London 2012Schwarzkopf holt Silber im Siebenkampf

Verzögertes Glück: Erst wurde Lilli Schwarzkopf disqualifiziert, dann erhielt sie doch eine Medaille. Sonst lief es für die deutschen Sportler am achten Tag nicht gut. von dpa

Lilli Schwarzkopf nach dem 100-Meter-Hürdenlauf

Lilli Schwarzkopf nach dem 100-Meter-Hürdenlauf  |  © Stu Forster/Getty Images

Die Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf hat den deutschen Leichtathleten das zweite Olympia-Silber beschert. Die 28-Jährige von der LG Rhein-Wied durfte doch noch jubeln, nachdem eine Fehlentscheidung der Sportrichter Verwirrung verursacht hatte. Die Jury hatte sie nach dem abschließenden 800-Meter-Lauf zunächst wegen eines angeblichen Regelverstoßes aus der Wertung genommen. Fernsehbilder belegten jedoch eindeutig, dass die Russin Kristina Sawizkaja auf die Bahnbegrenzung gelaufen war – und nicht Schwarzkopf.

"Die Briten haben eine neue Art von Humor" , sagte Schwarzkopf nach ihrer irrtümlichen Disqualifikation und freute sich dann umso mehr über Platz zwei. "Hauptsache es glänzt, egal, welche Farbe", sagte die gebürtige Kasachin. Gold holte die Britin Jessica Ennis, Bronze ging an die Russin Tatjana Tschernowa.

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Sonst lief es am achten Wettkampftag nicht rund für die deutschen Teilnehmer. Noch am nächsten kam Britta Steffen einer Medaille, der vier Jahre nach ihrem Olympiasieg in Peking über 50 Meter Freistil sieben Hundertstel Sekunden zu Bronze fehlten. "Es ist schade, ich hätte mir wirklich sehr gewünscht, dass ich eine Medaille holen kann für unsere Mannschaft. Das bestimmte Quäntchen Glück ist uns nicht hold", sagte sie.

Ob Steffen ihre Karriere fortsetzen will, ließ sie offen. "Jetzt gehe ich erstmal in Urlaub, nicht so richtig wohlverdient, und entscheide dann dort, was ich möchte", sagte die 28-Jährige. Sie habe noch keine Tendenz zu einer Entscheidung, ob und wie lange sie weitermacht. "Dafür spricht, dass ich noch große Lust habe, und die EM 2014 in Berlin ist. Dagegen spricht vielleicht, dass das Umfeld, die deutschen Medien sehr hart mit mir ins Gericht gehen und dass gewisse Experten nicht wirklich von der Sache sprechen, sondern ihre Meinung kundtun", sagte sie.

Sebastian Bayer verpasst Medaille um drei Zentimeter

Fünfte Plätze gab es für Diskuswerferin Nadine Müller und Weitspringer Sebastian Bayer . Er verpasste die ersehnte erste Olympia-Medaille für einen deutschen Weitspringer seit 32 Jahren um drei Zentimeter. Gold eroberte der Brite Greg Rutherford. Der Favorit gewann mit 8,31 Metern vor dem Australier Mitchell Watt (8,16) und Will Claye aus den USA (8,12).

Die Diskuswerferin Nadine Müller, Vize-Weltmeisterin aus Halle/ Saale , enttäuschte als Fünfte mit 65,94 Metern. Gold gewann Sandra Perkovi ć mit dem Landesrekord von 69,11 Metern. Die Kroatin hatte bereits bei der EM im Juni in Helsinki triumphiert. Silber ging an die Russin Darja Pischtschalnikowa, Bronze an Weltmeisterin Li Yanfeng aus China .

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Leserkommentare
  1. Ohne wenn und aber Klasse,erst eine großartige Leistung und dann starke Nerven beim schlimmen Schirichaos.Hut aber vor dieser jungen Sportlerin.

    4 Leserempfehlungen
    • vonDü
    • 05. August 2012 7:56 Uhr

    oder

    was haben die Briten in der Vorbereitung besser gemacht?

    Die hervorragende Leistung von Lilli Schwarzkopf kann nicht darüber hinweg täuschen, dass in fast allen Disziplinen Anspruch und Wirklichkeit, weiter denn je auseinander klaffen.
    Die Misere der Schwimmer, aber ausgerechnet an Britta Steffen fest zu machen, geht am Problem vorbei. Britta Steffen hat wenigstens noch um Medaillen gekämpft, während der "Nachwuchs" häufig schon in den Vorläufen untergegangen ist.

    Die Schützen treffen nicht wie gewohnt, von den Mannschaften sind nur die Hockeyspieler konkurrenzfähig und die Fechter mussten auch früh die Waffen strecken.
    Es sind nicht nur die Schwimmer, die suboptimal auf den Saisonhöhepunkt Olympia vorbereitet waren.

    Es gibt offenbar ein strukturelles Problem bei der Förderung von Spitzensportlern und eigentlich wird das seit Jahren von Athleten und Experten immer wieder - vergeblich - beklagt.
    Was den Erfolg bringt, zeigt sich immer wieder am Ergebnis der anderen Sportnationen: Konzentration der Sportler an einem Trainingsstützpunkt, oder die individuelle Vorbereitung mit eigenem Trainer und Team. Weder das Eine noch das Andere wird bei uns konsequent eingesetzt. Wenn dümmliche Funktionärseitelkeiten verhindern, dass der "Heimtrainer" seinen Athleten auch beim Wettkampf optimal unterstützen kann, dann weiß ich, wo das System u.a. faul ist.

    3 Leserempfehlungen
  2. nicht nur sympathisch auch verdient Silber gewonnen.

    Ich habe mich (als nicht Deutscher) sehr für sie gefreut ...

    Einfach eine tolle Leistung, so macht Sport Spaß..!

    Gruß
    Pitti Griffi Della Rovere

    Eine Leserempfehlung
  3. vielleicht genau in die Zwölf. - Die Sportler sind diejenigen, die dabei auf der Strecke bleiben. Ist es überlegenswert, für ehrlichen Wettkampf ohne Doping, ohne Vermarktungssponsoring, ohne ... eine Form einer Olympiade aufzubauen, die der der „Paralympics“ ähnelt? Von dort würde doch gerne Aufbauhilfe gegeben und die Überspanntheit des Nationalen abgebaut. - Mir fehlt z. B. in der Berichterstattung zuvorderst die Leistungsangabe der ersten Drei - erst danach, was wohl das nationale Team erreichte. -

    Antwort auf "Seltsame Häufung "
  4. unfähig zwei Sportlerinnen auseinander zu halten, die auf verschiedenen Bahnen rennen, verschieden aussehen, und unterschiedliche Trikots tragen...

    Gelinde gesagt: Die schlausten Leute scheinen unsere lieben Briten nicht unbedingt für den Kampfrichter-Job ausgewählt zu haben. Aber möglicherweise saßen aus Quotengründen auch ein paar Blinde im Kampfgericht, dann bitte ich um Entschuldigung.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    • dacapo
    • 05. August 2012 8:30 Uhr

    ...... können akzeptiert werden, aber Ihre Ansprüche sind abgehoben und können auch manchen erschrecken, wenn Sie von Verlierermentalität oder Siegermentalität sprechen. Vergessen scheint wohl zu sein, dass ehemals die Teilnahem an olympischen Spielen das wichtigste war. Genau das vermisse ich, aber in heutigen Zeiten wird "Gewinnmentalität" verlangt. Das erinnert an Verherrlichung von Bankberufen anstatt von technischen Berufen, weil es so schnell Geld bringt. Aber das wird das Zuschauen in Zukunft versauen und Olympia sowieso in ein anderes Licht stellen. Gerade die Schwimmwettkämpfe machen doch die tatsächlichen Gründe Olympias von Heute sichtbar, finanzielle Hintergründe. Soviel Wettkämpfe mit zuviel Diziplinen machen das zu deutlich.
    Aber ich gönne Ihnen Ihre Wünsche nach noch mehr Siegermentalität, wenn's glücklich macht.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gute Stellungnahme zu meinem Kommentar!

    "Vergessen, dass seinerzeit Teilnahme am wichtigsten war?" fragen Sie.
    Okay: Versetzen Sie sich in die Situation eines Leistungssportlers. Ihre Kindheit verläuft anders als die, "normaler" Kinder. Sie lernen mit 13, sich vernünftig und zielorientiert zu ernähren, verzichten auf Chips, Alkohol, gehen spätestens um 23.00 Uhr ins Bett, halten Ihr Gewicht und TRAINIEREN TÄGLICH MEHRERE STUNDEN.

    Wofür tun Sie das?

    Um "dabei" zu sein - oder um irgendwann für all diese Mühe, diese Qualen und Entsagungen belohnt zu werden?
    Jeder, der sich außergewöhnlich engagiert, erwartet dafür irgendwann eine Entlohnung - das halte ich weder für egoistisch noch für materialistisch. Es ist schlicht fair.

    • dacapo
    • 05. August 2012 8:35 Uhr

    Der Frau Schwarkopf warf man ein Berühren der Trennlinie vor, um sie deshalb zu disqualifizieren. Die Russin hat aber offensichtlich dieses "Vergehen" gegangen und wird aber nicht disqualifiziert. Wer soll das alles verstehen?

    Eine Leserempfehlung
    • dacapo
    • 05. August 2012 8:38 Uhr
    16. ach nee

    Vor welchem Monitor haben Sie denn gesessen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Britta Steffen | Sebastian Bayer | Gold | Silber | China | USA
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