Hammerwerfen: Der Kampfrichter und das gute alte Maßband
Die Hammerwerferin Betty Heidler warf die drittbeste Weite. Dass sie Bronze gewinnt, stand wegen eines Messfehlers lange infrage – nicht der erste Patzer bei Olympia.
© Alexander Hassenstein/Getty Images Sport

Betty Heidler und ihr Held
Am Freitagabend lief der Wettkampf der Hammerwerferinnen, als die Frankfurterin Betty Heidler zu ihrem fünften Versuch antrat. Sichtbar für alle landete der Hammer hinter der 76-Meter-Marke, also in Medaillennähe. Doch das Ergebnis wurde nicht angezeigt, auch nicht vom Computer gespeichert. Also lag kein Messergebnis vor, als wollten die Kampfrichter die hohen sportlichen Ziele der Deutschen unterwandern.
Nach intensiven Diskussionen durfte die 28-jährige Weltrekordhalterin den Versuch wiederholen, blieb aber unter 70 Metern und machte den Wurf ungültig. In ihrem sechsten und letzten Versuch kam Heidler auf 72,77 Meter. Am Ende belegte sie mit 73,90 Metern den achten Platz. Zunächst.
Nach dem Wettkampf und langen Debatten begann die Jury damit, alle Weiten über 75 Meter noch einmal mit dem guten, alten Maßband zu prüfen. Das hatte den Flair von Bundesjugendspielen – und es hatte Folgen. Heidlers Wurf wurde auf 77,13 Meter festgelegt. Das bedeutete Bronze hinter der Russin Tatjana Lysenko (78,18) und Anita Wlodarczyk aus Polen (77,60).
Weil die Chinesin Zhang Wenxiu (76,34) jedoch dadurch aus den Medaillenrängen fiel, legte ihr Verband Protest gegen die Wertung ein. Der wurde spät in der Nacht abgewiesen. Immerhin verbuchten die Chinesen einen Teilerfolg, denn Heidlers Weite wurde nachträglich um einen Zentimeter auf 77,12 Meter nach unten korrigiert.
"Objektiv ist das ein Skandal. Für Betty Heidler war das kein regulärer Wettkampf", sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV). Heidler nahm es gelassener. Sie habe sich sogar bei dem Kampfrichter bedankt, der ihr die freudige Botschaft überreichte, sagte sie vor der Fernsehkamera. "Ich habe ihm gesagt, dass er mein Held ist."
Es ist nicht der erste Debatte um Sportrichter bei diesen Olympischen Spielen. Ein Boxer gewann seinen Kampf, obwohl er sechsmal zu Boden ging. Britta Heidemann profitierte in ihrem Halbfinalkampf davon, dass eine Sekunde im Fechten ein dehnbarer Begriff ist. Die deutsche Siebenkämpferin und spätere Silbermedaillengewinnerin Lilli Schwarzkopf wurde vorerst disqualifiziert, weil die Kampfrichter ihren linken Fuß mit dem linken Fuß ihrer Konkurrentin verwechselt hatten. Mit ihrer Schicksalsgenossin werde sie sich nun austauschen, sagte Heidler später.
Wird es nun Forderungen nach technischen Hilfsmitteln geben, etwa dem Chip im Hammer? Sigi Heinrich, der Kommentator auf Eurosport, sagte während der Übertragung: "Da schickt man wegen ein paar Steinen Sonden auf den Mars und kann bei Olympia nicht richtig messen."









"Nach intensiven Diskussionen durfte die 28-jährige Weltrkordhalterin den Versuch wiederholen, blieb aber unter 70 Metern und machte den Wurf ungültig."
Wenn man bei der Wiederholung nicht weit genug hämmert, wird die Wiederholung halt für ungültig erklärt, der vorherige, gestrichene (weil nicht gemessene) Versuch wieder reaktiviert und der zugehörige Einschlag mit Maßband gemessen?
Ich kann den Frust der Vierten nachvollziehen - entweder, oder!
Da es leider nicht im Artikel wirklich deutlich wird: Einen Versuch "ungültig machen" bedeutet, dass der/die Athlet/in absichtlich übertritt, weil die erzielte Weite nicht offiziell in die Wertung mit aufgenommen werden soll. Die nachträgliche und mehr als faire Nachmessung der Weite aus dem fünften Versuch Heidlers ist mehr als gerechtfertigt, da es nunmal nicht die Schuld der Athletin war, dass ihr Versuch nicht gemessen werden konnte. Dazu kommt noch, dass der Artikel leider verschweigt, warum die Weite dann nachträglich nach unten korrigiert worden ist. Und zwar hat der Computer wohl doch die Weite erfasst, diese aber zunächst nicht ausgegeben. Insgesamt ein sehr unglücklicher, wenn gleich sehr seltener Fehler. Ich finde, dass gerade die Leichtathletik einen sehr hohen Stand an Technik in Messung vorweisen kann. Davon könnten sich andere Sportarten (siehe Bsp. im Bericht sowie Fußball) gern eine Scheibe abschneiden.
Gruß
Da es leider nicht im Artikel wirklich deutlich wird: Einen Versuch "ungültig machen" bedeutet, dass der/die Athlet/in absichtlich übertritt, weil die erzielte Weite nicht offiziell in die Wertung mit aufgenommen werden soll. Die nachträgliche und mehr als faire Nachmessung der Weite aus dem fünften Versuch Heidlers ist mehr als gerechtfertigt, da es nunmal nicht die Schuld der Athletin war, dass ihr Versuch nicht gemessen werden konnte. Dazu kommt noch, dass der Artikel leider verschweigt, warum die Weite dann nachträglich nach unten korrigiert worden ist. Und zwar hat der Computer wohl doch die Weite erfasst, diese aber zunächst nicht ausgegeben. Insgesamt ein sehr unglücklicher, wenn gleich sehr seltener Fehler. Ich finde, dass gerade die Leichtathletik einen sehr hohen Stand an Technik in Messung vorweisen kann. Davon könnten sich andere Sportarten (siehe Bsp. im Bericht sowie Fußball) gern eine Scheibe abschneiden.
Gruß
in London haben mich restlos begeistert!
wonach bei einem Tie zur vollen Sekunde aufgerundet wird?
So wie ich es im Fernsehen gehört/gesehen habe, war "der Held" von Betty Heidler eine Schiedsrichterin. Zwar auch ergraut und kurzhaarig, aber nicht die Person auf dem Foto.
... sondern die korrekte Auslegung der Regeln, weshalb sich der koreanische Trainer später auch bei ihr entschuldigt hat. Und wenn die Redaktion mir dies nicht glaubt, dann kann sie dies in DER ZEIT nachlesen
Da es leider nicht im Artikel wirklich deutlich wird: Einen Versuch "ungültig machen" bedeutet, dass der/die Athlet/in absichtlich übertritt, weil die erzielte Weite nicht offiziell in die Wertung mit aufgenommen werden soll. Die nachträgliche und mehr als faire Nachmessung der Weite aus dem fünften Versuch Heidlers ist mehr als gerechtfertigt, da es nunmal nicht die Schuld der Athletin war, dass ihr Versuch nicht gemessen werden konnte. Dazu kommt noch, dass der Artikel leider verschweigt, warum die Weite dann nachträglich nach unten korrigiert worden ist. Und zwar hat der Computer wohl doch die Weite erfasst, diese aber zunächst nicht ausgegeben. Insgesamt ein sehr unglücklicher, wenn gleich sehr seltener Fehler. Ich finde, dass gerade die Leichtathletik einen sehr hohen Stand an Technik in Messung vorweisen kann. Davon könnten sich andere Sportarten (siehe Bsp. im Bericht sowie Fußball) gern eine Scheibe abschneiden.
Gruß
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