Mit einer gigantischen After-Show-Party hat London am Sonntagabend einen lauten und zugleich bewegenden Schlusspunkt unter die 30. Olympischen Spiele gesetzt. Bevor um kurz vor Mitternacht Ortszeit das olympische Feuer in der britischen Hauptstadt nach 17 Tagen erlosch, rockten Weltstars der Popmusik das Olympiastadion und verwandelten die Arena in die größte Freiluft-Disco Großbritanniens .

Vor knapp 80.000 Zuschauern im Stadion, unter ihnen Prinz Harry als Repräsentant des britischen Königshauses, und einigen hundert Millionen weltweit vor den Fernsehern heizten Gruppen wie Madness, Pet Shop Boys und One Direction die Stimmung gleich zu Beginn an. Als dann Ray Davies seinen 45 Jahre alten Hit Waterloo Sunset anstimmte, waren viele Anwesende ergriffen. Im zweiten Teil der Rockshow waren weitere Exportschlager der britischen Popmusik auf der Bühne, darunter George Michael , die wiedervereinigten Spice Girls, Take That, The Who und ein Teil der legendären Gruppe Queen.

Am Anfang des fast dreistündigen Programms hatten 108 Fahrzeuge in der Arena eine typische Londoner Straßenszene in der Rush Hour symbolisiert. Dafür war das Stadion, in dem acht Tage lang die Leichtathleten um Gold, Silber und Bronze gekämpft hatten, in ein Mini-London mit Modellen von Tower Bridge, London Eye und anderen Erkennungsmerkmalen verwandelt worden.

Fotos vom Abschluss der Olympischen Spiele in London. Klicken Sie, um die Fotostrecke zu öffnen. © Jewel Samad/AFP/GettyImages

Wie schon bei der Eröffnungszeremonie von Regisseur Danny Boyle sollte die Welt sehen: Die Briten haben Humor, eine Hauptstadt voller Sehenswürdigkeiten, sind originell und auch ein bisschen verrückt.

Tausende Athleten betraten zum Teil durch ein Zuschauerspalier das weite Rund und verbreiteten sofort ausgelassene und fröhliche Stimmung. Viele hatten ihre in London gewonnenen Medaillen umgehängt. Die Fahne der deutschen Mannschaft, die bei der Feier mit zahlreichen Athleten vertreten war, trug Ruder-Olympiasieger Kristof Wilke. Nach dem Einzug der Sportler erhielten die drei Erstplatzierten im Marathon aus der Hand von IOC-Präsident Jacques Rogge ihre Medaillen. Stephen Kiprotich hatte in dem Rennen das erste Olympia-Gold für Uganda seit 40 Jahren erobert.

Für das Programm waren aus 1000 Musikstücken 30 ausgesucht worden, die für Best Of British stehen sollten. "Wir wollen zeigen, was die britische Musik in den vergangenen 50 Jahren geleistet hat", sagte der künstlerische Leiter Kim Gavin. 4100 Darsteller wirkten mit, darunter 3500 erwachsene Freiwillige und 380 Schulkinder.

Die Tweets der ZEIT-ONLINE-Reporter aus London:

Passend zur Abschlussfeier hat der IOC-Präsident Jacques Rogge den Olympischen Spielen in London ein hervorragendes Abschlusszeugnis ausgestellt. "Es waren unvergessliche Spiele. Ich werde nie das Lachen der Organisatoren vergessen", sagte der Belgier. "Das waren Athletenspiele, das olympische Dorf war fantastisch, die Sportstätten haben funktioniert und das Publikum war großartig. London hat die olympische Bewegung erfrischt."

Bei den Wettbewerben der dritten Sommerspiele nach 1908 und 1948 in der britischen Hauptstadt erreichten die Sportler 44 Weltrekorde und 117 olympische Rekorde. Die acht Dopingfälle während der Spiele und die 117 positiven Fälle zwischen April dieses Jahres und der Eröffnung des olympischen Dorfes seien ein Zeichen, dass das Testsystem funktioniere, sagte der IOC-Präsident.