinen Sie damit?

Friedrich: Ich glaube, man muss zum Beispiel die Übergänge zwischen Nachwuchs- und Leistungssport noch mehr im Blick haben. Ich will mich nicht in Länderkompetenzen einmischen, sondern setze dabei auch ein bisschen auf die Wirtschaft. Vielleicht kann auf lokaler Ebene mal ein Leistungsnachwuchsteam gegründet werden, gefördert von einem Unternehmen. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass wir auf die ganze Breite der olympischen Sportarten setzen sollten, nicht nur auf die, in denen wir die meisten Medaillenchancen haben.

Frage: Manche Sportler, wie der Judoka Ole Bischof, sagen: 15.000 Euro als Prämie für eine Goldmedaille sind im Vergleich zu anderen Ländern mickrig. Sehen Sie das auch so?

Friedrich: Verstehen kann ich das schon. Die Sportler investieren unheimlich viel Zeit, Kraft und Energie. Am Ende jubeln Millionen, wenn es Gold gibt. Aber für die Prämien der Sportler ist ja nicht die Politik zuständig, sondern der Sport. In einer Staatswirtschaft kann man sagen: Du bist jetzt unser Staatssportler und bekommst eine Pension. Aber das ist nicht unsere Tradition.

Frage: Wie oft schauen Sie eigentlich im Moment auf den Medaillenspiegel?

Friedrich: Ich gebe zu, heute habe ich zweimal draufgeschaut, um zu sehen, ob uns jemand überholt hat. Wenn wir da übrigens China zum Maßstab nehmen würden, müssten wir ganz Europa zusammenzählen. Dann könnten wir auch ganz gut mithalten. Obwohl Europa auch dann nur halb so groß wäre wie China.

Leserkommentare
    • mussec
    • 06.08.2012 um 15:41 Uhr

    dass die Nationalgefühle von dem Herrn mit den Locken nicht befriedigt werden konnten.

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    Und ich finde es traurig, dass die Haarpracht des Innenministers irgendeine Erwähnung finden muss. Hätte er sich die Haare geglättet, würden Sie genauso rumstänkern. Wetten?

    Und ich finde es traurig, dass die Haarpracht des Innenministers irgendeine Erwähnung finden muss. Hätte er sich die Haare geglättet, würden Sie genauso rumstänkern. Wetten?

  1. "Wenn wir das nicht mehr erbringen, frage ich mich: Was wollen wir überhaupt noch? Wir wollen keine Flughäfen mehr, keine unterirdischen Bahnhöfe, keinen Transrapid und keine neuen Autobahnen. Wir steigen überall aus. Welche Zukunftsvisionen sollen die Identität der Bundesrepublik Deutschland überhaupt noch prägen? Wenn wir zu allem sagen: wollen wir nicht, brauchen wir nicht, dann wäre das eine ganz schlechte Entwicklung."
    Es ist wunderbar wie sich dieser man selbst lächerlich macht.
    Ja die Identität der Deutschen ist wichtig. Was wäre die Welt nur ohne Deutsche.?:D
    Wir leben in einer Demokratie und nicht in einer Diktatur, die sich allen anderen beweißen muss. Es geht um den Staat und deren Bürger, nicht um irgend eine Nation.
    Warum sollte man Spiele, Flughäfen etc holen bauen nur um die Großmannssucht einzelner weniger zu befriedigen und deren Taschen zu füllen.
    Die CSU ist eine sehr lustige Vereinigung von Menschen die in der Steinzeit schon von vor vor gestern waren.

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    • Nest
    • 06.08.2012 um 16:12 Uhr

    Da erzählt man den Bürgern jahrelang, dass sie "über ihre Verhältnisse leben" und "den Gürtel enger schnallen müssen" und wundert sich dann, dass kein Verständnis für aberwitzig teure Prestigeprojekte da ist.
    Kognitive Dissonanz.

    • Nest
    • 06.08.2012 um 16:12 Uhr

    Da erzählt man den Bürgern jahrelang, dass sie "über ihre Verhältnisse leben" und "den Gürtel enger schnallen müssen" und wundert sich dann, dass kein Verständnis für aberwitzig teure Prestigeprojekte da ist.
    Kognitive Dissonanz.

  2. "Frage: Das Berliner Verwaltungsgericht hat das Bundesinnenministerium gerade aufgefordert, die Zielvereinbarungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund offen zu legen. Werden wir bald wissen, wer wie viele Medaillen gewinnen MUSS?"

    Danach kann Minister Friedrich gerne ausführlich um den nun frischen und heißen Brei herum reden (was er auch tut), es stehen zwei Dinge im Raum, die seine gespielte Freude über die Spiele überschatten:

    Es gibt eine Vereinbarung (=Grundlage der Klage) über die konkrete Anzahl der "zu gewinnenden" Medaillen und, als wäre das nicht schon dem Sportgedanken an sich abtrünnig genug, sie wird auch noch geheim gehalten.

    "Bin nicht zuständig" sagt er uns dann. Der finale Rettungsgriff einer jeden Fragerunde mit dem Mann, der das Innenministerium als zuständiger Minister leitet.

    Der Blick aufs Urteil offenbart das Gegenteil, deuten Sie den Rest. Nett auch, dass er die Transparenz als teuren Spaß für den Bürger deutet. Ja wo kämen wir denn hin, wenn schwarz auf weiß zu lesen wäre, was man sich unter "Sportförderung" konkret vorstellt?

    Hier spricht ihr Innenminister, Damen und Herren: "Transparenz war aus, wir machen weiter wie bisher." Da wird einem nicht nur beim Thema Sport ein wenig unwohl.

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    • Nest
    • 06.08.2012 um 16:12 Uhr

    Da erzählt man den Bürgern jahrelang, dass sie "über ihre Verhältnisse leben" und "den Gürtel enger schnallen müssen" und wundert sich dann, dass kein Verständnis für aberwitzig teure Prestigeprojekte da ist.
    Kognitive Dissonanz.

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    Antwort auf "Herrlich"
    • TDU
    • 06.08.2012 um 16:13 Uhr

    "Aber für die Prämien der Sportler ist ja nicht die Politik zuständig, sondern der Sport."

    Aber in die Möglichkeiten, welche zu verdienen, mischt sie sich ein. Mit Proporz und Günstlingswirtschaft. Muss ja nicht sein wie in China, aber dafür vielleicht private Initiativen.

    Vielleicht würde die Superreichen ja was abgeben. Für den Sport und das Ansehen des Staates (natürlich nicht des Landes) statt alles inden großen Topf, wo im Grunde ausser für seine Diener nichts Schmackhaftes angerührt wird.

  3. ...frage ich mich: "Was wollen wir überhaupt noch? Wir wollen keine Flughäfen mehr, keine unterirdischen Bahnhöfe, keinen Transrapid und keine neuen Autobahnen. Wir steigen überall aus. Welche Zukunftsvisionen sollen die Identität der Bundesrepublik Deutschland überhaupt noch prägen?"

    Gibt es in Ihrem Weltbild keine anderen erstrebenswerten Werte als unterirdische Bahnhöfe, Transrapid und Autobahnen?

    Nur mal so als Anregung zum Nachdenken:

    Soziale Gerechtigkeit?
    Bildung und Bildungschancen für alle?
    Völkerverständigung statt Beteiligung an Kriegen?
    Nachhaltigkeit?
    Umweltschutz?
    Bessere Beteiligung des Bürgers am demokratischen Prozess?
    Bekämpfung von Korruption?

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  4. Der koreanische Olympiasieger im Bogenschießen bekommt ab sofort eine Rente von 3000 $/Monat, dazu ein Haus und einen sicheren Job als Trainer. In seiner Heimat ist er zudem ab jetzt ein Held (und wird es für immer bleiben).
    Hierzulande ist das leider ganz anders. Anreize dieser Art fehlen. Die ehemalige Schwimmsiegerin B. Steffen würde man am liebsten teeren, federn und vom Hof jagen, weil sie ihre Leistung von einst nicht mehr abrufen konnte und darüber nicht in Tränen ausbrach.
    Dabei färbt sportlicher Erfolg des Einzelnen auf das ganze Land ab, wie man jetzt sehr schön in GB sieht - und wie man es 1954 auch in D ganz gut sehen konnte.

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    • FranL.
    • 06.08.2012 um 19:29 Uhr

    In gewisser Weise widersprechen Sie sich selbst. Sie stellen einerseits die Belohnung des koreanischen Olympiasiegers durch seinen Staat als Vorbild dar und behaupten, sportliche Erfolge würden auf das ganze Land abfärben. Andererseits beklagen Sie, zu Recht, daß man eine Sportlerin, die gerade nicht so erfolgreich ist, am liebsten teeren und federn würde. Nur wenn Sportler dermaßen in den Himmel gehoben werden, ist die Enttäuschung über schlechtes Abschneiden auch so extrem. Gegen Prämien und Sponsorenverträge an sich ist nichts einzuwenden. Es ist auch logisch, daß ein erfolreicher Sportler eine Stellung als Trainer (und ein entsprechend hohes Gehalt) bekommt, aber eine lebenslange Rente für eine einnmalige Leistung ist doch übertrieben. In der DDR unseligen Angedenkens nannte man Sportler offiziell auch "Diplomaten im Trainingsanzug". Haben die (oft auch durch Doping erzielte) Sporterfolge dem Land wirklich internationales Ansehen verschafft? Wohl eher nicht. Es galt schon fast als Opposition unsportlich zu sein und kein Interesse am Abschneiden der DDR-Sportler zu haben, das weiß ich aus eigener Erfahrung, mußte mich schließlich auch von DDR-Sportlehrern triezen lassen. Es sind die kulturellen aber auch wirtschaftlichen und politischen Leistungen von denen das Ansehen eines Landes abhängt, Nordkorea steht im Medaillenspiegel vor Dänemark und Neuseeland.

    • FranL.
    • 06.08.2012 um 19:29 Uhr

    In gewisser Weise widersprechen Sie sich selbst. Sie stellen einerseits die Belohnung des koreanischen Olympiasiegers durch seinen Staat als Vorbild dar und behaupten, sportliche Erfolge würden auf das ganze Land abfärben. Andererseits beklagen Sie, zu Recht, daß man eine Sportlerin, die gerade nicht so erfolgreich ist, am liebsten teeren und federn würde. Nur wenn Sportler dermaßen in den Himmel gehoben werden, ist die Enttäuschung über schlechtes Abschneiden auch so extrem. Gegen Prämien und Sponsorenverträge an sich ist nichts einzuwenden. Es ist auch logisch, daß ein erfolreicher Sportler eine Stellung als Trainer (und ein entsprechend hohes Gehalt) bekommt, aber eine lebenslange Rente für eine einnmalige Leistung ist doch übertrieben. In der DDR unseligen Angedenkens nannte man Sportler offiziell auch "Diplomaten im Trainingsanzug". Haben die (oft auch durch Doping erzielte) Sporterfolge dem Land wirklich internationales Ansehen verschafft? Wohl eher nicht. Es galt schon fast als Opposition unsportlich zu sein und kein Interesse am Abschneiden der DDR-Sportler zu haben, das weiß ich aus eigener Erfahrung, mußte mich schließlich auch von DDR-Sportlehrern triezen lassen. Es sind die kulturellen aber auch wirtschaftlichen und politischen Leistungen von denen das Ansehen eines Landes abhängt, Nordkorea steht im Medaillenspiegel vor Dänemark und Neuseeland.

  5. 7.-klassiger Politiker belehrt erstklassige Sportler.

    Ein jeder kehr vor seiner Tür,...

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    Wenn "erstklassige" Sportfunktioniäre solche "Zielvereinbarungen" unterschrieben haben und diese nicht einhalten können, dann müssen sie nun einmal gehen - allein schon wegen der Unterschrift.

    Wenn "erstklassige" Sportfunktioniäre solche "Zielvereinbarungen" unterschrieben haben und diese nicht einhalten können, dann müssen sie nun einmal gehen - allein schon wegen der Unterschrift.

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