Der Schwede Rolf-Goran Bengtsson springt mit seinem Pferd Casall über ein Hindernis. © Alex Livesey/Getty Images

Zum Reiten bin ich schon als Kind gekommen. Ich bin damals jeden Tag bei Wind und Wetter mit meinem Rad mehrere Kilometer zu den Pferden gefahren.

Pferde sind noch immer meine Leidenschaft. Ich liebe den Geruch der Tiere. Wenn man das Pferd beim Galoppieren loslässt und merkt, was für eine Geschwindigkeit man drauf hat, ist das ein erhabenes Gefühl.

Pferde sind auch sensibler, als man sich das vorstellt. Sie merken, wenn ein Reiter unsicher ist. Ich habe viele Pferde geritten in meinem Leben und jedes reagierte anders auf mich. Mit manchen Pferden kommt man gar nicht klar, aber wenn ein anderer Reiter aufsitzt, läuft es tadellos. Diese Identität der Tiere ist faszinierend, weshalb ich auch den Pferdeflüsterer Monty Roberts sehr interessant finde. Faszinierend, dass er Pferde, die unreitbar wirken, wieder dahinbringt, dass man sie ganz normal reiten kann.

Mittlerweile komme ich leider nur noch selten zum Reiten, höchstens bei Dreharbeiten. Bei einem Dreh saß ich auf einem Pferd und wollte es kurz "warm laufen", weil ich neben einem Auto galoppieren sollte. Nachdem ich los ritt, hat das Pferd aber überhaupt nicht auf mich reagiert, und dann schrie jemand von hinten: "Das ist ein Westernpferd!" Ich hatte noch nie ein Westernpferd geritten, ich habe den englischen Reitstil gelernt, wie ihn auch die Olympia-Athleten mit ihren Pferden nutzen. Ich brüllte also zurück: "Wie reitet man das?" Ich musste dann im Galopp mal eben Westernreiten lernen, da hätte ich mich mal lieber vorher informieren sollen.
 

Heute findet bei Olympia die Einzelentscheidung im Springreiten statt. Ich habe früher auch an solchen Turnieren teilgenommen. Das Besondere am Springreiten ist der Kitzel, das Pferd genauso einzustellen, dass es das Hindernis nicht trifft. Nach dem Sprung merkt man, ob man zu früh oder zu spät abgesprungen ist. Damit das klappt, muss man eine wirkliche Einheit mit dem Pferd bilden. Hans Günther Winkler, der in den 50ern und 60ern bei Olympia mehrfach Gold gewann, war zum Beispiel ein legendärer Reiter, weil er mit seinem Pferd Halla eine perfekte Einheit war.