Mein OlympiaEinen Triathlon zu beenden ist wie die Geburt eines Kindes

Joey Kelly nimmt regelmäßig an Ausdauerwettbewerben teil. Vor dem olympischen Triathlon der Männer erzählt er, was er vom Ausdauersport für das Leben gelernt hat.

Eine Teilnehmerin beim olympischen Triathlon der Frauen

Eine Teilnehmerin beim olympischen Triathlon der Frauen

Ausdauerläufe faszinieren mich, ich war schon immer ein Einzelkämpfer. Ich bin schon viele Wettbewerbe gelaufen und geschwommen, darunter mehrere Ironman und das Race across America, ein Radrennen von der West- zur Ostküste.

Ich brauche diesen körperlichen Ausgleich, aber auch den langfristigen Plan. Man bereitet sich vor, man kommt zum Wettkampf, man setzt sich ein Ziel und setzt es um. Gemessen daran ist man Sieger – oder nicht. Bei Ausdauerrennen gibt es kein Verstecken.

Joey Kelly
Joey Kelly

Joey Kelly feierte zusammen mit der Kelly Family Erfolge in den Neunzigern. Nach seiner Musikkarriere widmete er sich dem extremen Ausdauersport. Er lief zahlreiche Ironman und nahm im Team von Moderator Markus Lanz am Wettlauf zum Südpol teil.

Während des Wettkampfs muss man sich quälen. Der Körper schreit nach Aufhören, man kämpft mit den inneren Schweinehunden, den Hysterien des Körpers. Doch wenn man die Ziellinie überquert hat, vergisst man den Schmerz, das Leid, die Qual. Man sieht das Ergebnis und ist überrascht, wenn man schneller gelaufen ist als geplant. Es fühlt sich an wie bei einer Geburt, am Ende ist das Kind auf dem Arm oder die Medaille in den Händen.

Das Harte an einem Triathlon und allgemein am Ausdauersport ist aber die Vorbereitung. Nur wenn ich meinen Trainingsplan einhalte, schaffe ich auch meine Ergebnisse. Man läuft einen Triathlon nicht auf Bestzeit, nur weil man einen tollen Tag hat, sondern weil man sich entsprechend vorbereitet hat. Deswegen heißt es ja auch Aus-Dauer.

Dieser Sport ist keine Frage des Talents. Jeder, der gesund ist und nicht übergewichtig, nicht zu alt oder zu jung, kann einen Ironman schaffen. Wichtig ist nur, dass man sich vorher vom Arzt untersuchen lässt, ob der eigene Körper die Belastung aushält.

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Mein Olympia

Jeder Tag rappelvoll mit Spannung, Medaillen und Tränen: Bei den Sommerspielen der 30. Olympiade wird es in 26 Sportarten 302 Entscheidungen geben. Da den Überblick zu behalten ist nicht leicht. In der täglichen Serie "Mein Olympia" versuchen wir es. Am Morgen eines jeden Olympiatages lassen wir einen Sportler oder jemanden, der sich mit einer Sportart auskennt, erzählen, weshalb sein Olympia-Moment wichtig wird.

London 2012

Vom 27. Juli bis zum 12. August 2012 richtet London die größte Sportveranstaltung der Welt aus. Insgesamt werden mehr als 10.000 Sportler aus mehr als 200 Ländern in England erwartet. Außerdem werden ungefähr 30.000 Journalisten aus aller Welt aus London von den Spielen berichten. Insgesamt stehen 6,6 Millionen Tickets zum Verkauf.

Olympia auf ZEIT ONLINE

In unserem Ticker verpassen Sie keinen olympischen Wettkampf, keine Medaille und keinen Termin der Sommerspiele in London. Den an jedem Olympiatag spannendsten Wettkampf stellen wir in der Serie "Mein Olympia" vor. Alle Interviews, Reportagen und Essays der Redaktion finden Sie auf der Olympia-Seite. Die englische Hauptstadt London ist nach 1908 und 1948 die erste Metropole, die zum dritten Mal Gastgeber der Spiele ist. Für ZEIT ONLINE berichten Christian Spiller und Christof Siemes aus London. Im Blog der Sportredaktion lesen Sie die Erfahrungen der Olympiareporter.

Ich glaube, Erfolg im Beruf beruht auf denselben Eigenschaften wie Erfolg im Ausdauersport: starkem Willen und Disziplin. All das ist im Triathlon drin, es geht nicht nur um das Körperliche. Der sportliche Wettkampf kann viel Ehrgeiz freisetzen, den man auch im Alltag nutzen kann, ob beruflich oder privat.

Ein Amateursportler wie ich kann den Ausdauersport noch mehr genießen als ein Profi, weil ich das Ergebnis nur für mich brauche. Die Triathleten bei Olympia, die heute antreten, müssen jedoch davon leben. Deren Karriere dauert etwa fünf Jahre, manche haben Glück, sind zehn Jahre dabei. Die ersten Drei werden groß geehrt, der Sechste oder Zwölfte, der manchmal nur Sekunden später im Ziel ist, kann nicht lange von diesem Ergebnis zehren, selbst wenn er seine persönliche Bestzeit gelaufen ist.

Die Athleten müssen deshalb auf den Punkt fit sein. Ihre Leistungen sind bewundernswert, gerade wenn man weiß, wie viel harte Arbeit dahintersteckt.

Aufgezeichnet von Tobias Escher

 
Leserkommentare
  1. Wenn Männer den Prozess der Geburt darstellen klingt das immer sehr lustig. Und ein wenig weltfremd :-)

    4 Leserempfehlungen
  2. "Das Harte an einem Triathlon und allgemein am Ausdauersport ist aber die Vorbereitung. Nur wenn ich meinen Trainingsplan einhalte, schaffe ich auch meine Ergebnisse. Man läuft einen Triathlon nicht auf Bestzeit, nur weil man einen tollen Tag hat, sondern weil man sich entsprechend vorbereitet hat. Deswegen heißt es ja auch Aus-Dauer."

    Manchmal frage ich mich, was ist eigentlich der Reiz meines Sportes? Die Vorbereitung oder der Wettkampf? Wäre es nur der Wettkampf, würde ich Ausdauersport wohl nicht betreiben. Es ist die Vorbereitung, das Hinarbeiten auf diesen einen Tag. Es gibt einem ein Hochgefühl, wenn man eine Einheit, für die man sich vor drei Wochen noch heftigst quälen musste, heute leichter und schneller schafft, als vor drei Wochen. Das Training also sozusagen anschlägt. Triathlon ist für mich persönlich die tollste Sportart, weil es zum einen ein Mix aus verschiedenen Sportarten ist und man selbst als schlechter Schwimmer (Radfahrer oder Läufer) in der Lage ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen, weil man in einer anderen Disziplin besser ist und somit die schlechte Disziplin kompensieren kann.

    Und man ist regelmäßig an der frischen Luft, erlebt Natur (im Wasser und an der Luft) hautnah und wenn es mal in Strömen schüttet, schwimmt man eben. Schüttet es beim Tennis, bleibt einem höchstens die Halle.

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  3. ich hatte schon Angst, die Plattform im TV würde ausreichen, gut von Joe Kelly auch bei der ZEIT zu lesen :-)

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    • DerSid
    • 07.08.2012 um 13:18 Uhr

    Die Leistungen, die bei Olympia gezeigt werden, sind einfach nur großen Respekt wert.

    Die Deutschen schneiden dieses Jahr zwar sehr mäßig ab, dennoch macht es Spaß jeden Wettbewerb mitzuverfolgen. Ich habe heute einmal mehr über die traurigen Gehälter der deutschen Leichtathleten im Vergleich zu anderen Sportnationen gelesen. Die Leichtathletik muss in Deutschland einfach mehr an Bedeutung gewinnen ... dann gibt es in Zukunft auch mal wieder Goldmedaillen im zweistelligen Bereich.

    Umso mehr respektiere ich die Leistungen der deutschen Sportler in London!

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    • 15thMD
    • 07.08.2012 um 15:15 Uhr

    Wenn man vergleicht, was der DFB bei WM/EM an die Fußballer ausschüttet, wenn sie nur Teilnehmnen und welchen "Hungerlohn" ein Olympiasieger bekommt, dann ist das erschreckend einseitig. Irgendwie müssen es Sportförderung und Innenministerium schaffen, dass nicht alles nur von Werbung abhängt, sondern dass auch der sportliche Verdienst belohnt wird.

    • 15thMD
    • 07.08.2012 um 15:15 Uhr

    Wenn man vergleicht, was der DFB bei WM/EM an die Fußballer ausschüttet, wenn sie nur Teilnehmnen und welchen "Hungerlohn" ein Olympiasieger bekommt, dann ist das erschreckend einseitig. Irgendwie müssen es Sportförderung und Innenministerium schaffen, dass nicht alles nur von Werbung abhängt, sondern dass auch der sportliche Verdienst belohnt wird.

    • drusus
    • 07.08.2012 um 14:52 Uhr

    In unserem Park im Stadtteil gibt es keine Spaziergänger mehr, sondern nur noch verbissene Jogger. Selbst Kinderwagen werden nicht mehr geschoben sondern "gejoggt".

    Klar, solche autistischen Eigenschaften sind im Job von heute gefragt!

    Eine Leserempfehlung
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    Was stört Sie daran? Ihr eigenes schelchtes Gewissen? Stören Sie mich, dass Sie nicht joggen? Nein. Warum stören Sie also Menschen, die Joggen? Soll an Ihrem Wesen etwa die Welt genesen?

    Es treiben Prozentual mehr Menschen in Deutschland nicht regelmäßig Sport. Schön, dass sich langsam etwas daran ändert.

    • simlei
    • 12.08.2012 um 14:06 Uhr

    liegt hier im verbissen-gucken, sich-selbst-und-die-Welt-hassend laufen, und im einfach nur der Sache willen laufen. Die meisten Ausdauerläufer, die ich kenne, mich eingeschlossen, fangen manchmal einfach beim Laufen an zu lachen - weil's so schön ist =)

    Was stört Sie daran? Ihr eigenes schelchtes Gewissen? Stören Sie mich, dass Sie nicht joggen? Nein. Warum stören Sie also Menschen, die Joggen? Soll an Ihrem Wesen etwa die Welt genesen?

    Es treiben Prozentual mehr Menschen in Deutschland nicht regelmäßig Sport. Schön, dass sich langsam etwas daran ändert.

    • simlei
    • 12.08.2012 um 14:06 Uhr

    liegt hier im verbissen-gucken, sich-selbst-und-die-Welt-hassend laufen, und im einfach nur der Sache willen laufen. Die meisten Ausdauerläufer, die ich kenne, mich eingeschlossen, fangen manchmal einfach beim Laufen an zu lachen - weil's so schön ist =)

    • 15thMD
    • 07.08.2012 um 15:15 Uhr

    Wenn man vergleicht, was der DFB bei WM/EM an die Fußballer ausschüttet, wenn sie nur Teilnehmnen und welchen "Hungerlohn" ein Olympiasieger bekommt, dann ist das erschreckend einseitig. Irgendwie müssen es Sportförderung und Innenministerium schaffen, dass nicht alles nur von Werbung abhängt, sondern dass auch der sportliche Verdienst belohnt wird.

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  4. Was stört Sie daran? Ihr eigenes schelchtes Gewissen? Stören Sie mich, dass Sie nicht joggen? Nein. Warum stören Sie also Menschen, die Joggen? Soll an Ihrem Wesen etwa die Welt genesen?

    Es treiben Prozentual mehr Menschen in Deutschland nicht regelmäßig Sport. Schön, dass sich langsam etwas daran ändert.

    Antwort auf "Ausdauersportler"
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    • drusus
    • 07.08.2012 um 15:51 Uhr

    ... dass die Jogger sich durch bemerkenswerte Humorlosigkeit auszeichnen.
    Dafür gehören sie zu den besten Kunden der Ortophäden.

    Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/lv

    • drusus
    • 07.08.2012 um 15:51 Uhr

    ... dass die Jogger sich durch bemerkenswerte Humorlosigkeit auszeichnen.
    Dafür gehören sie zu den besten Kunden der Ortophäden.

    Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/lv

    • drusus
    • 07.08.2012 um 15:51 Uhr

    ... dass die Jogger sich durch bemerkenswerte Humorlosigkeit auszeichnen.
    Dafür gehören sie zu den besten Kunden der Ortophäden.

    Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/lv

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    Und was soll ich jetzt sagen? Ich laufe seit gut 25 Jahren und habe keine Probleme. Was ist eigentlich Ihr Problem?

    Wer in Hamburg lebt und als älterer Mensch mal gern an der Alster oder am Elbufer spazieren oder wandern geht, kann sich oft nur wundern über die gedankenlose Rücksichtslosigkeit, mit der sich Jogger, Rennradler, Inline-Skater und andere Ego-Shooter ihren Weg bahnen. Sie nutzen rigoros die öffentlichen Wege und Anlagen, um ihren Spaß zu haben und ihren Body zu perfektionieren. Ich bin als liberaler, toleranter Mensch erzogen. Und jeder soll nach seiner Facon selig werden. Aber was mich nervt, ist, dass diese Freizeit-Olympioniken auch noch ständig gelobt werden wollen. Was haben sie denn geleistet für die Gesellschaft?

    Und was soll ich jetzt sagen? Ich laufe seit gut 25 Jahren und habe keine Probleme. Was ist eigentlich Ihr Problem?

    Wer in Hamburg lebt und als älterer Mensch mal gern an der Alster oder am Elbufer spazieren oder wandern geht, kann sich oft nur wundern über die gedankenlose Rücksichtslosigkeit, mit der sich Jogger, Rennradler, Inline-Skater und andere Ego-Shooter ihren Weg bahnen. Sie nutzen rigoros die öffentlichen Wege und Anlagen, um ihren Spaß zu haben und ihren Body zu perfektionieren. Ich bin als liberaler, toleranter Mensch erzogen. Und jeder soll nach seiner Facon selig werden. Aber was mich nervt, ist, dass diese Freizeit-Olympioniken auch noch ständig gelobt werden wollen. Was haben sie denn geleistet für die Gesellschaft?

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