Hockey in der Riverside-Arena © Christian Spiller

8.31 Uhr: Besonders früh raus müssen die Hockeyfrauen. Die Stahlrohrtribünen der Riverside Arena sind erst zu einem Drittel gefüllt, im olympischen Dorf vis-à-vis wird noch von Ruhm und Ehre geträumt, da traben die Australierinnen und Südafrikanerinnen übers Feld. Den Rücken so gebeugt, es tut schon beim Zuschauen weh. Nach acht Minuten die erste nennenswerte Sport-Notiz: Australiens 1:0 durch Jode Close, die aus dem Städtchen mit dem schönen Namen Wagga Wagga kommt. So kommt mir auch vor, was ich hier mache.

Triathlon im Hyde Park © Christian Spiller

9.58 Uhr, Triathlon: Am Anfang die langen Wege, das ist der Plan. Erst quälen und dann, zack, hintenraus die Früchte ernten. Daher die lange Busfahrt zum Hyde Park. Als ich ankomme, fahren die Frauen gerade Rad. Die Zuschauer feiern eine Party im Park, für mich bleibt nur ein Platz in Reihe neun. Auf Zehenspitzen sehe ich die Sportlerinnen an mir vorbeirauschen, manche einzeln, manche in Grüppchen. Ich muss weiter, will ja mehr als einen Triathlon, mindestens einen Dekathlon, oder einen Nochmehr-thlon.

Badminton in der Wembley-Arena © Christian Spiller

11.12 Uhr, Badminton: Vom Park geht es im Laufschritt vorbei an den Wochenendshoppern auf der Oxford Street. Mit der fast leeren Tube fahre ich raus zur Wembley-Arena, in der zwei Dänen vor Freude auf die Knie sinken, kaum dass ich die Halle betrete. Sie haben sich fürs Doppel-Finale qualifiziert, erfahre ich. Das Publikum klatscht heftig und ausdauernd, weil es spannend gewesen sein muss und weil die Badminton-Medaillen für gewöhnlich als Sammelbestellung nach Asien geschickt werden. Kurz darauf: das Damen-Doppel-Bronze-Match zwischen Russland und Kanada . Das liegt beides auch nicht in Asien. Aber weil acht Sportlerinnen aus China, Südkorea und Indonesien in der Vorrunde falsch spielten, dürfen die bereits ausgeschiedenen Russinnen und Kanadierinnen noch mal ran. Den ersten Satz gewinnt Russland, was ich aber kaum mitbekomme, weil der Ball so schnell fliegt.

Beachvolleyball, Horse Guards Parade © Christian Spiller

12.39 Uhr, Beachvolleyball: Die Jubilee-Line führt direkt bis nach Westminster, hinein ins Herz der englischen Haupstadt. Horse Guards Parade, der von pompösen Gemäuern umgebene Platz, auf dem sonst die Queen an ihrem Geburtstag die Militärparade abnickt, wird während der Spiele zum Hort des Hedonismus. Leichtbekleidete Cheerleader wackeln aufdringlich mit den Hüften. Für die Damen tanzen auch drei Männer mit. Der Sport läuft allenfalls nebenher. Selbst die Namen der Spielerinnen klingen nach Rimini und Ballermann: Greta Cicolari und Marta Menegati aus Italien gegen Elsa Baqueriozo MacMillan und Liliane Fernández Steiner aus Spanien . Aus Angst vor Jürgen Drews flüchte ich.