Das deutsche Team hat sein Medaillenziel bei den Olympischen Spielen deutlich verfehlt. Dies geht aus den vom Bundesinnenministerium erstmals veröffentlichten Zielvereinbarungen zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Fachverbänden hervor.

Demnach waren in London insgesamt 86 Medaillen, davon 28 aus Gold, angestrebt worden. Nach 241 der 302 Entscheidungen hat das aus 391 Athleten bestehende Team aber lediglich 38 Mal Medaillen – 10 Gold, 17 Silber, 11 Bronze – gewonnen. Nur im Tischtennis und bei den Kanuten konnten die vereinbarten Ziele erfüllt werden.Die Leichtathleten haben bislang fünf Medaillen geholt. Sie haben in den kommenden letzten Tagen der Spiele noch die Chance, die Marke von acht Medaillen, zwei davon aus Gold, zu erreichen.

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Die Vizepräsidentin des DOSB, Christa Thiel , schloss nach den deutlich verfehlten Medaillenzielen personelle Konsequenzen aus.

"Ich will das nicht wegschieben, aber ich bin erst seit Ende 2010 als Vizepräsidentin für den Leistungssport zuständig und die Zielvereinbarungen wurden 2008 geschlossen", sagte Thiel. DOSB-Chef Thomas Bach sei als Präsident überhaupt nicht antastbar. "Er hat bei der Zielvereinbarung nicht mitgewirkt, das ist auch nicht seine Aufgabe", sagte Thiel.

Die Medaillenziele bezeichnete Thiel als "sehr ambitiös" und warb um Verständnis für die Sportler: "Wir haben es nicht mit Maschinen, sondern Athleten zu tun. Anders als in der Wirtschaft kann es keinen zuverlässigen Steuerungsprozess geben", sagte Thiel.

Eine neue Zielvereinbarung bis 2016 könnte anders aussehen. "Ich denke, dass wir in den nächsten Zyklus andere Parameter einbringen können", sagte Thiel. Die Analyse der Spiele werde ergeben, welche Schlüsse gezogen werden könnten, um zu realistischen Einschätzungen zu kommen.

Ähnlich äußerte sich Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), man werde nach Ausgang der Olympischen Spiele, "nach einer sorgfältigen sportfachlichen Analyse, die notwendigen Schlüsse für die zukünftige Sportförderung ziehen" .

Das Ministerium hatte Teile der Zielvereinbarung mit den deutschen Sport-Fachverbänden bisher unter Verschluss gehalten. Darunter sind vor allem die umstrittenen Medaillenvorgaben und die Angaben über Fördermittel. Ein Journalist hatte nach eigenen Angaben für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung mehrfach vergeblich bei DOSB und Ministerium die Vorgaben erfragt und deshalb Anfang Juli Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Dieser wurde stattgegeben.