Zum Tennis kam ich schon sehr früh. Meinem Papa, selbst Tennisspieler, war es zu langweilig, mich zu Hause stundenlang zu beobachten und dort auf mich aufzupassen. Er sagte sich: "Ob ich den Laufstall ins Wohnzimmer oder auf den Tennisplatz stelle, ist letztlich egal." Von da an stand mein Laufstall neben dem Tennisplatz, und ich habe meinem Vater zugeschaut.

Wie kleine Kinder nun mal so sind, wollte ich unbedingt meinen Vater nachahmen. Er hat dann einen Holzschläger abgesägt, und ich habe damit gespielt. In meiner Kindheit habe ich meine freie Zeit mit dem Tennisspielen verbracht und es am Ende zum Profi gebracht.

Tennis ist in meinen Augen die anspruchsvollste Sportart der Welt, weil sie alles vereint: Man braucht ein starkes Ballgefühl, eine sehr gute Fitness und am Schluss kommt es darauf an, ob man die Nerven hat, ein Spiel zu Ende zu spielen. Bei vielen Sportarten braucht man nur ein paar Punkte, und wenn man vorne liegt, kann man das Spiel zerstören. Im Tennis geht das nicht, man muss stets mehr Punkte gewinnen als der Gegner, selbst wenn man haushoch führt.

Tennis ist auch ein sehr taktisches Spiel. Es gibt völlig verschiedene Spielstile. Boris Becker hat beispielsweise viel Volley gespielt, Rainer Schüttler war ein guter Konterspieler. Man kann ein Match auf viele Arten gewinnen.

Dazu muss man auch viele Schlagtechniken beherrschen. In anderen Sportarten wie Fußball oder Basketball gibt es nur wenige Techniken. Im Tennis gibt es den Aufschlag, die Vorhand, die Rückhand, den Return, den Volley, den Schmetterball, den Top-Spin, den Slice und so weiter.

Leider verzichten viele Tennisspieler auf Olympia oder ihnen ist es nicht so wichtig. Das war und ist bei mir nicht der Fall. Ich hätte 2008 an den Olympischen Spielen teilnehmen sollen, verletzte mich aber Ende 2007. Mir riss der Muskel im Ellenbogen und ich wurde nicht rechtzeitig fit. Ich hatte selten so große Schmerzen wie vor dem Fernseher bei der Einlaufzeremonie in Peking . Da hätte ich einfach dabei sein, da hätte ich die Arme hochreißen müssen. Ich habe das Olympia-Hemd immer noch zu Hause liegen.

Diese Olympischen Spiele mit dem Tennisturnier in Wimbledon sind noch einmal was ganz Besonderes. Es ist auch für mich als Profi, der einige Male in Wimbledon gespielt hat, kurios anzuschauen. Eigentlich darf man im Wimbledon nur in Weiß spielen, selbst im Training. Es gibt keine Sponsoren, es ist alles sehr schlicht gehalten. Jetzt spielen die Olympia-Teilnehmer wegen des Olympischen Komitees in roten Schuhen oder in gelben Hemden und die Banden sind pink. Das ist schon einmalig.

Beim traditionsträchtigsten Turnier, auf der traditionsträchtigsten Anlage Olympia spielen zu dürfen, muss unglaublich sein, besonders im Finale, das heute Roger Federer und Andy Murray austragen. Ich wäre selber gerne da.