Mein Olympia: Nguyens Medaillen "bekommt meine Mama"
In London wurde er zu einem der erfolgreichsten Turner der deutschen Sportgeschichte. Marcel Nguyen über die größte Erfahrung seines Lebens und die Coolness von London.
© Ronald Martinez/Getty Images Sport

Über den Holmen: Marcel Nguyen bei seiner Barren-Kür
London war auf jeden Fall die größte Erfahrung meines Lebens, das werde ich nie vergessen. Ich wollte eine Medaille haben, Farbe egal. Aber dann bei den Olympischen Spielen zweimal auf dem Podium zu stehen und jeweils eine Silbermedaille zu bekommen – das wird mir wahrscheinlich nicht noch mal passieren.
Dabei war der erste Wettkampf ziemlich schwer für mich, da hatte ich erst einmal nicht so einen guten Eindruck von London. Weil wir gleich am ersten Tag zu unserer Qualifikation antreten mussten, konnte ich auch bei der Eröffnungsfeier nicht mitmachen. In der Nacht vor dem ersten Auftritt gefühlte zwanzig Kilometer bis zum Stadion marschieren und erst um 3 Uhr nachts ins Bett kommen – das geht nicht.

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War aber nicht so schlimm, wir hatten von unserem Balkon im Olympischen Dorf einen guten Blick aufs Stadion. Das Wichtigste, das Feuerwerk und die Queen mit James Bond im Hubschrauber, haben wir gesehen.
Angereist bin ich eine Woche vor den Wettkämpfen. Die Warterei, bis es dann losgeht, ist eigentlich nicht so schwierig. Anstrengend sind die letzten drei, vier Wochen davor zu Hause. Ich war froh, als wir endlich in London waren, da hat man mal wieder was anderes gesehen. Natürlich nicht von der Stadt selbst, vor dem Wettkampf sind wir bloß zweimal täglich in die Halle gegangen zum Trainieren.
Sightseeing gab es erst, als alles vorbei war: das London Eye, Big Ben, ein bisschen Rumlaufen. Coole Stadt, da kann man schon noch mal herkommen.
Ich war auch bereits in Peking dabei, aber für mich sind die Spiele in London schöner. Einfach, weil ich ein paar Mal öfter vor so einem Publikum turnen durfte. In Peking hatte ich mich für keine Einzelfinals qualifiziert, da durfte ich nur zweimal ran. Und hier gleich fünfmal!
Die Stimmung in der Halle war super, sehr positiv, sehr fair. Die Zuschauer haben auch geklatscht, wenn man nicht aus Großbritannien war. Sie haben sich einfach gefreut, wenn man eine schöne Übung gezeigt hat.
Der emotionalste Moment in der ganzen Zeit war natürlich, als ich meine Bodenübung im Mehrkampf beendet hatte, von der Matte runtergegangen bin und meinem Trainer in die Augen geguckt habe. Da wusste ich, dass es gereicht hat. Das sind die Augenblicke, in denen man weiß, warum man das alles macht, warum man auf so vieles andere verzichtet.






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