Vor den riesigen Holzklotz haben sie eine Wiese gepflanzt. Mit Blümchen und Gräsern. Würde man sich das güldene M und die fettige Luft wegdenken, könnte man aus einem günstigen Blickwinkel annehmen, der durchgestylte Kasten sei ein fesches Öko-Kaufhaus. Oder die Zentrale des netten WWF. In Wahrheit ist er der größte Fressladen auf Erden.

Nur ein paar Harting'sche Diskuswürfe vom Olympiastadion entfernt steht das größte McDonald's-Restaurant der Welt. Wobei bei dem Wörtchen Restaurant jedem Küchenchef, der etwas auf sich hält, vor Schreck die Kochmütze in die Kalbsjus fällt. Bis zu 14.000 Heißhungrige können hier pro Tag versorgt werden. 2.000 von ihnen finden gleichzeitig Platz.

Etwa 500 professionelle Burgerflipper sind im Einsatz, handverlesen, als Belohnung für ihre gute Burgerflipperei in den anderen Filialen des Königreichs. Das Unternehmen rechnet in den 29 olympischen und paralympischen Tagen mit 1,75 Millionen verkauften Mahlzeiten in diesem und den drei anderen Restaurants auf dem Olympia-Gelände.

Schon das Absperrband vor der Riesenfrittenbude, das man nur von Flughäfen kennt und die drängenden Menschenmassen in handliche Portionen einteilt, lässt Schlimmes erahnen. Vier Kehren gilt es zu überwinden, bis einem Zutritt in die heiligen Junkfood-Hallen gewährt wird. Innen: ein Andrang wie in einer Bahnhofshalle. Hinter jeder der zwanzig Kassen stauen sich etwa dreißig Meter Menschen. Dreißig Meter! Wer hier wirklich kurz vor dem Hungertod reinstolpert – und warum sonst sollte man hier sein? – wird es wohl nicht schaffen.

Dass die Burgerbraterei die größte Sportveranstaltung der Welt sponsert, ist wahrscheinlich der dickste Widerspruch in der Geschichte der Werbung. Selbst im Athletendorf gibt es Fast Food. Usain Bolts Mär, seinen Legendenstatus auf Basis einer Chicken-Nugget-Diät begründet zu haben, glaubt ihm sowieso keiner. Und dass man mit einem Big Mac im Bauch eher absäuft als Weltrekord schwimmt oder beim Judo doch lieber verdauungsfördernd auf der Matte liegen bleibt, ist bekannt. Dennoch hauen sich Tausende Menschen täglich dort den Wanst voll, kurz nachdem sie Athleten zugejubelt haben, aus deren Körpern die Askese spricht.

Es geht dann doch flott mit der Bestellung, was an den vier Express Order Lanes liegt. Dort darf sich nur einreihen, wer sich von den McDonald's-Bediensteten nicht in die Tiefen der hausinternen Speisekarten einführen lassen will und auf existenzielle Fragen wie "Ketchup oder Mayo?" oder "Hier essen oder mitnehmen?" flott antworten kann.

Dem Express-Order-Lane-Kunden kommt Mitarbeiterin A entgegengelaufen, die die Bestellung in ein kleines Technik-Gadget tippt. Mitarbeiter B ein paar Meter weiter kassiert. Vorne am Futtertrog händigt einem Mitarbeiter C die Bestellung aus, wobei auch Mitarbeiter D und E erwähnt werden müssen, die die Kalorien auf dem Tablett sorgfältig arrangieren. Nicht vergessen sollte man die Mitarbeiter F bis X, deren hektische Wuselei im Hintergrund einen ganz nervös macht und die das Essen, nun ja, warmmachen.

Rebecca ist mit ihren drei Söhnen gekommen. Diego, 3, Rory, 5, und Zachary, 7, haben den Union Jack auf den Wangen und Ketchup in den Mundwinkeln. Auf Kinder, so die Kritiker, hat es der Fast-Food-Riese besonders abgesehen. Gelockt wird mit Happy Meals, in dessen Tüten auch Wenlock steckt, das olympische Maskottchen, mit dem nur die offiziellen Sponsoren werben dürfen. Diego, Rory und Zachary finden Wenlock cool.

Trotzdem scheint Rebecca, das fettige Problem im Griff zu haben. "Wir gehen sonst eigentlich nicht zu McDonald's", sagt Rebecca, höchstens einmal im Jahr. "Weil es dick macht", sagt Rory. "Sehen Sie!", sagt Rebecca. "Hier ist alles gut organisiert und man weiß, was man bekommt." Natürlich sei die Kombination Olympia und McDonald's ein Widerspruch. Aber am Ende hätte man es als Konsument doch selbst in der Hand, inwieweit man sich darauf einlässt. Hier im Olympic Park sei es zudem eine Frage der Alternativen.

Tatsächlich sind über das gesamte Olympiagelände zwar viele verschiedene Imbissstände verteilt, die den Anspruch haben, Essen aus der ganzen Welt verkaufen. Doch weder das Chili con carne, noch die Pizza, noch die als Sausage daherkommende Bratwurst haben mit ihren Brüdern aus Mexiko , Italien oder Deutschland etwas gemein. 

Und dass man angesichts typisch englischer Gerichte wie Fish and Chips , Cottage Pies und den unvermeidlichen queraufgeschnitten Sandwiches mit ihren kruden Belägen lieber zu McDonald's läuft, darf niemanden überraschen. Zudem steht man oft noch länger an, und die Preise sind selbst für Londoner Verhältnisse horrend.