NationalmannschaftJoachim Löw ist jetzt in der Bringschuld

Die Gewissheit, dass Joachim Löw alles richtig macht, ist obsolet. Für ihn beginnt mit dem Spiel gegen Argentinien etwas Neues: Er muss Vertrauen zurückgewinnen. von Stefan Hermanns

Joachim Löw vor dem Spiel gegen Argentinien

Joachim Löw vor dem Spiel gegen Argentinien  |  © Patrik Stollarz/AFP/GettyImages

Im Lebenslauf von Joachim Löw gibt es seit diesem Sommer einen weißen Fleck. 45 Tage fehlen: von der Rückkehr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aus Warschau am 29. Juni bis zum Montag dieser Woche. Was der Bundestrainer in dieser Zeit getan hat, wo und wie er das Ausscheiden bei der Europameisterschaft verarbeitet hat, das wissen offenbar selbst seine Vertrauten nicht genau. Gesichert ist für diesen Zeitraum nur, dass Löw sich mit Wolfgang Niersbach , dem Präsidenten des Deutschen Fußballbundes ( DFB ), getroffen und dem Präsidium des DFB vor einer Woche seine Analyse der Europameisterschaft präsentiert hat.

Am Montagmittag war der Bundestrainer dann plötzlich wieder da, als wäre nichts Besonderes passiert. Löw sah aus wie immer, akkurat frisiert, modisches Hemd, gesunde Gesichtsfarbe. In Wirklichkeit aber ist Joachim Löw ein anderer als vor 45 Tagen.

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Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Halbfinalniederlage gegen Italien hat der Bundestrainer einen fast halbstündigen Rechtfertigungsmonolog gehalten und sich nur kurz der Gegenwart, dem Testspiel gegen Argentinien am heutigen Mittwoch, gewidmet. "Die Vorfreude ist jetzt wieder groß", sagte Löw. Besonders freudig sah er allerdings nicht aus. Die heftige Kritik an ihm und seiner Mannschaft hat ihn getroffen. In diesem Sommer ist etwas kaputtgegangen. Bei Löw. Aber auch beim Publikum, das dem Bundestrainer stets positiv zugeneigt war.

Die Gewissheit, dass Löw alles richtig macht, ist mit der Niederlage gegen Italien obsolet geworden – auch wenn Sami Khedira im Namen der Mannschaft das Gegenteil behauptet. "Der Trainer hat letztendlich alles richtig gemacht", sagte der Nationalspieler von Real Madrid . "Wir haben ihm zu hundert Prozent vertraut, und wir werden ihm auch künftig zu hundert Prozent vertrauen."

Rein formal fängt mit dem Test gegen Argentinien für die Nationalmannschaft ein neuer Turnierzyklus an, der in zwei Jahren mit der WM in Brasilien endet. Für Löw aber beginnt die vielleicht wichtigste Phase seiner Amtszeit.

Einen "Neustart ohne Bonus" hat das Fachmagazin Kicker für den Bundestrainer ausgerufen. Er muss das Vertrauen zurückgewinnen, das er in Polen verspielt hat. Und er muss endlich einen Titel gewinnen. "Die Schritte, die wir in den vergangenen Jahren gemacht haben, waren groß", sagt Löw. "Jetzt werden sie kleiner." Gehen muss man sie trotzdem.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. ..machen das schon - es geht ja um nichts.

    4 Leserempfehlungen
    • Bashu
    • 15. August 2012 17:55 Uhr

    Viele andere große Fussballnationen haben sich schon das Halbfinale vorm Fernseher angeschaut, also was soll die Aufregung.

    Wer Spanien im Finale gesehen hat, weiß dass sie (wieder mal) unschlagbar gewesen wären.

    Außer Spanien gibt es aus deutscher Sicht keine übermächtigen Mannschaften mehr. (Angstgegner Italien gewann mit zwei Sonntagsschüssen die man nicht jeden Tag so macht). Das war vor 6 Jahren noch ganz anders und das ist mit Verdienst von Löw.

    Für einen Titel muss alles stimmen, auch das Quäntchen Glück.

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    • Voce
    • 15. August 2012 18:19 Uhr

    hinter Ihren Trainer stellen, schließlich waren sie unter Löws Obhut bisher tatsächlich gut, aber letztlich leider nicht gut genug.

    Aber noch sind ja Hopfen und Malz nicht verloren, denn Löw und sein Team erhalten in 2 Jahren die einmalige Chance sich durch den Gewinn des Titels im Lande des 5-maligen Weltmeisters Brasilien für alle bisherigen Enttäuschungen (viele waren es ja ohnehin nicht) nachhaltig zu rehabilitieren. Also zeigt dann auch endlich allen Kritikern, wo der Hammer hängt.

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  2. nun MUSS er auf Schweini und Gomez verzichten. Jetzt braucht er keinen Mut sondern zwangsläufig kann die Mannschaft sich nunmehr in die richtige Richtung entwickeln.

  3. die brandrede von herrn löw war m.E. ein glattes eigentor.

    wer am ende des spiels min. ein tor mehr hat, der hat gewonnen. das war so, das ist so und das wird auch so bleiben.

    was sollen da also so aussagen wie: die anzahl der verhinderten torchancen wurde erhöht und ähnlich substantielle aussagen??? - für den trainer ist das sicher in der analyse wichtig, aber den zuschauer interessiert das m.E. nach nicht wirklich.

    auch das thema nationalhymne wurde aus meiner sicht von herrn löw irgendwie anders interpretiert. dabei könnte es gaaanz einfach sein: die jungs - incl. trainer singen RICHTIG mit - oder sie lächeln freundlich aber stumm in die kamera. dieses scheinheilig mitmurmeln ist es doch, was agressionen auslöst, oder etwa nicht?

    also das spiel gegen argentinien war doch recht ordentlich, wurde verloren und jezze geht's gegen die Faör-Inseln.

    => auf geht's und spielt einfach!

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  • Schlagworte Joachim Löw | DFB | Sami Khedira | Argentinien | Bonus | Bundestrainer
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