Eigentlich wollten Rene Wegner und seine Freunde im Freibad Fußball spielen, doch der Platz war besetzt. Sie wichen auf die Tischtennisplatte aus und köpften sich den Ball über das Netz zu. Das war im Jahr 2006, als eine neue Sportart, Headis, geboren war.

Zwei Jahre später gründet der Diplom-Sportlehrer Wegner die erste Headis-Hochschulsportgruppe in Saarbrücken . Nach und nach findet die junge Sportart immer mehr Anhänger. Mittlerweile gibt es acht Vereine von Köln bis Dresden , von Hannover bis Erlangen . Seit 2011 sind Wegner und Co. in einem Verband organisiert.

Durch die TV-Sendung Schlag den Raab, wo Headis vor gut einem Jahr im Programm war, wurde Headis noch bekannter. Zur wachsenden Popularität tragen auch die einfachen Regeln bei. Wie beim Tischtennis geht ein Satz bis 11, jeder Spieler hat drei Angaben in Folge. Geköpft wird mit einem speziellen Ball, der in Größe und Gewicht zwischen Handball und Volleyball liegt.

Anders als beim Tischtennis sind das Berühren der Platte genauso wie Volleys erlaubt, was spektakuläre Hechtsprünge möglich macht. Dennoch ist Headis keine gefährliche Sportart. "Weil man die Hände immer auf der Platte hat, stößt man sich selten den Kopf", sagt der 30-jährige Wegner. "Bisher musste kein Spieler wegen einer Verletzung ein Spiel aufgeben. Mehr als Schürfwunden gab es nicht."

Jährlich starten die besten Headis-Spieler in Deutschland bei etwa zehn Turnieren. Zum Sport gehören spezielle Wettkampf-Namen: Headonis, Headi Bobic, David Beckhead, Head and Shoulders, Wegner nennt sich Headi-Potter. Zum Headis-Event gehören wie bei der seit 2008 jährlich stattfindenden Weltmeisterschaft neben Ball und Platte auch DJ-Musik und eine entsprechende After-Sport-Party.

Bei der diesjährigen WM, die Ende Juli im Rahmen des Fanfestes des 1. FC Kaiserslautern ausgespielt wurde, waren unter den rund 100 Teilnehmern nur eine Handvoll Starter aus dem Ausland. Das könnte sich jedoch ändern, glaubt Wegner: "In Tschechien wird gerade an der Einführung einer Turnierserie gearbeitet. Und in Skandinavien wird Headis schon an einigen Schulen gespielt."

Der bisher erfolgreichste WM-Teilnehmer ist Marvin Löscher. Der 27-jährige Sportstudent, in der Szene als Marvelous96 bekannt, spielt seit 2008 Headis. Sein damaliger Snowboardlehrer Wegner zeigte ihm das Spiel. Seitdem stand Löscher viermal im WM-Finale und gewann dreimal den Titel.

"Ich habe früher Tennis und Tischtennis gespielt. Und seit ich vier bin, spiele ich Fußball", sagt Löscher. So bringe er das nötige Ballgefühl mit. Zwar ist er mit 1,78 Meter nicht der größte und auf dem Fußballplatz auch nicht der beste Kopfballspieler. Beim Headis kommt es aber mehr auf Beweglichkeit an. Das Wichtigste sei ohnehin die Beinarbeit, sagt Löscher: "Man muss immer ein bisschen gebückt stehen und in die Hocke gehen."