Michael Zorc"Im Fußball trifft man sich immer zwanzig Mal"

Michael Zorc gewann als Manager mit Borussia Dortmund zwei Meistertitel. Ein Tagesspiegel-Gespräch über den Druck der Medien und die Vormachtstellung der Bayern. von Stefan Hermanns und Felix Meininghaus

Michael Zorc, Manager der Borussia aus Dortmund, vor dem Anpfiff des Supercup-Finales gegen Bayern München

Michael Zorc, Manager der Borussia aus Dortmund, vor dem Anpfiff des Supercup-Finales gegen Bayern München  |  © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Frage: Herr Zorc , wir würden Sie gerne mit zwei Zitaten konfrontieren. Das erste lautet: "Er würde woanders nicht mal die Parkschranke öffnen." Das zweite: "Ich fürchte, dass er an seinem Stuhl klebt, weil er ahnt, dass er woanders so schnell nichts kriegt." Haben Sie eine Ahnung, wer gemeint ist?

Michael Zorc:  Nein, und selbst wenn ich eine Ahnung hätte, würde ich sie nicht äußern. Dazu sind diese Sätze zu despektierlich.

Frage: Das erste Zitat ist über Klaus Allofs , das zweite über Max Eberl.

Zorc:  Da sehen Sie, was von solchen Urteilen zu halten ist. Der eine, Klaus Allofs, hat seine Qualität als Manager über ein Jahrzehnt nachgewiesen; der andere, Max Eberl, macht gerade einen Riesenjob.

Frage: Man könnte solche Urteile vermutlich auch über Sie finden.

Zorc: Ich arbeite seit fast 15 Jahren in diesem Job, natürlich gab es Phasen, in denen ich Fehler gemacht habe. Und weil das ein öffentlicher Beruf ist, musst du auch aushalten, wenn du in der Kritik stehst. Problematisch wird es, wenn es persönlich wird.

Frage: Wie hält man das aus?

Zorc: Man darf diese Kritik nicht oder zumindest nicht komplett an sich heranlassen. Willst du dich sonst von der Brücke stürzen? Trotzdem war diese Zeit eine wichtige Erfahrung. Sie hilft mir auch jetzt, da es in die andere Richtung ausschlägt: Ich bin nicht so naiv, all das für wahr zu halten, was gerade über mich geschrieben wird. Beide Extreme sind nicht gut.

Frage: Die Lobhudeleien führen also nicht dazu, dass Sie sich für den Schärfsten halten?

Zorc: Nein, das habe ich noch nie getan. Dazu bin ich zu sehr Pragmatiker und Realist. Schon als Spieler wusste ich ganz gut, was ich kann und was nicht.

Frage: Unterscheiden Sie zwischen polemischer und aufbauender Kritik?

Zorc: Aufbauende Kritik habe ich von Ihrer Branche ehrlich gesagt selten erfahren. Polemik schon eher. Natürlich mache ich da einen Unterschied. Es wäre ja arrogant zu sagen: Was andere von meiner Arbeit denken, interessiert mich nicht.

Frage: Wie viel Zweifel darf man sich gerade in kritischen Zeiten erlauben?

Zorc: Zweifel sind wichtig – weil sie ein Antrieb zur Reflexion sind. Es gehört dazu, sich zu fragen: Was ist falsch gelaufen? Was hätte ich anders machen können? Aber das ist natürlich nichts, was ich mit der Boulevardpresse besprechen würde.

Frage: Haben Sie sich mal Rat bei einem Ihrer Managerkollegen geholt?

Zorc: Das nicht, aber als die Kritik besonders heftig war, habe ich mit früheren Kollegen aus meiner Zeit als Spieler gesprochen. Das hat mir sehr geholfen. Wenn du in deinem Job gefangen bist, und die Einschläge kommen von links und rechts, von vorne und hinten, dann musst du aufpassen, nicht den Überblick zu verlieren. Da hilft es, wenn dir jemand sagt, wie das Ganze von außen wahrgenommen wird.

Frage: Welche Kollegen waren das?

Zorc: Das möchte ich nicht sagen. Aber es waren Leute, von denen ich wusste: Die wollen dir nichts Böses.

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Frage: Gab es mal einen Punkt, an dem Sie überlegt haben, die Brocken hinzuwerfen?

Zorc: Nein, schon als Spieler lief es bei mir eher über die Mentalität. Freiwillig hinzuschmeißen und dann als Gescheiterter zu gehen – das wollte ich nicht. Aber ich habe mir natürlich Gedanken gemacht. Ich musste mich ja mit dem Fall auseinandersetzen, dass ein anderer für mich entscheidet. Hans-Joachim Watzke

Frage: … der Geschäftsführer des BVB …

Zorc: … hätte mich nicht einmal entlassen müssen. Er hätte einfach meinen Vertrag nicht verlängern müssen. Ich hatte damals nur Jahresverträge. Aber er hat gegen alle Kritiker auf mich gesetzt. Und ich glaube, wir sind alle ganz gut damit gefahren.

Frage: Jetzt haben Sie keinen Jahresvertrag mehr?

Zorc: Jetzt habe ich einen Vertrag bis 2016.

Leserkommentare
    • Hainuo
    • 25. August 2012 12:38 Uhr

    In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, in der Realismus als Understatement bezeichnet wird? Der BVB sagt nicht, wir wollen nicht Meister werden, sondern nur:

    Bis Platz 3 sind wir zufrieden, das ist realistisch. Was darüber ist, nehmen wir gerne, können wir aber nicht planen.

    Wie blöd alles andere ist, kann man doch an den letzten zwei Jahren in Bayern sehen. Die hohen Ansprüche lähmen nicht nur die Spieler, sondern geben den kompletten Verein der Lächerlichkeit preis, wenn sie "nur" dreifacher Vize werden. Dortmund müsste mit keiner Häme rechnen, falls dies der Fall wäre, sondern würde von einer äußerst erfolgreichen Saison sprechen.

    Aber ja, redet nur weiter von dem Understatement. So ein Mist.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hickey
    • 30. August 2012 13:24 Uhr

    Ist doch logisch :)

    • Hickey
    • 30. August 2012 13:24 Uhr

    Ist doch logisch :)

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