Zuschauer vor dem London Eye, dem Olympischen Riesenrad © Ryan Pierse/Getty Images Sport

London und Twitter drehen in diesem Sommer das ganz große Rad. Um genau zu sein: das größte Riesenrad Europas. Das London Eye an der Themse , eine der großen Touristenattraktionen der britischen Hauptstadt, wird während der Olympischen Spiele zum 135 Meter hohen Stimmungsbarometer.

Eine Software analysiert alle Tweets des Kurznachrichtendienstes, die mit Olympia zu tun haben, und übersetzt sie in verschiedene Farben. Bei überwiegend positiven Wortmeldungen leuchtet das Riesenrad dann gelb, Grün steht für ein entschiedenes "Na ja", bei Lila würden die Londoner die Spiele am liebsten nach Griechenland zurückschicken.

Willkommen bei den Twitter-Spielen! In diesen Londoner Wochen geht es erstmals nicht nur darum, wer die schnellsten Beine, die ruhigste Hand oder den kühlsten Kopf hat. Auch die Smartphone-Finger sollten gut trainiert sein. Vor vier Jahren in Peking war Twitter noch relativ unbekannt, heute sind es offiziell 140 Millionen User, die mehr oder weniger regelmäßig ihre 140-Zeichen-Nachrichten mit der Welt teilen.

Sport ist dabei eines der beliebtesten Themen: Allein während des Finals der Fußball-EM haben Fans und Zuschauer 16,5 Millionen Tweets abgesetzt, das waren 15.538 pro Sekunde. Und vor den TV-Kameras der Welt erzählt kaum noch ein olympischer Athlet, was ihn wirklich bewegt, lieber tippt man sich Frust und Ärger via Smartphone oder Notebook von der Seele.

Die Veranstalter der Spiele haben deshalb bei Twitter eigens ein so genanntes Olympic Athletes' Hub eingerichtet, eine Art Zentrale für die olympischen Sportler. Dort teilt der Basketball-Superstar LeBron James seine Schnappschüsse von der Eröffnungsfeier mit seinen 5,6 Millionen Followern . Usain Bolt berichtet immerhin fast 700.000 Fans von seinen präolympischen Domino-Wettkämpfen mit den Teamkollegen. Und die deutsche Hürdensprinterin Carolin Nytra lässt noch 1.296 User an ihrem sonntäglichen Frühstück teilhaben: Brötchen, Rührei, Latte Macchiato und Orangensaft.

Doch mit 140 Zeichen kann man auch viel falsch machen. Beim Radrennen der Männer setzten die Zuschauer so viele Tweets ab, dass die Zeitmessung durcheinander geriet. Ein englischer Jugendlicher wurde verhaftet, weil er den Wasserspringer Thomas Daley beleidigt und bedrohte. Einem englischen Reporter sperrte Twitter den Account vorübergehend, weil er die NBC hart kritisiert hatte.