Die Top 5

1. Frauenboxen Man muss es ja nicht mögen, wenn Frauen Frauen boxen. Aber der einzige neue Sport bei diesen Spielen bot alles, was zu Olympia gehört: ergreifende Geschichten von Erniedrigten und Gequälten, die sich freikämpfen. Fesselnde Duelle ohne das großmäulige Getue der Preisboxer. Selbst die Kollateralschäden in den Gesichtern hielten sich in Grenzen. So wurde der offizielle Zuschauerlärmrekord dieser Spiele auch in der Boxarena aufgestellt, beim Viertelfinale der Britin Natasha Jonas gegen die spätere Olympiasiegerin Katie Taylor aus Irland : 113,7 Dezibel.

2. Die Gummistiefel der Tschechen Als sie damit bei der Eröffnungsfeier reinmarschiert kamen, war das ein guter Witz. Allerdings misstrauten sie dem britischen Wetter offenbar wirklich und trugen die blau glitzernden Dinger aus der offiziellen Teamgarderobe auch zu Siegerehrungen bei 25 Grad im Schatten. Jetzt können die Tschechen zu Hause erzählen, dass man in England sogar dann feuchte Füße bekommt, wenn es nicht regnet.

London 2012 - Olympia-Fazit: "Diese Spiele haben dieses Land verändert" Christof Siemes und Christian Spiller - unsere Reporter in London - betrachten rückwirkend die Olympischen Spiele von London.

3. Boris Johnson Die Erwartungen an Londons Slapstick-Bürgermeister waren hoch. Boris Johnson hat sie übertroffen. In einer Zeitungskolumne schrieb er, die "halbnackten Frauen" beim Beachvolleyball sähen aus wie "glänzende nasse Fischotter", an einem anderen Tag strandete er an einem Seil in der Luft baumelnd, tollpatschig mit zwei Union-Jack-Fläggchen wedelnd. Was anderen den Sexismusvowurf eingebrockt hätte oder zumindest Spott, stärkte nur Johnsons Ruf als Polit-Clown. Schamlos nutzte er Olympia für sich und seine Späße und hat sich damit laut Umfragen zum beliebtesten Konservativen des Landes gemacht, weit vor dem Premierminister David Cameron . Was das über das Gastgeberland aussagt, gilt es noch herauszufinden.

4. Ezekiel Kemboi Vergesst Bolt! Der Kenianer liefert eine mindestens genauso gute Show. Als der Weltpresse alle seine Erfolge seit Jugendtagen (der 30-Jährige war schon in Athen Olympiasieger) aufgezählt wurden, geschah das im Stil einer Stand-up-Comedy. Er rasierte sich die Haare auf dem Schädel in Medaillenform. Beendete sein Rennen über 3.000 Meter Hindernis nicht innen auf Bahn 1, sondern lief etliche Extra-Meter, um ganz außen auf der 9 ins Ziel zu kommen. Gewonnen hat er trotzdem. Anschließend erklärte der selbsternannte Mini-Bolt, er habe nur schon mal für seine spätere Marathonkarriere trainieren wollen.

5. Musik Gemeint sind hier nicht die Big Shots wie George Michael oder The Who, die bei der Schlussfeier noch einmal Britanniens Weltherrschaft im Reich des Pop demonstrieren sollten. Wir haben uns verliebt in die Kleinkünstler, die sich an diversen Ecken im Olympic Park auf improvisierten Mini-Bühnen aufs Coolste die Seele aus dem Leib sangen. Sollte das britische Sportwunder nach diesen Heimspielen zu Ende gehen – der Nachwuchs in der Disziplin Singing/Songwriting wird immer Weltklasse sein.