DopingWarum Usain Bolt nicht gedopt sein muss

Der Sprintrekordler wurde oft des Dopings verdächtigt, aber nie überführt. Dabei spricht einiges dafür, dass seine Leistungen auf sein Ausnahmetalent zurückzuführen sind.

Es ist einfach geworden, Prominente als verwerfliche Geschöpfe und Schummler zu brandmarken. Jeder Kleinstadtjournalist konnte auf die Christian-Wulff-Schiene aufspringen. Überträgt man diese Leichtigkeit des Verurteilens auf den Profisport, so haben es sich viele Menschen zur Aufgabe gemacht, körperliche Ausnahmeleistungen auf Doping zurückzuführen.

Es gibt zurzeit kaum einen Sportler, gegen den mehr Dopingvorwürfe erhoben werden als gegen den schnellsten Mann der Welt: Usain Bolt. Seine Fabelzeiten können einfach nicht von bloßem Menschenfuß gelaufen worden sein, sagen sich die meisten Otto Normalläufer, die schon einmal hundert Meter hinter sich gebracht haben.

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Sämtliche 100-Meter-Olympiasieger seit 1984 wurden (mit der Ausnahme des Kanadiers Donovan Bailey) früher oder später mit Doping in Verbindung gebracht. Ben Johnsons Anabolika-Fund 1988 gilt als einer der größten Sportskandale aller Zeiten. Carl Lewis, Olympiasieger von 1984 und als Silbermedaillengewinner von Seoul 1988 nachträglich als Johnsons Nachfolger erklärt, wurde für denselben Zeitraum die Einnahme dreier Dopingsubstanzen nachgewiesen – den Olympiasieg, seine Rekorde und den Titel als "Leichtathlet des Jahrhunderts" verlor er dennoch nicht, auch weil die Einnahme laut Lewis' Angaben unabsichtlich erfolgte.

Linford Christie, der Sieger von Barcelona 1992, beendete seine Karriere 1999, nachdem er des Nandrolon-Dopings überführt wurde. Maurice Greene, der schnellste Mann von Sydney 2000, zahlte Geld an den mexikanischen Dopingarzt Angel Guillermo Heredia. Justin Gatlin, Greenes US-amerikanischer Landsmann und Olympiasieger von Athen 2004, musste gleich zweimal eine Sperre absitzen, weil die Dopingfahnder bei ihm erst Amphetamine, dann Testosteron fanden.

London 2012

Vom 27. Juli bis zum 12. August 2012 richtet London die größte Sportveranstaltung der Welt aus. Bei den Sommerspielen der 30. Olympiade wird es in 26 Sportarten 302 Entscheidungen geben. Insgesamt werden mehr als 10.000 Sportler aus mehr als 200 Ländern in England erwartet. Außerdem werden ungefähr 30.000 Journalisten aus aller Welt aus London von den Spielen berichten. Insgesamt stehen 6,6 Millionen Tickets zum Verkauf.

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Der Generalverdacht der Öffentlichkeit ist durchaus begründet. Aber was, wenn Usain Bolt einfach nur das ist, was er vorgibt zu sein: ein Ausnahmeathlet, der mit einem Ausnahmekörper und der perfekten Trainingstaktik beschenkt wurde? "Ich bin so glücklich, dass ich Talent habe. Wenn ich wirklich daran arbeiten würde, könnte ich in der Tat extrem gut werden, aber ich habe es nie getan", schreibt Bolt in seiner 2010 erschienenen Biografie. "Ja, ich stecke zeitweise Fleiß hinein, aber ich könnte mehr tun", tönt der Jamaikaner. 9,9 Sekunden könne er aus dem Stand laufen. Disziplinierteres Training, die richtige Ernährung – erst dann werde er "crazy times" laufen.

Die Überheblichkeit dieser Zeilen und seine Gesten vor und nach Wettkämpfen tragen dazu bei, dass man Usain Bolt seine Zeiten nicht abkauft. Auch der Sportmediziner und langjährige deutsche Olympiaarzt Professor Wilfried Kindermann kann seine Zweifel an den Leistungen nicht verhehlen. "Für Doping spricht diese Arroganz, die Usain Bolt an den Tag legt. Das ist frappierend." Zudem sei das Dopingprogramm auf Jamaika weiterhin "völlig unterentwickelt".

Es sei dennoch zu früh, den Weltrekordler über die 100, 200 und 4x100 Meter schuldig zu sprechen, sagt Kindermann. "Bolt war schon als Jugendlicher immer der Weltbeste. Sicherlich hat er zu Olympia 2008 einen Leistungssprung gemacht, doch seine Leistungsentwicklung ist schon kontinuierlich." Mathematiker hätten laut Kindermann berechnet, dass Menschen durchaus unter 9,5 Sekunden laufen könnten, wie es Bolt bereits für die letztjährige WM in Daegu angekündigt hatte, ehe er sich selbst per Fehlstart aus dem Rennen katapultierte. Bereits 1936 lief Jesse Owens in Berlin unter 10,3 Sekunden – und das bei einem handgestoppten Rennen auf Schlacke. Auf einer Kunststoffbahn, elektronisch gestoppt "wäre Jesse Owens auch unter 10,0 gelaufen". Der Laufunterschied wäre dann gar nicht mal so groß, so Kindermann.

Für Bolt sprechen jene körperlichen Voraussetzungen, die bislang einzigartig sind in der Welt des 100-Meter-Laufs. Wenn man den Körper von Usain Bolt sehe, "würde man nicht auf einen Sprinter tippen", sagt Kindermann. "Er hat eine andere Muskulatur als die anderen Sprinter, die viel muskulöser sind."

Leserkommentare
    • ludna
    • 04.08.2012 um 20:59 Uhr

    und, ja ich habe im Fall Pechstein angenommen, sie war gedopt.

    Wie bei: Jan Ulrich, Baumann, Lance Armstrong, etc etc.

    Und: Gebt das Dopimg frei. Es hat eh keinen Sinn. Demnächst werden die Bekloppten Gendoping an sich vornehmen lassen. Dann lieber unter professioneller Hilfe. Nur: Haltet Kinder da raus.

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    Antwort auf "SIEBEN Kommentare, ..."
  1. "Für Doping spricht diese Arroganz, die Usain Bolt an den Tag legt. Das ist frappierend." Zudem sei das Dopingprogramm auf Jamaika weiterhin "völlig unterentwickelt".

    Unterentwickelt in welcher Hinsicht? Besonders entwickelt würde ich ein Doping bezeichnen, was nicht auffliegt. Wenn es also unterentwickelt sei, warum ist es dann offensichtlich nicht leicht, Bolt des unbestätigten Verdachts hin zum bewiesenen zu überführen?! Und wenn ich persönlich gedoped wäre, dann würde ich mich in Bescheidenheit üben, gerade in der Öffentlichkeit.

    Und das Argument, es könne kein Talent dieser Größe von einer 'so kleinen Insel' stammen ist nicht nur bitter im Geschmack, sondern auch aus der Luft gegriffen: siehe Okinawa. Freuen wir uns lieber. Vorsichtig.

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    ein ANTI-Dopingprogramm. Hab mich erst auch gewundert.

    Die Logik hinter der "Arroganz = Doping"-These entzieht sich mir ebenfalls.

    ein ANTI-Dopingprogramm. Hab mich erst auch gewundert.

    Die Logik hinter der "Arroganz = Doping"-These entzieht sich mir ebenfalls.

  2. "FÜNF Vorverurteilungen, ..."

    Gelogen. Ein geäusserter Verdacht ist keine Vorverurteilung

    "Es ist anzunehmen, daß die FÜNF, die mehr oder weniger nur noch an Doping glauben, auch im Fall der Claudia Pechstein nichts anderes angenommen haben."

    Wer das annimmt läge kreuzfalsch. Mehr noch: Er hat schlicht nichts kapiert. Pechstein hat um ihre Medaillen regelmäßig kämpfen müssen. Andere lagen knapp hinter ihr oder haben sie sogar geschlagen. sie wurde bei einer Routinekontrolle auf einem Wert auffällig getestet.

    Die einzige Vorverurteilung hier waren die Unterstellungen (mit "Null Beweisen") gegen die Skeptiker.

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  3. ... und damit ist doch eigentlich genug gesagt.

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  4. heute in der Tagesschau: Bolt massiert/streichelt intensiv seinen Kopf vor dem Start, während der Reporter davon faselt, dass Bolt sich kämmt, wo sowieso keine Haare sind.

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    das mach ich jetzt auch immer und lauf dann ins büro. geht schneller.

    das mach ich jetzt auch immer und lauf dann ins büro. geht schneller.

  5. 14. nunja

    Jan Ulrich war auch ein Ausnahmetalent, wahrscheinlich war er sogar das, was man den Jahrhundertradfahrer nennen muss. Und doch hat auch er gedopt, um die erhofften Leistungen erbringen zu können. Für Amstrong -der ihn bewundert hat- hat es dann doch nicht gereicht, der hatte einfach die bessere Apotheke mit. Doch lassen wir uns den Spaß nicht vermiesen. Wenn alle jubeln, so jubeln wir eben mit.

  6. Außerdem: Warum interessiert sich man sich denn für dieses Kasperltheater in London? Syrien ?!

    • Fw
    • 04.08.2012 um 23:08 Uhr

    Wenn ich Bolt laufen sehe, dann denke ich mir: der Junge kann das schaffen. Es sieht einfach locker und wie eine Selbstverständlichkeit aus. Warum also Doping? Hoffen wir, dass er sauber ist, wenn nicht, dann wäre es wohl der endgültige Untergang...

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